ADC Rookie Agentur Mayd

Mit diesem Markenmanifest meldet sich Nivea Creme in der Werbung zurück

Die Geschwister Behnaz (rechts) und Bahador Pakravesh haben Mayd im Mai 2015 gegründet - der ADC würdigt sie jetzt als "Rookie Agentur des Jahres"
© Mayd
Die Geschwister Behnaz (rechts) und Bahador Pakravesh haben Mayd im Mai 2015 gegründet - der ADC würdigt sie jetzt als "Rookie Agentur des Jahres"
Kleine Agentur, großer Job: Das Hamburger Kreativkollektiv Mayd hat eine integrierte Kampagne für Nivea Creme entwickelt, die weltweit zum Einsatz kommen wird. Herzstück ist ein Film, in dem das Flaggschiffprodukt von Beiersdorf als zuverlässiger Begleiter durch alle Höhen und Tiefen des Lebens präsentiert wird. Produktion: Anorak Film, Berlin). Außerdem werden die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der Creme in den Fokus gerückt: Ob Tattoo-Pflege, Make-Up-Entferner oder schützende Pflege vor Kälte - Nivea geht immer, so die Botschaft des Werbespots, der von Anorak Film produziert wurde.

Mayd arbeitet schon seit einigen Jahren mit Beiersdorf zusammen und kommt immer wieder projektweise zum Zug - sei es für Nivea, Labello oder 8x4. Dabei sind klassische Werbekampagnen nur eine von vielen Facetten, die das selbst ernannte Studio of Creative Arts ausmacht. Der Art Directors Club für Deutschland (ADC) würdigt die Agentur heute Abend bei seiner Night of Honour für ihre herausragende Kreativität mit dem Titel "Rookie Agentur des Jahres". Dabei ist Mayd eigentlich gar kein Rookie mehr. Im Mai feiert das Hamburger Kreativkollektiv bereits seinen fünften Geburtstag.


Über den Preis vom ADC haben sich die Gründer Behnaz und Bahador Pakravesh trotzdem gefreut. Dabei hat das Geschwisterpaar durchaus ein ambivalentes Verhältnis zum Art Directors Club und der gesamten deutschen Werbebranche. Nach gut dotierten Jobs bei einigen der Top-Adressen des Landes - Heimat, Jung von Matt, Kemper Trautmann (heute Thjnk) und DDB - hatten die beiden die gründlich die Schnauze voll davon: "Jede Agentur ist zum gleichen Monster mutiert und keine hat aus unserer Sicht verstanden, wie echte Kreative ticken und was für ein Umfeld sie brauchen, um überhaupt kreativ sein zu können", stellt Bahador Pakravesh fest.

Er und eine Schwester wollten es anders machen. Ganz anders. Diesen Anspruch betonen sie auch auf ihrer Homepage. Mayd sei eine Brutstätte für Ideen, die wie Stammzellen jede Form annehmen können. Konkret heißt das: Eine klassische Bewegtbildkampagne kann hier ebenso entstehen wie ein freies Kunstprojekt oder ein ganz neues Produkt beziehungsweise eine neue Marke. Die Mitarbeiter von Mayd verstehen sich als Creative Artists, die arbeiten wie sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen.
„Jede Agentur ist zum gleichen Monster mutiert und keine hat aus unserer Sicht verstanden, wie echte Kreative ticken und was für ein Umfeld sie brauchen, um überhaupt kreativ sein zu können.“
Bahador Pakravesh
Das unkonventionelle Konzept scheint anzukommen. Neben Beiersdorf gehören Kunden wie Gruner + Jahr, Kraft Heinz und das Hamburger Modelabel Paisley zu den Auftraggebern. "Wir sind prädestiniert für Kunden, die andere Wege gehen wollen", stellt Pakravesh fest. So wie kurz nach der Gründung mit Paisley, dem ersten Kunden. Damals sorgte das Team mit einem Spot für Aufsehen, in dem ein Mann im Burka durch die Stadt streift, weil seine Paisley-Klamotten nach Ansicht seiner Frau zu heiß für die Öffentlichkeit sind. Voriges Jahr entwickelte Mayd für den langjährigen Kunden mit der "FEM Currency" die erste Währung nur für Frauen und setzte damit ein Zeichen gegen die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen.


Neben derlei Aktionen sind die acht fest angestellten Creative Artists von Mayd stets auch in eigener Sache aktiv. Das kann in Form einer Vernissage sein, die in den eigenen Räumlichkeiten - einer Open-Space-Galerie in der Hamburger Hafencity - stattfindet oder gar in ein kommerzielles Produkt münden. So geschehen bei Smuus, einem Brotaufstrich, der inzwischen europaweit vertrieben wird. Derlei Projekte helfen dabei, sich selbst weiterzuentwickeln. "Unsere Aufgaben ändern sich ständig und wir lernen jeden Tag dazu", erklärt Pakravesh. "Wir hatten zum Beispiel vor Smuus keine Ahnung von MHDs oder Abfüllanlagen. Generell bewegen wir uns täglich außerhalb unserer Komfortzone."

Das jüngste Projekt außerhalb der Komfortzone ist ein eigenes Modelabel namens Bahd’Or, dessen erste Kollektion im April Premiere feiern wird. Für Mayd ist das mindestens so wichtig wie Smuus oder Beiersdorf. "Hier wird nicht unterschieden zwischen bezahlt und nicht bezahlt. Die nächste Vernissage ist genauso wichtig wie die nächste Bahd’Or Kollektion, die nächste Smuus-Sorte oder die nächste Nivea-Kampagne", stellt der Co-Inhaber fest. bu

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