ADC 2020

Großzügige Jury vergibt vier Grands Prix und 62-mal Gold

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Das "The Tampon Book" von Scholz & Friends ist das meistprämierte Projekt beim diesjährigen ADC-Wettbewerb
© The Female Company
Das "The Tampon Book" von Scholz & Friends ist das meistprämierte Projekt beim diesjährigen ADC-Wettbewerb
Mehr Nägel als jemals zuvor - so lautet die Bilanz des diesjährigen ADC-Wettbewerbs. Insgesamt haben die 30 Jurys 414 Nägel und vier Grands Prix vergeben. Die Preise verteilen sich wie folgt: 62-mal Gold, 127-mal Silber und 225-mal Bronze. Das sind 25 Prozent mehr Auszeichnungen als im Vorjahr. Allerdings wurden dieses Jahr auch rund 15 Prozent mehr Arbeiten eingereicht. Insgesamt waren rund 7000 einzelne Exponate im Rennen.
Über je einen Grand Prix können sich Scholz & Friends, Serviceplan, Holoride und das Zeit Magazin freuen. Scholz & Friends bekommt den Best-of-Show-Award im Fachbereich Werbung für das bereits vielfach prämierte "Tampon Book" im Auftrag von The Female Company. Mit weitern sechs goldenen, sechs silbernen und vier bronzenen Nägeln ist das zugleich die meistprämierte Arbeit im gesamten Wettbewerb.


Aus der Jury heißt es dazu: "Üblicherweise steckt zwischen zwei Buchdeckeln eine mehr oder minder spannende Geschichte. In diesem Buch steckte mehr: Die Kraft etwas zu verändern. Einfach. Schlau. Und für uns als Jury absolut überzeugend. Forbes nennt das ,Tampon Book’ ein Must-read für 2019. Für uns als Jury war es ein Must-Award für 2020."
Den diesjährigen Digital Grand Prix sicherte sich Holoride mit dem gleichnamigen Projekt. Hier heißt es in der Jurybegründung: "Holoride fusioniert IoT, AI & XR zu einem neuen Erlebnisformat. Angepasst an die Autobewegungen ermöglicht es immersives Geschichtenerzählen. Was die Jury besonders überzeugt hat, ist die große visionäre Produktidee, die eine völlig neue Unterhaltungssparte erschaffen hat." Die Arbeit hat zudem zwei goldene und einen silbernen Nagel gewonnen und steht damit im Ranking der meistprämierten Projekte auf Rang 11.
Serviceplan ist der große Gewinner im Bereich Design. Die Arbeit "Made in Fukushima", die im Auftrag der Meter Group entstanden ist, begeisterte die Grand Jury durch sein perfektes Layout und eine Verarbeitung auf absolutem Höchstniveau. "So schön können Zahlen sein, so klar und elegant und konsequent werden Statistiken dargestellt, so unprätentiös, ruhig und fast meditativ die Fotos und die Texte: Der Inhalt des Berichts ,Made in Fukushima’ klärt sauber, schlicht, zurückhaltend und nachvollziehbar über die Unbedenklichkeit des Reis aus Fukushima auf", lautet das Statement dazu. Im Ranking der meistprämierten Projekte landet "Made in Fukushima" auf Platz 2. Die Bilanz dazu: dreimal Gold und dreimal Silber.
Einen weiteren Grand Prix gab es im Bereich Editorial. Hier konnte sich der Zeit Verlag Gerd Bucerius mit der im Zeit Magazin erschienenen "Fotokolumne 2019" hervortun. Die Kolumne von Florian Jaenicke über seinen mehrfach schwerstbehinderten Sohn Friedrich sei die stärkste Arbeit dieses Jahrgangs, erklärt die Jury. "Sie verschiebt unsere Perspektive und lehrt uns, was Glück bedeutet. Durch das wöchentliche Erscheinen des einen Bildes und Textes erfahren wir einen intimen Einblick in das Leben mit Friedrich von seiner Geburt an. Wir spüren die bedingungslose Liebe des Vaters und nähern uns einem immer noch oft mit Tabus behafteten Themas an, mit Empathie, Sensibilität und Offenheit." Mit einem Gold-Nagel on top reicht es für Platz 22 der meistprämierten ADC-Projekte.
Die "Fotokolumne 2019" des Zeit Magazins erzählt den Grand Prix in der Sparte Editorial
© ADC
Die "Fotokolumne 2019" des Zeit Magazins erzählt den Grand Prix in der Sparte Editorial
In den Top 5 der in diesem Jahr mit den meisten Nägeln prämierten Arbeiten befinden sich neben dem "Tampon Book" und "Made in Fukushima" eine Kampagne von Heimat und zwei von Jung von Matt. Heimat landet mit der Kampagne "Ist das noch Handwerk?" im gemeinsamen Auftrag des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und des Bundesverbands Deutscher Bestatter auf Platz 3. Das von Jung von Matt initiierte Projekt "For Seasons - komponiert durch Klimadaten" für das NDR Elbhpilharmonie Orchester belegt Platz 4. Auf dem fünften Platz landet die BMW-Kampagne "The Small Escape", ebenfalls von Jung von Matt. Die 30 ADC-Jurys mussten aufgrund der Corona-Krise erstmals virtuell tagen. Generell habe die aktuelle Ausnahmesituation sicherlich auch Einfluss auf die Bewertungen gehabt, stellt ADC-Präsident Heinrich Paravicini fest. "Wir zeichnen Projekte aus, die sich mit Politik, gesellschaftlichem Miteinander, Klimawandel, Flüchtlingen, Krankheiten und Frauenrechten beschäftigen – und das unabhängig davon, ob der Kunde eine NGO oder ein Unternehmen wie BMW, die Commerzbank, Lufthansa oder Nike ist. Das dies eine Jury unter dem Eindruck der Corona Krise besonders bewegt, ist nachvollziehbar und auch gut so."

Die diesjährige Juryvorsitzende Corinna Falusi, Chief Creative Officer und Partner von Mother in New York, sieht das ganz ähnlich. Ihr Fazit:  "Grand-Prix-gekrönte Arbeiten geben ein Hinweis darauf, wie großartige Cases über die Werbung hinauswirken und gesellschaftlichen Wandel bewirken können. Sie erinnern uns, wie wirkungsvoll Ideen für die reale Welt sein können."


Parallel zu den Profis ist heute auch die Werbenachwuchs geehrt worden. Beim Junior Wettbewerb des ADC gibt es dieses Jahr nur zwei Grands Prix. Einer geht an die Semesterarbeit "nicht gönnen können" von Farina Lichtenstein, Studentin an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Im Bereich Abschlussarbeiten hat sich Vanessa Melzner von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg mit dem Projekt "Uniperverse" durchgesetzt. Generell könnte der Nachwuchs ruhig noch eine Schippe drauflegen. „Mehr Mut und mehr Irrsinn – das wünschen sich die Jurys des Art Directors Club Deutschland von den Junioren. Beide Grand Prix Gewinner zeigen Arbeiten, die was wagen. Davon mehr“, fordert Jury-Chairwoman Barbara Kotte. bu

ADC 2020: Die meistprämierten Projekte

1Scholz & FriendsThe Tampon Book: Das Buch gegen SteuerdiskriminierungThe Female Company
2ServiceplanMade in FukushimaMeter Group
3HeimatIst das noch Handwerk?Zentralverband des Deutschen Handwerks / Bundesverband Deutscher Bestatter
4Jung von MattFor Seasons - komponiert durch KlimadatenNDR Elbhpilhamonie Orchester
5Jung von MattThe Small EscapeBMW
6Accenture Interactive / Kolle Rebbe#SayYesToEuropeLufthansa
7Fischer Appelt / Philipp und Keuntje#UNHATEWOMENTerre des Femmes T
8Accenture Interactive / Kolle Rebbe#ALL41DAZN Perform Investment Germany
9Antoni GarageBertha BenzMercedes-Benz
10Jung von MattBVG – Nächster Halt: WeltkulturerbeBerliner Verkehrsbetriebe (BVG)
Quelle: ADC

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