Werbeholdings

Top-Analyst nimmt Kaufempfehlung für WPP zurück

So sieht das Markenportfolio von WPP aktuell aus. Wie lange noch?
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So sieht das Markenportfolio von WPP aktuell aus. Wie lange noch?
Brian Wieser gilt als einer der kenntnis- und einflussreichsten Analysten, wenn es um die Bewertung der börsennotierten Werbekonzerne geht. Sein Wort hat Gewicht. Wenn der Mann von Pivotal Research Group erklärt, wie er WPP, Omnicom, Publicis und Co einschätzt, hören nicht nur Investoren aufmerksam zu, sondern auch die Verantwortlichen in den Konzernzentralen. Jetzt hat Wieser seine Kaufempfehlung für die weltgrößte Werbeholding WPP kassiert - und stuft die Aktie auf "Halten" zurück.
Noch interessanter als die Einstufung als solche sind Wiesers Einschätzungen der aktuellen Situation bei WPP. So geht er davon aus, dass der Kapitalmarkt einen möglichen Verkauf der Marktforschungstochter Kantar positiv aufnimmt - "nicht zuletzt Investoren, die das Datengeschäft nicht mögen". Einige Beobachter bringen als denkbaren Käufer für diese Sparte den früheren WPP-Chef Martin Sorrell und seine neue Firma S4 Capital ins Gespräch. Sorrell hatte diese vor kurzem gestartet und will mit ihr eine neue Holding im Werbemarkt etablieren. Ebenfalls positiv auf den Börsenkurs von WPP könnte sich laut Wieser die Trennung von einigen Beteiligungen auswirken. Genannt werden in diesem Zusammenhang Comscore, Globant, Vice Media und Appnexus.


Auf der anderen Seite nennt der Analyst Faktoren, die die Kursentwicklung von WPP belasten könnten. Zum Beispiel, wenn der neue CEO, der derzeit gesucht wird, kein Insider ist. "Das könnte zu weiteren Störungen im Management und im Geschäft selbst führen", schreibt Wieser. Aktuell wird die Holding operativ von Mark Read und Andrew Scott geführt. Read gilt als Favorit, sollte ein interner Kandidat zum Zug kommen. Manche Beobachter glauben aber, dass Excutive Chairman Roberto Quarta und einige einflussreiche Investoren eher auf einen Neuanfang mit einem externen Manager setzen. In diesem Kontext werden unter anderem der aktuelle BBDO-Chef Andrew Robertson und Oath-Chef Tim Armstrong gehandelt.

Trotz der aktuellen Herausforderungen für alle Werbeholdings wie die Konkurrenz durch große IT- und Unternehmensberatungen sowie den Trend zu Inhousing von Media und Kreation auf Kundenseite, schätzt Wieser den Agentursektor weiterhin grundsätzlich positiv ein. Auch traut er WPP zu, wieder eine führende Rolle zu übernehmen. Dennoch: Nach der aktuellen Rückstufung der Muttergesellschaft von Agenturen wie Ogilvy, Grey, JWT, Y&R und dem Mediaverbund Group M gibt es für keinen der großen Werbekonzerne eine Kaufempfehlung von dem Pivotal-Analysten. mam


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