Werbeholdings

Publicis stellt seine Agenda 2020 vor

Publicis-Chef Arthur Sadoun
© Arthur Delloye
Publicis-Chef Arthur Sadoun
Die französische Werbeholding Publicis will in den kommenden drei Jahren ein zusätzliches Umsatzvolumen von 900 Millionen Euro erzielen. Das gab die Nummer drei der Branche heute kurz vor ihrem Investorentag in London bekannt, der erstmals seit 2013 wieder stattfindet. Ziel sei es, im Jahr 2020 ein organisches Umsatzwachstum von 4 Prozent auszuweisen, teilt das von CEO Arthur Sadoun geführte Unternehmen mit.
Zudem kündigt Publicis strukturelle Veränderungen und Weiterentwicklungen an. So soll das Modell mit den sogenanten "Global Client Leaders" ausgebaut werden. Aktuell gibt es in der Gruppe 35 solcher Verantwortlichen, die sich weltweit um einen Großkunden kümmern - mit dem gesamten Angebot der Gruppe im Rücken. Sie stehen aktuell für rund ein Drittel des Gesamtumsatzes von 9,7 Milliarden Euro. Bis 2020 soll es 100 dieser Etatverantwortlichen geben, der Umsatzanteil soll auf über 50 Prozent gesteigert werden.


Ausbauen will Publicis zudem das Modell mit gesamtverantwortlichen Länderchefs. In Deutschland war zuletzt Justin Billingsley in dieser Rolle. Er wechselt aber an die Spitze der Agentur Emil, die Publicis speziell für den Kunden Mercedes-Benz etabliert. Wer künftig an der Spitze der deutschen Organisation von Publicis stehen wird - und damit sämtliche Disziplinen und Marken verantwortet - ist nicht bekannt.

Weiter forcieren will der Konzern auch sein Angebot für Business Transformation, Data und Dynamic Creativity. Aktuell erzielt Publicis 16 Prozent seiner Umsätze in diesen Bereichen, bis 2020 sollen es 30 Prozent sein. Nach der Übernahme der IT-Beratung Sapient im Jahr 2014 sieht sich Publicis in diesem Segment besser aufgestellt als die anderen Werbekonzerne und gut gerüstet für den Wettbewerb mit Angreifern aus der Consultingbranche wie Accenture, Deloitte und IBM.


Verbessern will das Unternehmen nicht zuletzt seine Rendite. Sie soll bis 2020 pro Jahr um 30 bis 50 Basispunkte gesteigert werden. In der künftigen Struktur erwartet Publicis Einsparungen in Höhe von 450 Millionen Euro. Diese sollen unter anderem durch den Umbau bei den Shared Services zustandekommen, also den Dienstleistungen, auf die alle Agenturen des Verbunds zugreifen. In diesem Zusammenhang will Publicis weltweit vier große Umsetzungszentren etablieren - in Indien, Kolumbien, Costa Rica und auf Mauritius. Dort sollen bis 2020 13.000 Mitarbeiter beschäftigt sein, aktuell sind es 8700. Was diese Maßnahmen für die Umsetzungszentren auf Länderebene heißt, muss man abwarten. In Deutschland ist Publicis derzeit dabei, die Produktionskapazitäten seiner einzelnen Agenturen zusammenzuführen.

Neben Sparmaßnahmen will die Gruppe aber auch investieren. Für Akquistionen sollen pro Jahr 300 bis 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen, teilt Publicis mit. "Wir sehen uns in einer einzigartigen Marktposition, da niemand sonst diese Bandbreite an Know-how in einer vernetzten Form bereitstellen kann, mit der notwendigen Glaubwürdigkeit bei CMOs und CIOs", gibt sich Konzernchef Sadoun selbstbewusst. Die Aktien der internationalen Werbeholdings waren zuletzt allesamt unter Druck geraten, nachdem Marktführer WPP einen eher skeptischen Ausblick gegeben hatte. Die Reaktion des Kapitalmarkts auf die Pläne von Publicis bleibt bislang verhalten. Zu Beginn des Handelstags stieg der Kurs zwar um 3 Prozent, inzwischen ist er allerdings leicht im Minus. mam  
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