Werbefestivals WPP will Eurobest boykottieren

Donnerstag, 28. September 2017
WPP-Chef Martin Sorrell soll alle Agenturen angewiesen haben, nicht bei Eurobest mitzumachen
WPP-Chef Martin Sorrell soll alle Agenturen angewiesen haben, nicht bei Eurobest mitzumachen
© WPP

Während der diesjährigen Cannes Lions im Juni sorgte Publicis-Chef Arthur Sadoun mit seiner Ankündigung, ein Jahr lang bei Award Shows zu pausieren, für die größten Schlagzeilen. Jetzt zieht offenbar WPP nach. Das US-Branchenmagazin "Adweek" berichtet von einem internen E-Mail-Verkehr, aus dem hervorgeht, dass WPP-Chef Martin Sorrell damit droht, im kommenden Jahr auf seine Teilnahme an dem weltweit größten Werbefestival zu verzichten. Bei dessen Ableger Eurobest will er schon 2017 aussteigen.
Damit es nicht auch zu einem Cannes-Rückzug von WPP kommt, muss Ascential - die Muttergesellschaft der Lions - gewisse Bedingungen erfüllen. Welche Forderungen Sorrell genau stellt, ist nicht bekannt. Es ist aber kein Geheimnis, dass ihn in erster Linie die hohen Kosten stören. Fest steht dagegen, dass der geplante Festival-Boykott bereits das diesjährige Eurobest-Festival betrifft. Das europäische Kreativfestival wird ebenfalls von Ascential veranstaltet und gilt als die kleine Schwester der Cannes Lions. Es findet alljährlich im Spätherbst in wechselnden europäischen Metropolen statt - dieses Jahr in London.
"Adweek" berichtet, dass es in den nächsten Wochen ein Meeting zwischen Sorrell, dem weltweiten WPP-Kreativdirektor John O'Keefe und Ascential-CEO Duncan Painter geben wird, um zu klären, ob die Werbeholding weiterhin an den großen Award Shows teilnehmen wird. Eine der Forderungen besteht offenbar darin, die Kategorienflut zu reduzieren. Dies sei bereits erfolgt. Außerdem sollten sich Lions und Co wieder stärker auf Kreativität konzentrieren. Auch ist von einer zeitlichen Verkürzung des Festivals die Rede, das vielen Managern mit seiner Gesamtlänge von acht Tagen deutlich überdimensioniert daherkommt.

Über Eurobest schreibt O'Keefe laut "Adweek" in seiner Mail, er sehe keinen wirklichen Wert in dem Festival, weil es weder auf die Kreativbranche noch auf die Kunden einen besonderen Reiz ausübe und deshalb nicht von besonderem Wert sei. Allerdings ist es wohl so, dass einige WPP-Agenturen in Europa bereits ihre Einsendungen abgeschickt haben. Außerdem kommen mehrere Jurymitglieder und Sprecher aus den Reihen der Networkagenturen. Sorrell soll in einer Antwortmail angewiesen haben, sämtliche Einsendungen sowie das personelle Engagement von WPP-Agenturen bei Eurobest zu stoppen. Die Holding will sich auf Anfrage nicht zu der Angelegenheit äußern. bu
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