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Ende einer Ära: CEO Martin Sorrell tritt zurück

Am Ende war der Druck wohl doch zu groß: WPP-Chef Martin Sorrell gibt auf
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Am Ende war der Druck wohl doch zu groß: WPP-Chef Martin Sorrell gibt auf
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Jetzt also doch: Martin Sorrell, CEO der weltweit größten Werbeholding WPP, tritt zurück. Wie das Unternehmen am späten Samstagabend mitteilte, gibt der seit mehr als 30 Jahren amtierende CEO sein Amt mit sofortiger Wirkung auf. Bis zur Ernennung eines neuen Chefs, übernimmt Chairman Roberto Quarta als Executive Chairman die Führung. Mark Read und Andrew Scott werden Co-COOs.
Ein konkreter Grund für den Rücktritt von Sorrell wird weder in der Mitteilung von WPP noch in einer separat verfassten Erklärung des 73-Jährigen genannt. In dem Schreiben von WPP heißt es leidglich, dass die Untersuchung gegen Sorrell wegen Fehlverhaltens abgeschlossen sei. Zu den Ergebnissen schweigt sich WPP aus, stattdessen wird noch einmal die schon bei Bekanntwerden der Untersuchung verwendete Aussage wiederholt, dass es nicht um substanzielle Summen geht.


Sorrells Vertrag mit WPP ermöglicht es beiden Seiten, die Zusammenarbeit fristlos zu beenden. Von dieser Regelung macht der bisherige CEO nun Gebrauch. Ob er damit einem entsprechenden Schritt des Unternehmens zuvorkommt, ist nicht bekannt. Zuletzt hatte sich ohnehin abgezeichnet, dass es für ihn nach den Vorgängen der vergangenen Tage keine einfache Rückkehr zur Tagesordnung geben kann. Zu groß war offenbar das Interesse wichtiger Akteure, Sorrell loszuwerden. So wurden immer wieder Namen möglicher Nachfolger durchgestochen. Erst am Freitagabend hatte das "Wallstreet Journal" mit Berufung aus "informierte Kreise" berichtet, dass Wunderman-Chef Read und WPP-Europamanager Scott die Führung übernehmen könnten, sollte Sorrell ausscheiden.

"Natürlich bin ich traurig, WPP nach 33 Jahren zu verlassen. Ich glaube jedoch, dass es im besten Interesse des Unternehmens ist, wenn ich jetzt zurücktrete", sagt Sorrell. Die aktuellen Turbulenzen durch die der Konzern gehe, erzeugten zu viel unnötigen Druck auf das Geschäft, die Mitarbeiter und die Kunden, so der Manager weiter.


Wie das Unternehmen erklärt, wird Sorrell so behandelt, als sei er gemäß der Konzernregeln für Direktoren in den Ruhestand gegangen. Das dürfte nicht zuletzt aus finanziellen Gründen (zum Beispiel für etwaige Boni) wichtig sein. Der scheidende CEO teilt mit, dass er allen Mitgliedern des Boards und allen Mitarbeitern von WPP zur Verfügung stehe, sollten sie seine Hilfe benötigen. In Anlehnung an ein Zitat des früheren FC-Liverpool-Managers Bill Shankly sagt Sorrell: "Als Gründer kann ich sagen, dass WPP nicht nur eine Frage von Leben oder Tod ist, es war und wird wichtiger sein."

Der frühere Finanzchef von Saatchi & Saatchi hatte WPP 1985 durch die Übernahme des börsennotierten Firmenmantels von Einkaufswagenhersteller Wire & Plastic Products ins Leben gerufen und zur weltweit größten Werbeholding ausgebaut, unter anderem durch Zukäufe internationaler Agenturnetzwerke wie Ogilvy, JWT, Y&R und Grey. Unter seiner Ägide entstand zudem der Mediaagenturverbund Group M.

Inklusive aller Beteiligungen sind heute rund 200.000 Mitarbeiter bei WPP beschäftigt. 2017 erzielte die Holding einen Umsatz von mehr als 17,4 Milliarden Euro. Zuletzt war das Unternehmen an der Börse allerdings massiv unter Druck geraten und hatte binnen Jahresfrist über ein Drittel seines Werts verloren. Auch der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr ist verhalten. Kritiker warfen Sorrell daraufhin vor, keine geeignete Strategie für die aktuellen Herausforderungen entwickelt zu haben. Zudem gab es immer wieder Auseinandersetzungen über die Höhe seiner Vergütung. mam
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