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Chairman Roberto Quarta gerät unter Druck

Executive Chairman Roberto Quarta bekommt Gegenwind
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Executive Chairman Roberto Quarta bekommt Gegenwind
Nach dem Rücktritt von Martin Sorrell als CEO des weltweit größten Werbekonzerns WPP gerät nun auch Executive Chairman Roberto Quarta unter Druck. Wie britische Medien berichten, empfiehlt die Beratungsfirma Glass Lewis den Investoren, den 69-Jährigen bei der Hauptversammlung im Juni nicht erneut an die Spitze des Boards zu wählen. Begründet wird dies mit "schweren Vorbehalten" bezüglich Quartas Verhalten im Zuge des Sorrell-Rücktritts und der Nachfolgeregelung.
"Wir hegen Bedenken hinsichtlich der Transparenz und Wirksamkeit des Nachfolgeprozesses", zitiert die Tageszeitung The Guardian aus dem Bericht von Glass Lewis für WPP-Investoren. Darin wird unter anderem kritisiert, dass bis heute keine Details der Untersuchung gegen Sorrell wegen "persönlichen Fehlverhaltens" veröffentlicht wurden und der frühere CEO als sogenannter "Good Leaver" eingestuft wurde - was ihm Optionen auf künftige Aktienauszahlungen in Höhe von bis zu 20 Millionen britischen Pfund erhält. "Wenn wir keine weiteren Informationen über Sir Martins Pensionierung erhalten, sind wir der Ansicht, dass die Aktionäre nicht in der Lage sind zu bestimmen, in welchem Umfang er als Good Leaver behandelt werden sollte", heißt es in dem Papier von Glass Lewis. In diesem Zusammenhang wird auch empfohlen, gegen den Vergütungsbericht des Konzerns zu stimmen.



Ein weiterer Kritikpunkt ist die Art und Weise, wie die Nachfolge geregelt wurde. Die Beratungsfirma wirft Quarta und dem Nominierungsausschuss vor, sich nicht angemessen auf den Rückzug des Langzeit-CEO vorbereitet zu haben. WPP hatte mehrfach erklärt, für den Fall der Fälle einen Plan in der Schublade zu haben, der dann auch zum Tragen kam. Seither steht Quarta übergangsweise als Executive Chairman an der Spitze der Holding. Um das operative Geschäft kümmern sich die beiden Co-COOs Mark Read und Andrew Scott. Read gilt als interner Kandidat für den CEO-Posten. Gleichzeitig läuft aber auch eine externe Suche über eine Headhunter-Firma.

WPP weist die Vorwürfe von Glass Lewis zurück. Sorrell sei im Einklang mit seinem Vertrag und der verabschiedeten Vergütungspolitik behandelt worden, zitiert The Guardian einen Konzernsprecher. Eine Abstimmung gegen Quarta sei nicht im Interesse der Investoren, vor allem nicht zu einem Zeitpunkt, wo das Unternehmen keinen CEO habe und das Geschäft Stabilität brauche, so der Sprecher weiter. mam


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