Vorwurf "persönliches Fehlverhalten"

WPP leitet Untersuchung gegen CEO Martin Sorrell ein

WPP-Chef Martin Sorrell steht unter Druck
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WPP-Chef Martin Sorrell steht unter Druck
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Diese Nachricht lässt die Werbebranche aufhorchen: WPP, die weltweit größte Kommunikationsholding, hat eine Untersuchung wegen persönlichen Fehlverhaltens gegen ihren langjährigen CEO Martin Sorrell eingeleitet. Das bestätigt das börsennotierte Unternehmen in einer kurzen Presseerklärung.
Der Wortlaut der Mitteilung: "Der Vorstand von WPP hat einen unabhängigen Anwalt berufen, der als Reaktion auf einen Vorwurf persönlichen Fehlverhaltens eine Untersuchung gegen Sir Martin Sorrell, Chief Executive Officer von WPP, durchführen wird. Die Untersuchung läuft noch. Die Vorwürfe beziehen sich nicht auf Beträge, die für WPP wesentlich sind."


Worum genau es bei den Anschuldigungen geht, wollte ein Konzernsprecher auf Anfrage von HORIZONT nicht näher erläutern. Er bitte um Verständnis, dass er für die Dauer der Untersuchung keine weiteren Angaben machen könne, so der WPP-Sprecher. Auf die Frage, ob Sorrell bis zur Klärung der Vorwürfe sein Amt ruhen lasse oder unverändert an Bord bleibe, teilt der Sprecher mit: "Keine Veränderung während der Untersuchung." Sorrell, 73, steht seit über 30 Jahren an der Spitze von WPP.

Die offizielle Erklärung von WPP kommt kurz nachdem das "Wall Street Journal" über einen möglichen Missbrauch von Unternehmensvermögen bei der britischen Werbeholding berichtet hat. Zuvor hatte es Berichte über deutliche Gehaltseinbußen von CEO Sorrell gegeben. Demnach fiel sein Bonus für das Jahr 2017 auf 14 Millionen US-Dollar, nachdem er im Vorjahr noch Bonuszahlungen von fast 60 Millionen Dollar eingestrichen hatte. WPP hat im vorigen Jahr deutlich an Börsenwert verloren. Der Aktienkurs sank binnen Jahresfrist um mehr als ein Drittel. Auch der Geschäftsausblick für das laufende Jahr fällt eher schwach aus. mam

Update: Inzwischen hat sich auch Martin Sorrell geäußert. Über die Beratungsfirma Project Associates lässt er ausrichten, dass er die erhobenen Vorwürfe zurückweist, aber anerkennt, dass sie durch WPP untersucht werden müssten. Gleichzeitig konkretisiert er in seinem Statement, das HORIZONT vorliegt, worum es eigentlich geht, indem er von einer "Behauptung finanzieller Unangemessenheit, insbesondere in Bezug auf die Verwendung von Unternehmensmitteln" spricht. Was genau ihm zur Last gelegt wird, bleibt allerdings auch hier unklar. Sorrell betont, dass er "selbstverständlich" keinen Einfluss auf die Ermittlungen nehmen und aktuell keine weiteren Erklärungen zur Sache abgegen werde. Der CEO geht von einem raschen Abschluss der Untersuchung aus.   



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