Vor der Hauptversammlung

WPP meldet neue Zahlen / Was steckt hinter Vorwürfen gegen Sorrell?

Roberto Quarta, Executive Chairman von WPP
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Roberto Quarta, Executive Chairman von WPP
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Am heutigen Mittwoch findet die Hauptversammlung der britischen Werbeholding WPP statt. Kurz vor Beginn der Veranstaltung hat die Gruppe neue Zahlen für die ersten vier Monate veröffentlicht. Der Umsatz (ohne durchlaufende Kosten) für den Zeitraum Januar bis April hat sich gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres kaum verändert. WPP spricht von einer geringfügigen Erhöhung auf 3,97 Milliarden Pfund. Das entspricht 4,51 Milliarden Euro.
Die jetzt vorgelegten Zahlen unterscheiden sich kaum von denen, die Ende April für das 1. Quartal präsentiert wurden. Für diesen Zeitraum stand ein leichtes Minus von 0,1 Prozent in den Büchern. Verbessert hat sich die Situation im April vor allem in der Region Western Continental Europe, zu der auch der deutsche Markt gehört. Hier erhöhten sich die Netto-Umsätze um 0,9 Prozent. Deutschland, Dänemark, Italien, Spanien und die Türkei werden neben anderen als Länder mit besonders starkem Wachstum genannt. Schwierig bleibt das Geschäft für WPP weiterhin in den USA. Hier bleibt es bei einem Umsatzrückgang von 2,4 Prozent.



Mehr als die aktuellen Zahlen dürfte die Beobachter allerdings interessieren, wie die heutige Hauptversammlung von WPP in London abläuft. Das beherrschende Thema des Aktionärstreffens dürfte der überraschende Ausstieg des langjährigen CEO Martin Sorrell sein. Er war nach dem (bis heute) nicht näher erläuterten Vorwurf "persönlichen Fehlverhaltens" Mitte April zurückgetreten, hat als soganannter "good leaver" aber weiter Ansprüche auf Bonuszahlungen. Nicht zuletzt deshalb steht Executve Chairman Roberto Quarta unter Druck. Einige Aktionäre haben sich gegen seine Wiederwahl ausgesprochen.

Unterdessen wird in internationalen Presseberichten spekuliert, was tatsächlich hinter den Vorwürfen gegen Sorrell stecken könnte. So ist im Wall Street Journal davon die Rede, dass der Werbemanager eine Prostitutierte mit einer Firmenkreditkarte von WPP bezahlt haben soll. Dabei soll es um eine Zahlung von 300 Pfund gegangen sein. Ein Sprecher von Sorrell weist die Vorwürfe zurück. Der 73-Jährige hat inzwischen eine neue Holding gegründet, mit der er sich in der Marketing- und Kommunikationsbranche engagieren will.


Wer künftig an der Spitze von WPP stehen wird, ist noch nicht bekannt. Das operative Geschäft verantworten derzeit die beiden Co-COOs Mark Read und Andrew Scott. Sollte ein interner Manager die Führung übernehmen, gilt Read als Favorit. Es werden aber auch externe Kandidaten gehandelt. Wann eine Entscheidung fallen soll, ist offen. mam
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