Studie zur Digitalen Transformation

IT-Berater sind besser aufgestellt als Agenturen

Lünendonk-Partner Mario Zillmann hat die Studie verfasst
Lünendonk & Hossenfelder
Lünendonk-Partner Mario Zillmann hat die Studie verfasst
Auch wenn viele Agenturen es nicht wahrhaben wollen: Im Digitalmarkt wachsen die großen IT-Beratungen zu schlagkräftigen Wettbewerbern heran. Bei großen Transformationsprojekten gelten sie inzwischen sogar als die geeigneteren Partner - das zumindest ist das Ergebnis einer Marktsegmentstudie der auf Branchen- und Unternehmensanalysen spezialisierten Beratungsfirma Lünendonk & Hossenfelder, die HORIZONT exklusiv vorliegt.
Auftraggeber der Untersuchung sind die Dienstleister Accenture, Cognizant, KPS, PwC und Sapient Razorfish. Studienautor Mario Zillmann betont allerdings, dass die Initiatoren keinen Einfluss auf die Ergebnisse und deren Interpretation genommen haben. Befragt wurden neben 16 führenden Anbietern von Services im Bereich Digital Customer Experience mehr als 100 C-Level-Manager (CEO, CMO/CDO, CIO) von Großunternehmen und Konzernen.
Die Kernergebnisse der Studie im Überblick (zum Vergrößern klicken)
Die Kernergebnisse der Studie im Überblick (zum Vergrößern klicken) (© Lünendonk & Hossenfelder)
Die Ergebnisse sind nicht gerade schmeichelhaft für Agenturen. Nur 42 Prozent der Befragten halten Digital-/Internetagenturen für die geeigneten Anbieter, wenn es um große digitale Transformationsprojekte geht. Hier haben eindeutig die IT-Dienstleister (Zustimmung: 93 Prozent) sowie Strategie-& Managementberatungen (80 Prozent) die Nase vorn. Die von den Konzernmanagern am häufigsten genannten Partner für digitale Transformationsprojekte sind IBM, Accenture, Deloitte und Capgemini. Die erste Agentur kommt mit Serviceplan an 13. Stelle. "Wenn es um anspruchsvolle Digitalisierungsprojekte geht, reden wir auch über Prozesse, IT-Umsetzung und Organisationsentwicklung. Unsere Befragung zeigt deutlich, dass hier die großen IT-Dienstleister und Beratungsfirmen mit einem breiten Portfolio klare Kompetenzvorteile gegenüber den Agenturen haben", sagt Studienautor Zillmann.

Für Agenturen sieht er trotzdem Potenzial, aber nur dann, wenn sie sich zusätzliche Beratungs- und IT-Kompetenzen aneignen. Immerhin: Die Kernkompetenz der Agenturen bleibt gefragt. 88 Prozent der Befragten zählen "Kreativität" zu den wichtigen Kompetenzen, die sie von Dienstleistern im Bereich Digital Customer Experience erwarten. In diesem Zusammenhang rechnen die Lünendonk-Experten auch mit weiteren Übernahmen von Agenturen durch IT-Beratungsfirmen, allerdings nicht mehr in der Größenodernung des Deals, den Accenture Anfang 2017 mit Sinner Schrader gemacht hat. Auch Übernahmen in die umgekehrte Richtung seien möglich. Die Studie untersucht ebenfalls, vor welchen Herausforderungen die Unternehmen und Konzerne sich selbst beim Thema digitale Transformation sehen. Hauptproblem sind nach Einschätzung der Befragten traditionelle Bereichs- und Silo-Strukturen, die die Umsetzung größerer Projekte erschweren. Zudem fehlt oft die Vernetzung der relevanten Touchpounts, um eine Gesamtsicht zu ermöglichen. Mehr als 60 Prozent der Befragten haben zu wenig Transparenz über die Customer Journey und das Kaufverhalten. Ein weiterer Engpass ist der Umgang mit kundenbezogenen Daten (Stichwort: EU-Datenschutzgrundverordnung).

Zum ersten Mal versucht sich Lünendonk an einer Schätzung des Marktes für Digital Customer Experience Services in Deutschland. Die Experten kommen auf ein Umsatzvolumen von 3,8 Milliarden Euro. Davon entfallen 1,7 Milliarden Euro auf Fullservice-Digitalagenturen und 1,1 Milliarden Euro auf hybride Beratungs- und IT-Dienstleister wie IBM iX, Accenture Interactive und Deloitte Digital. Der Rest entfällt auf Spezialanbieter und Beratungen mit entsprechendem Teilportfolio. Konkrete Umsatzzahlen für die einzelnen Dienstleister gibt es in der Studie nicht. Nur so viel: Fünf der 16 untersuchten Anbieter erzielen ein Umsatzvolumen von jeweils über 70 Millionen Euro, elf kommen auf ein Volumen zwischen 2 und 40 Millionen Euro. Die weitere Marktentwicklung schätzt die Studie sehr optimistisch ein. Für das aktuelle Jahr wird ein Wachstum von rund 20 Prozent erwartet, für die beiden Folgejahre ebenso. Die komplette Studie finden Sie hier. mam

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