Scholz & Friends-Manager Oliver Handlos

"Niemand wartet auf eine deutsche Agentur"

Oliver Handlos ist seit Anfang 2018 Geschäftsführer Kreation bei Scholz & Friends Berlin
© Scholz & Friends
Oliver Handlos ist seit Anfang 2018 Geschäftsführer Kreation bei Scholz & Friends Berlin
Oliver Handlos ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer Kreation bei Scholz & Friends Berlin. Davor arbeitete er in den USA, bereits zum zweiten Mal nach einer zwischenzeitlichen Rückkehr nach Deutschland. In seinem Antrittsinterview spricht er darüber, wie er deutsche Kreation internationaler machen will - und warum es sinnlos ist, in den USA einen Ableger zu gründen.
Herr Handlos, werden Sie jetzt zum Pendler zwischen den USA und Deutschland? Wenn Elon Musk endlich die Concord reaktiviert ... Nein. Bei meinem zweiten Wechsel hatte ich die Chance auf eine Schlüsselposition bei Grey New York. Ich hatte das Gefühl, dass meine Mission dort noch nicht beendet war. Jetzt reizt mich die Aufgabe bei Scholz & Friends.


Hat für Ihren Wechsel auch das veränderte gesellschaftliche Klima unter Präsident Trump eine Rolle gespielt? Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich bin immer noch mit halbem Herzen in New York und fremdele etwas mit Berlin.

Die vermeintlich coolste Stadt Deutschlands, wenn nicht gar Europas, kann Ihr Herz nicht erobern? Doch. Ich habe hier ja auch schon lange gelebt und kenne die Stadt ziemlich gut von früher. Auf der einen Seite finde ich beeindruckend, was sich alles verändert hat – und was nicht. Berlin ist Bewegung und Stillstand in einem. Und zweifellos ist Berlin inzwischen einer der wichtigsten Kreativstandorte weltweit. Das wollen wir für die Weiterentwicklung von Scholz & Friends nutzen.


„Cannes ist eben nicht nur Selbstbefriedigung, sondern wichtig, um im globalen Werbemarkt wahrgenommen zu werden.“
Oliver Handlos
Indem Sie was tun? Wir wollen von Berlin aus für internationale Kunden oder für deutsche Unternehmen, die weltweit agieren, Kampagnen entwickeln, die nicht den typisch deutschen Stallgeruch haben. Dafür bin ich gut geeignet, weil ich weiß, wie internationale Kreation funktioniert. Den meisten länderübergreifenden Kampagnen hiesiger Agenturen merkt man an, dass sie aus Deutschland kommen.

Kennt überhaupt jemand in den USA die Agentur Scholz & Friends? Wer Awards verfolgt, schon. Deswegen ist Cannes eben nicht nur Selbstbefriedigung, sondern wichtig, um im globalen Werbemarkt wahrgenommen zu werden. Und auf Kundenseite? Dort ehrlicherweise wohl eher nicht. Das gilt aber für alle deutschen Agenturen. Die US-Marketingentscheider kennen die Networks und die großen lokalen Anbieter, aber keine ausländischen. Man braucht eine sichtbare Kampagne im dortigen Markt, um beachtet zu werden.

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Haben Sie denn einen Kunden, mit dem das gelingen könnte? Möglich wäre es mit Car2go. Für diesen Kunden sind wir die globale Leadagentur. Die Marke eignet sich jedenfalls sehr gut dafür, sie ist in mehreren US-Metropolen präsent und dort bereits einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Gehen Ihre Ambitionen auch so weit, ein Büro in den USA zu starten? Man darf nicht naiv sein. Niemand in den USA wartet auf eine deutsche Agentur. Deswegen ist es auch aussichtslos, dort ein Büro zu eröffnen. Man wird im lokalen Markt nie eine Rolle spielen, dafür ist die Konkurrenz viel zu groß. Es muss aus Berlin heraus funktionieren. Wir müssen von hier aus so gute Kampagnen machen, dass wir interessant für internationale Aufgaben werden – so wie es Wieden + Kennedy, 180 und Kessels Kramer früher aus Amsterdam gemacht haben. Berlin hat dafür sogar noch mehr Potenzial. mam
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