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FCB verkauft deutsche Agentur an lokales Management

Christoph Nann (l.) und Michael Carl sind jetzt die Inhaber von FCB Hamburg
FCB
Christoph Nann (l.) und Michael Carl sind jetzt die Inhaber von FCB Hamburg
Normalerweise steigen Networks bei inhabergeführten Agenturen ein oder übernehmen sie gleich komplett. FCB geht jetzt den umgekehrten Weg. Die Interpublic-Tochter verkauft ihre deutsche Niederlassung in Hamburg an das dortige Management - und zwar gleich zu 100 Prozent. Als Flucht aus dem deutschen Markt will CEO Carter Murray diesen Schritt allerdings nicht verstanden wissen. Vielmehr gehe es darum, die lokale und kreative Kompetenz der Agentur zu stärken, so der Networkchef.
FCB Hamburg (der Name bleibt unverändert) gehört künftig Kreativchef Christoph Nann und Finanzchef Michael Carl, wobei die Mehrheit der Anteile von Nann gehalten wird. Weitere Details, wie zum Beispiel die finanziellen Konditionen, sind nicht bekannt. Die Agentur kooperiert auch in der neuen Konstellation mit dem FCB-Verbund. "Wir wollen möglichst starke lokale Agenturen in unserem Netzwerk haben", sagt CEO Murray. Von dem Verkauf an das hiesige Management erhofft er sich sowohl wirtschaftliche wie auch kreative Impulse. Entsprechende Erfahrungen hat die Gruppe in Frankreich und Mexiko gemacht, wo die dortige Führung ebenfalls die lokalen Agenturen übernommen hat. "FCB Hamburg soll unternehmerischer geführt und noch kreativer positioniert werden", so Murray.

„FCB Hamburg soll unternehmerischer geführt und noch kreativer positioniert werden.“
Carter Murray
Man kann die ganze Geschichte aber auch aus einer anderen Perspektive erzählen. FCB Hamburg gehört seit einigen Jahren zu den Networkagenturen, die nicht richtig in Schwung kommen. Natürlich gab es den einen oder anderen Erfolg, aber keinen wirklichen Durchbruch. Auch die Zahlen lassen zu wünschen übrig. In der letzten verfügbaren Bilanz (für 2016) steht ein Verlust von rund 2 Millionen Euro - bei einem Rohergebnis von 11,2 Millionen Euro. 2015 wurde eine Investitionsprogramm gestartet mit dem Ziel, die Agentur wieder relevanter und attraktiver zu machen. Wirklich gelungen ist das nicht. Hinzu kommen strukturelle und organisatorische Probleme. Lebensader der Agentur ist das Geschäft mit dem Großkunden Beiersdorf. Hier kam es agenturintern immer wieder zu Unstimmigkeiten. Neben dem deutschen gibt vor Ort es ein internationales Team, das für den Kunden zuständig ist. Bei dem Zugriff auf Ressourcen war nicht immer klar, wer wann welches Vorrecht hat.

Womöglich war jetzt also der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen Schlusstrich zu ziehen und die Agentur neu aufzustellen. Zumal die Hamburger Niederlassung nach dem Abgang von CEO Daniel Könnecke - er arbeitet heute für die Beratungsfirma Deloitte - ohnehin vor der Frage stand, wie es an der Spitze weitergeht. Das Geschäft mit Beiersdorf ist von dem jetzigen Deal laut Aussage der Agenturchefs nicht betroffen. Die weltweite Zusammenarbeit ist vertraglich auf Network-Ebene geregelt. Und für die Betreuung im deutschen Markt zahlt die jetzt von Nann und Carl geführte Agentur wohl eine Art Gebühr, genauso wie für die Nutzung des Markennamens FCB.

"Für uns ist es eine tolle Herausforderung, FCB Hamburg in eine stärker unternehmerisch und kreativ geprägte Agentur zu verwandeln", sagt der neue Mehrheitsgesellschafter Nann. Gleichzeitig will er an der Kooperation mit dem Netzwerk festhalten. "Wir wollen jetzt das Beste aus beiden Welten zusammenbringen", so der Kreativchef. Zu den lokalen Kunden der rund 100 Mitarbeiter starken Agentur gehören Kölln, Yamaha und Bosch.

Beispiellos ist die Idee, auch bei Networks die lokale Führung stärker unternehmerisch einzubinden, hierzulande nicht - wenngleich ein Komplettverkauf durchaus ein Sonderfall ist. So hatte TBWA bei der Übernahme von Heimat 30 Prozent der Anteile an der Düsseldorfer TBWA-Niederlassung an die Heimat-Führung abgegeben. Und Scholz & Friends hat, obwohl nach wie vor komplett im Besitz von WPP, ein Modell vereinbart, bei dem das lokale Management über ein Beteiligungsmodell am Ertrag der Agentur partizipiert. mam

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