Mutabor

Die Hamburger Designagentur erweitert das Management und will kreativ angreifen

Die Mutabor-Gründer Heinrich Paravicini (l.) und Johannes Plass haben ihr Führungsteam erweitert und verzeichnen eine Reihe von Etatgewinnen
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Die Mutabor-Gründer Heinrich Paravicini (l.) und Johannes Plass haben ihr Führungsteam erweitert und verzeichnen eine Reihe von Etatgewinnen
Bei der Hamburger Designagentur Mutabor stehen die Zeichen auf Veränderung – wieder einmal. Das Team um die beiden Gründer Heinrich Paravicini und Johannes Plass nimmt ihren Namen, der von dem Zauberspruch aus dem Märchen vom Kalif Storch abgeleitet ist, gerne mal wortwörtlich: "Ich werde mich verwandeln" beziehungsweise "I’m going to change" lautet die Übersetzung des lateinischen Begriffs Mutabor.

Dieser Satz war 20 Jahre lang das Motto der Markenspezialisten. Daraus ist jetzt "The Power of Identity" geworden. Der Begriff "Change" ist den Chefs im Zuge der digitalen Transformation zu beliebig geworden, schließlich redet mittlerweile jeder darüber. Daher sei es an der Zeit gewesen, einen anderen Leitsatz zu wählen, sagt Paravicini.



Heute kämpfen die Marken mehr denn je darum, ihre eigene Identität in der digitalen Ära neu zu definieren. Es geht um konkrete Antworten auf den Wunsch nach Veränderung. Hier positioniert sich Mutabor mit ihren im vergangenen Jahr neu definierten Geschäftsfeldern Identity Design, Identity Experience und Identity Architecture. Es handelt sich dabei jeweils um eigene GmbHs. Der Schritt überrascht ein wenig, hatte die Agentur doch vor drei Jahren erst alle Units abgeschafft, um integrierter zu arbeiten. Dieses Konzept ist offenbar nicht aufgegangen. Plass erläutert, weshalb: "Dass wir die Unit-Struktur wieder eingeführt haben, hängt mit den deutschen Marktanforderungen zusammen. Ursprünglich war unsere Idee, alle Silos aufzulösen. Das entspricht aber nicht der heutigen Realität. Units sind klarer für Kunden und Mitarbeiter, die bestimmte Fachkompetenzen suchen beziehungsweise haben. Neugeschäftsanfragen erreichen uns nun einmal in bestimmten Kategorien. Im Idealfall ergeben sich daraus 360-Grad-Projekte. Aber das ist eben nicht immer der Fall."

„Ursprünglich war unsere Idee, alle Silos aufzulösen. Das entspricht aber nicht der heutigen Realität.“
Johannes Plass
Geführt werden die drei Units von Sven Ritterhoff (Identity Design), Oliver Dering (Identity Architecture) und Neuzugang Nina Wiemer (Identity Experience). ADC-Mitglied Wiemer ist erst seit kurzem an Bord. Sie kommt von KMS Blackspace, wo sie in den vergangenen Jahren als Design Director für Kunden wie Audi und Volkswagen tätig war. Neben ihr ist seit Anfang des Jahres Bogislav von Unruh neu im Team. Als Head of Finance ist er nicht nur für das Finanz- und Rechnungswesen, sondern auch die Weiterentwicklung der Agentur verantwortlich. Er war zuletzt als Interimsmanager und Unternehmensberater für Agenturen wie Publicis und Philipp und Keuntje tätig.


Mit ihm an der Seite will Mutabor das Wachstum weiter ankurbeln. 2017 lag der Gesamt-Honorarumsatz bei 12,5 Millionen Euro und damit 19 Prozent über dem Ergebnis von 2016. Dabei beschäftigt die Agentur inzwischen rund 120 Mitarbeiter. Auch hier geht die Kurve nach oben.

Besonders vielversprechend entwickelt sich die jüngste Unit Corporate Architecture, die nicht nur temporäre und permanente Markenräume für Messen, Events und Handel realisiert, sondern auch im Bereich Corporate Architecture aktiv ist. Bestes Beispiel: das eigene Büro in der Hamburger Königstraße. Der erste Bauabschnitt des modernen Campus ist bereits abgeschlossen. Im Sommer soll der zweite fertiggestellt sein – dann werden auch die ersten Fremdmieter mit in das Gebäude einziehen. Ein weiteres Referenzprojekt von Dering und seinem Team ist das globale Retail-Konzept für Bosch, das den Markenauftritt unter Berücksichtigung lokaler Besonderheiten weltweit vereinheitlichen soll. Erste Showrooms wurden bereits in Amsterdam, China und Kairo eröffnet. Weitere folgen noch dieses Jahr in Bangalore, Moskau und Melbourne.

Doch nicht nur dieses Segment boomt. Auch im Bereich Branding zieht das Geschäft an. Generell sei die Kompetenz von Designern stärker gefragt denn je. Plass glaubt, dass Design in den vergangenen Jahren einen anderen Stellenwert bekommen habe. "Der CEO ist bei allen Prozessen, die wir begleiten, stets mit im Boot. Wir sind als Branding-Agentur ein wichtiger Partner auf Augenhöhe, weil wir den Blick über den Tellerrand haben." Die digitale Transformation und die damit eingeläuteten Change-Prozesse, die meist bei der Marken-identität beginnen, spielen der gesamten Branche in die Karten: "Viele Unternehmen gehen derzeit von Grund auf an ihre Marke heran. Und wer ist dafür der beste Partner? Designer! Diese Entwicklung ist auch ein Grund, weshalb die Strategie einen höheren Stellenwert bekommen hat und wir diesen Bereich signifikant ausgebaut haben", erklärt Paravicini.

Seine Agentur bekomme aktuell so viele Neugeschäftsanfragen wie nie zuvor. Bahlsen, Flyeralarm und Faber-Castell gehören hierzu, Lilium hat Mutabor zur globalen Leadagentur ernannt und für Bestandskunden wie Audi, Daimler und den DFB wird Mutabor noch in diesem Jahr größere Projekte umsetzen. „Mit der neuen Struktur haben wir die Weichen auf Wachstum gestellt. Diese Strategie geht offenbar auf“, sagt Paravicini.

Das Sahnehäubchen für ihn wäre es, wenn Mutabor auch im Kreativranking wieder etwas weiter oben mitspielen würde. Auch das steht dieses Jahr auf der Agenda: "2017 haben wir sehr selektiv eingereicht. Dieses Jahr wollen wir wieder etwas mehr Gas geben, um vor allem im Design-Kreativranking aufzusteigen. Wir sehen uns da auf jeden Fall unter den Top 3." bu

 
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