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Adel Gelbert
Mehr Digital, weniger Print

C3 entlässt gut 50 Mitarbeiter

Adel Gelbert
Beim Content-Marketing-Spezialisten C3 boomt das Digital-Geschäft - dafür brechen aber die klassischen Print-Only-Aufträge weg. Konsequenz: CEO Adel Gelbert entlässt 50 Mitarbeiter. HORIZONT Online sprach mit dem C3-Chef über die aktuellen Entwicklungen. 
von Jürgen Scharrer Dienstag, 20. Februar 2018
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Herr Gelbert, Sie entlassen bei C3 über 50 Print-Leute. 
Ich kann diese Zahl nicht bestätigen. Was stimmt, ist: Unser Business ist sehr viel digitaler geworden, sodass immer mehr klassisches, rein Print-basiertes Corporate-Publishing-Geschäft sich in Richtung Omni-Channel verlagert. Darauf müssen wir reagieren und unsere Unternehmensstrukturen entsprechend anpassen. Entscheidend ist: C3 ist weiter auf einem erfolgreichen Wachstumskurs und wird zum Beispiel deutlich mehr Digitalexperten einstellen als wir im Print-Bereich abbauen. 

Was bedeutet die Entscheidung für die beiden zentralen Standorte in Berlin und München? 
Wir müssen die Organisation verschlanken, um uns die Spielräume zu verschaffen, die wir brauchen. C3 ist eine Art Flottenverband, der aus Tankern und Schnellbooten besteht. Bei den Schnellbooten stellt sich die Frage nach Personalabbau überhaupt nicht, im Gegenteil. Auch in Prag oder Zürich verzeichnen wir ein sehr erfreuliches Wachstum. In Berlin und München, wo wir eine starke Corporate-Publishing-Historie haben, haben wir dagegen Handlungsbedarf. 

Das dürfte intern für einigen Unmut sorgen. 
Den Mitarbeitern war klar, dass etwas passieren muss und wir eine schlagkräftige Antwort auf die aktuellen Veränderungen im Markt brauchen. Die meisten unserer Mitarbeiter scheinen es entschieden zu begrüßen, dass wir unserer Führungsaufgabe gerecht werden. Für die direkt Betroffenen sind die Maßnahmen aber natürlich hart, das ist uns natürlich sehr bewusst. 

Was passiert mit den Mitarbeitern, die jetzt gehen müssen?
Für Burda, Lukas Kircher und Rainer Burkhardt ist es wirklich eine Herzensangelegenheit, die Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich umzusetzen, das ist Teil unserer Unternehmenskultur. So haben wir z. B. eine Sofortbetreuung für unsere Mitarbeiter organisiert, zusätzlich wird es auch individuell zugeschnittene Outplacement-Programme geben. Wir nehmen da richtig Geld in die Hand. 

Wie ist die aktuelle Geschäftsentwicklung bei C3?
Wir haben uns für 2018 ein ordentliches Wachstum vorgenommen. Der gute Start ins Jahr macht uns zuversichtlich, dass wir dieses Ziel auch erreichen werden. 

Was bedeutet "ordentlich" in Zahlen? 
Nicht in Zahlen, sondern in Relation: wir wollen so stark wachsen wie der Markt – das ist als europäischer Marktführer durchaus ambitioniert. 

Sie haben zuletzt vor allem mit dem Newsroom für Microsoft und dem Gemeinschaftsunternehmen mit Innogy für Schlagzeilen gesorgt. Sehen Sie in solchen Großprojekten den größten Wachstumstreiber? 
Ja, sicherlich auch. Ich sehe aber auch einen großen Trend in Richtung Brand Experience. Meine Beobachtung ist, dass die CMOs heute nicht mehr die eine große Leadagentur wollen, sondern vier oder fünf Dienstleister, mit denen sie eng zusammenarbeiten. Unser Anspruch ist, zu diesem Kreis dazuzugehören. Wir wollen diejenigen sein, die sicherstellen, ein Markenversprechen nachhaltig über alle Kanäle konsistent zu transportieren. Ich sehe da ein riesiges Potenzial für C3. 

Wie sehen Sie die Bedeutung von Media für Content Marketing? 
Das ist aktuell sicher eines der ganz zentralen Themen. Die Kunden nehmen uns ab, dass wir Content können. Sie wollen aber auch wissen: Könnt Ihr sicherstellen, dass der Content da stattfindet, wo er seine Wirkung optimal entfaltet? 

Es gab ja mal bei C3 die Überlegung, enger mit Mediaagenturen zu kooperieren… 
Interessant, dass Sie das fragen. Gerade in den vergangenen Wochen haben tatsächlich Mediaagenturen bei uns angeklopft. Das Mantra der Mediaagenturen lautete ja bisher: Entscheidend ist die Distributions-Kompetenz, den passenden Content organisieren wir dann schon irgendwie. Unsere Haltung lautet dagegen: Entscheidend ist die Content-Exzellenz, das muss immer die Basis sein. Ich glaube, dass bei den Media-Networks da gerade ein Umdenken einsetzt. Da ist im Augenblick viel in Bewegung. 




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