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Stephan Vogel, Ogilvy
Amélie Losier, Amélie Losier
Martin Sorrell und La Vie en Rose

Das erwarten die deutschen Juroren von den Cannes Lions - Teil 1

Stephan Vogel, Ogilvy
Für Florian Weischer, den deutschen Festivalrepräsentanten der Cannes Lions, steht fest: "In der Cannes-Jury dabei zu sein ist eine noch größere Ehre als einen Löwen zu gewinnen." Ingesamt 16 deutsche Kreative sind dieses Jahr an der Côte d’Azur dabei und bewerten Abertausende von Einsendungen in 14 von insgesamt 26 Hauptkategorien. HORIZONT hat die deutschen Juroren gefragt, was sie von der Festivalwoche erwarten und worauf sie sich freuen.
von Bärbel Unckrich, Dienstag, 12. Juni 2018
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Neben Strand, Bar und jeder Menge Rosé warten einige vor allem gespannt auf den ersten Auftritt von Sir Martin Sorrell nach seiner WPP-Ära. Und sonst so? An die Fußball-WM und womöglich verpasste Spitzenspiele denkt tatsächlich nur einer. Der Rest ist hoch motiviert und bereitet sich gedanklich schon auf viele Stunden in klimatisierten Juryräumen vor.

In Teil 1 der großen HORIZONT-Umfrage unter den deutschen Juroren kommen zu Wort: Steffen Bärenfänger (Mackevision), Stephan Vogel (Ogilvy), Ralf Osteroth (Studio 71), Felix Fenz (Grabarz & Partner), Gerrit Zinke (Thjnk), Sandra Loibl (Serviceplan), Matthias Storath (Heimat) und Katrin Oeding (Studio Oeding). Morgen folgt Teil 2 der großen Jury-Umfrage mit den übrigen acht deutschen Cannes-Juroren.

Steffen Bärenfänger, Mackevision

Stefan Bärenfänger, Mackevision
Stefan Bärenfänger, Mackevision (© Mackevision)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der Film Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Die Digitalisierung verändert auch die klassischen Medien. Heute ist Film nicht mehr nur analog und linear, sondern auch digital, interaktiv und immersiv.  Und auch das Storytelling muss sich mit völlig neuen Inhalten, Kommunikationskanälen und Zielgruppeninteressen auseinandersetzen. Das ändert natürlich die kreativen Möglichkeiten für den Film genauso grundsätzlich wie die Anforderungen an eine Jury, die dessen kreativen Wert beurteilen muss. Vor diesem Hintergrund freue ich mich sehr, das Juryteam mit meinen Kompetenzen im Bereich Werbung, Digital sowie CGI & VR zu ergänzen.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Da die Film-Jury parallel zum Festival und bis spät in die Nacht stattfindet, werde ich die Ausstellung, die meisten Speaker und leider auch die Yessian/Mackevision Pool-Party verpassen. Mal sehen, was es im Mondschein auf der Croisette trotzdem noch zu entdecken gibt.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Aus oben genannten Gründen – gerne effizient:  Die Beach-Bar.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? Weil man’s so schön missverstehen kann: "La vie en rose".

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Mit leerem Koffer hin. Zurück dann am liebsten mit der Cannes-Ausstellung, den besten Speakern und sämtlichen Löwen.

Stephan Vogel, Ogilvy

Stephan Vogel, Ogilvy
Stephan Vogel, Ogilvy (© Amélie Losier)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der Outdoor Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? In aller Bescheidenheit: ich habe schon den einen oder anderen Outdoor-Löwen gewonnen. Was mich noch prädestiniert: ich kann sehr schnell Dinge aufnehmen und bewerten. Und das ist bei einer der Kategorien mit über 5000 Einreichungen überlebensnotwendig – ganze sechs volle Jurytage erwarten mich. Die ersten 600 Casefilme habe ich bereits in der Online Vorjurierung gesehen.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Der Vortrag von Sir Martin Sorrell wird mit Sicherheit spannend – aus vielen Gründen.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Erst Astoux & Brun. Dann Gutterbar.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? "The Good, the Bad and the Ugly."

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Drei leere Boxen, etwa 20 x 20 x 20 Zentimeter.

Ralf Osteroth, Studio 71

Ralf Osteroth, Studio 71
Ralf Osteroth, Studio 71 (© Studio 71)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der brandneuen Social & Influencer Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Studio71 ist ein Digital-Studio und eines der weltweit führenden Multiplattform-Netzwerke für Creators, das einen Leistungsschwerpunkt im Bereich Influencer Marketing hat. Wir bieten auf diesem Gebiet umfängliche Services: Von der Inhouse-Produktion, über den Aufbau und das Management von Social Media Channels bis hin zur authentischen Influencer-Aktivierung für Brands. Außerdem lassen sich einzigartige Verlängerungsmöglichkeiten in die klassische TV-Welt von Pro Sieben Sat 1 umsetzen. Ich blicke auf einen langjährigen, praxiserprobten Erfahrungsschatz aus dem Social-Media- und Influencer-Universum zurück, insbesondere im Hinblick auf die Kreation sowie Funktions- und Wirkungsweise von Kampagnen mit Influencern.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Durch die Jury-Tätigkeit ist mein Zeitplan eng gestrickt und es gibt nicht gerade viel Freizeit. Allerdings interessiere ich mich sehr für die Media und Brand Experience & Activation Lions, ebenso für die Entertainment Lions for Music. Ich werde versuchen, einige Talks zu besuchen wie den von Martin Sorrell, der zu aktuellen Problemen der Marketingindustrie spricht. Oder den von der Studio71 US Influencerin Lilly Singh und Susan Wojcicki, CEO von YouTube. Ich denke, ich kann hier frische, neue Impulse für unser Business gewinnen.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Ich möchte die Zeit in Cannes zum Networking und Informationsaustausch nutzen, um mich inspirieren zu lassen, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen und mir Einblicke in die Trends und Entwicklungen bestimmter Kategorien zu verschaffen. Da ist es im Prinzip egal, ob ich dies am Beach oder an der Bar realisiere.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? In Bezug auf die Kategorie Social & Influencer:  "That's just the beginning."

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Smartphone für Musik, Sunglasses und Sneaker.

Felix Fenz, Grabarz & Partner

Felix Fenz
Felix Fenz (© Ogilvy)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der Direct Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Ich habe eine umfangreiche Sammlung historischer Direct Mailings. Not.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Nach vier Tagen im dunklen Juryraum sind die Chancen recht gut, dass ich eher noch ein BBQ oder eine Beach-Party mitnehme.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Definitiv Bar.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen?Nach ein Uhr an der Gutter Bar wahrscheinlich "Laughing Horses".

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Nichts. Sonst ist ja kein Platz mehr für die Löwen.

Gerrit Zinke, Thjnk

Gerrit Zinke, Thjnk
Gerrit Zinke, Thjnk (© Thjnk)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der Direct Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Modernes Campaigning, wie wir es täglich für unsere Kunden entwickeln, umfasst immer auch Kampagnenelemente, bei der die jeweilige Marke mit der Zielgruppe in den Dialog tritt. Das ist heute wichtiger denn je und hat bei mir ein besonderes Augenmerk.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Mich interessiert insbesondere der Blick von Kunden und Unternehmern auf unser Business – so möchte ich mir zum Beispiel unbedingt Sophia Amoruso von Girlboss anhören. Darüber hinaus bin ich natürlich auch gespannt, was Sir Martin Sorrell erzählen wird.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Der Strand ist manchmal die schönste Bar.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? "La Crème de la Crème Brülleee!"

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Für etwas WM-Atmosphäre im dunklen Juryraum: Ein Panini-Album, Tauschbilder und eine Fußball-App auf dem Handy.

Sandra Loibl, Serviceplan

Sandra Loibl, Serviceplan
Sandra Loibl, Serviceplan (© Serviceplan)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der neuen Brand Experience Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Erstmal freue ich mich natürlich auf die vielen fantastischen Arbeiten in der neuen Kategorie Brand Experience. Die Cyber Lions gibt’s nicht mehr, weil wir mittlerweile irgendwie alle so cyber und digital sind, das haben die Verantwortlichen in Cannes gut erkannt und reagiert. Was mich für den Job in der Brand Experience Jury prädestiniert? Ich bin davon überzeugt, dass Werbung für die Menschen ein Erlebnis sein sollte, sie auch Wirkung zeigt und sich von umgesetzten Kundenbriefings abhebt. Nach solchen Ideen suchen wir in Cannes (und finden sie).

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Die Kolleginnen (und Kollegen) aus aller Welt. Für manche ist vielleicht auch Cannes bloß ein ewiger Konkurrenzkampf um Preise und Kunden – aber wer will, macht mehr aus Cannes. Man trifft die unterschiedlichsten Agentur- oder Filmproduktionstypen und erfährt von ihnen, warum sie so verrückt nach Werbung sind. Was sie antreibt. Was sie besser macht. Das ist manchmal genau soviel viel wert wie der x-te Löwe in der Agentur-Vitrine.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Sind die besten Bars beim Cannes Festival nicht alle am Strand? Im Ernst: Erst Beach, dann Bar.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? Für mich als Jurymitglied: "The Cave". Für alle anderen: "The Beach".

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Meine Laufschuhe, denn es gibt nicht Besseres, als sich vor einer Jurysitzung – oder nach einer Party – den Kopf frei zu laufen. Nummer 2: Einen dicken Pulli für die Kühlschränke, in denen juriert wird. Und jede Menge Raw Chocolate für’s Brain.

Matthias Storath, Heimat

Heimat-Kreativgeschäftsführer Matthias Storath
Heimat-Kreativgeschäftsführer Matthias Storath (© Heimat)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der Radio & Audio Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Frage ich mich auch die ganze Zeit, wie ich ausgerechnet in dieser Jury gelandet bin.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Angela Ahrendts von Apple und Dario Gargiulo von Diesel.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Notebook.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? Fragen bei denen ich kreativ sein muss, sind bei mir immer schwierig.

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Rollkragenpulli für die Air Condition, iPhone und Sonnenbrille.

Katrin Oeding, Studio Oeding

Katrin Oeding, Studio Oeding
Katrin Oeding, Studio Oeding (© Studio Oeding)
Sie vertreten Deutschland dieses Jahr in der Design Jury. Warum sind Sie prädestiniert für diesen Job? Ich arbeite seit vielen Jahren international in verschiedenen Designdisziplinen für internationale Kunden. Zusätzlich verfüge ich dank ADC, D&AD, Eurobest, IF Design sowie Cannes Lions über internationale Juryerfahrung. So dass ich nun das dritte Mal in die Jury der Cannes Lions eingeladen wurde. Das passiert nur wenigen. Persönlich bin ich neugierig auf das Festival und die internationalen Arbeiten. Ich betrachte meine Kreationen schon immer im internationalen Vergleich wie im Wettbewerb in Cannes. Darüber hinaus nutze ich das Festival, um mein Netzwerk zu pflegen und zu erweitern, aber auch, um möglichst viele Arbeiten zu sehen.

Was wollen Sie sich außer dem Jury-Raum während des Festivals unbedingt anschauen? Es gibt drei Programmpunkte, die mir zusätzlich zur Design-Jury auch wichtig sind. Die Ausstellung, denn nirgends bekomme ich so schnell einen Überblick über aktuelle Entwicklungen. Ich werde verschiedene Speaker Sessions besuchen, wie zum Beispiel die von David Droga, Edward Enninful oder Alison Lewis. Also nicht nur Designer. Und ich werde mich mit Kunden treffen, um ihnen das Festival zu zeigen und mich auszutauschen.

Nach einem anstrengenden Jury-Tag: Beach oder Bar? Der Juryalltag ist durchgeplant und auch wenn die Planung jetzt entzerrter ist, haben wir wenig Zeit. Eine Sache kommt meist zu kurz: das Essen. Daher gehen wir nach einem anstrengenden Jurytag entweder zusammen essen oder verabreden uns zum Essen. Ich sehe in der Zeit selten Beach oder Bar.

Wenn das Cannes Festival ein Werbespot wäre, wie würde der Spot heißen? Werbespots sind jetzt nicht meine Leidenschaft ;-) Aber wenn ich mal auf Produkt- oder Markenebene schaue, ist es "method": innovativ, super Purpose, inspirativ.

Wenn Sie nur drei Dinge in Ihr Cannes-Gepäck packen könnten, welche wären das? Einen Kaschmir-Pulli, denn die Jury-Räume sind auf Minusgrade herunter gekühlt. Ein Telefon, denn mit der Cannes-Lions-App bleibt man auf dem neuesten Stand und zum Vernetzten bzw. Verabreden ist es unentbehrlich. Das dritte sind Sneakers, denn für die langen Wege und Tage ist das die beste Lösung, um bequem ans Ziel zu kommen.

Zusammengestellt von Bärbel Unckrich



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