Kim Alexandra Notz

Was die angehende KNSK-Chefin zu Content Marketing sagt

Kim Alexandra Notz
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Seit zwei Jahren ist Kim Alexandra Notz Mit-Geschäftsführerin von KNSK und seit Dezember 2013 von Bissinger+. Beide Agenturen rücken jetzt noch enger zusammen - und die 36-Jährige steigt offiziell auf zur designierten Nummer 1. Im Gespräch mit HORIZONT Online sagt Notz: "Manfred Bissinger, Werner Knopf und Detmar Karpinski werden noch eine lange Zeit aktiv sein, und darüber freue ich mich sehr. Aber allen drei ist auch daran gelegen, den Generationenwechsel gut zu managen. Ich trage jetzt mehr Verantwortung. Und das tue ich sehr gern."

Es gibt noch ein paar weitere Neuigkeiten aus dem Hause KNSK:




Erstens: Die Gesellschafter von KNSK und Bissinger+ - im wesentlichen also Detmar Karpinski, Werner Knopf, Manfred Bissinger, Kim Alexander Notz und Andreas Siefke - bündeln ihre Anteile komplett in einer neuen Holding. Es entsteht eine Agentur-Gruppe mit den Marken KNSK, KNSK Brand Lab und Bissinger+. 

Zweitens: Die Agenturgruppe startet eine direkt in der Holding angesiedelte neue Agenturmarke. Der Name steht noch nicht fest, die Positionierung schon: Content Campaigning. Der Newcomer soll in Pitches antreten, und zwar mit interdisziplinären Teams aus Mitarbeitern aus KNSK (Werbung), Bissinger+ (Content Marketing) und KNSK Brand Lab (Markenberatung).


Drittens: KNSK Brand Lab gewinnt den Kunden Signal Iduna und betreut das Unternehmen in den Bereichen strategische Markenführung und Content Campaigning.

HORIZONT Online sprach mit Kim Alexandra Notz über die Content-Marketing-Strategie - und ihre neue Rolle als Aushängeschild der Agenturgruppe.

"Von mir aus können C3 und Territory gerne so weitermachen"

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Frau Notz, wie viel Content braucht ein Unternehmen? Ich glaube nicht, dass Marken wie Medienhäuser agieren und jeden Tag zehn Content-Pieces raushauen müssen. Content Marketing wird zu häufig noch als Häppchen-Taktik gesehen. Wir brauchen aber nach wie vor die große Leitidee.

Setzt die KNSK-Gruppe jetzt ganz auf Content Campaigning? Nein, das wäre ja Quatsch. Wir haben starke Marken: KNSK steht für Werbung, Brand Lab für strategische Markenberatung und Bissinger+ für Content - und jede dieser Agenturen hat weiter absolut ihre Berechtigung. Klar ist aber auch, dass aus der Kombination der drei Kompetenzfelder eine ganz neue, enorme Kraft entsteht. Und dafür steht unsere Agenturgruppe.

Was sagen Sie zur These von von Noch-JvM-Vorstand Thomas Strerath, dass Content Marketing ohne Paid nicht funktioniert? Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis. Paid Media ist absolut relevant, keine Frage. Ohne den Einsatz von Paid ist es in den allermeisten Fällen schier unmöglich, genügend Kunden auf die eigene Website zu holen. Dafür reicht auch ein noch so gutes SEO nicht aus.

„C3 und Territory tun uns gerade einen sehr großen Gefallen: Sie sind Konzerne geworden.“
Kim Alexandra Notz
Strerath sagt auch: Dotcom is dead, die ganzen Owned-Media-Kanäle funktionieren in Wirklichkeit gar nicht. Werden die Websites der Unternehmen immer unwichtiger? Aus der Tatsache, dass der organische Traffic begrenzt ist, zu folgern, exzellente Unternehmens-Websites seien nicht mehr wichtig, wäre völlig falsch. Es kann doch für Unternehmen nicht sinnvoll sein, überall Content zu streuen und gleichzeitig die eigenen Plattformen zu vernachlässigen. Was ist denn die Zielsetzung von zum Beispiel Native Advertising? Dass der User im Umfeld der jeweiligen Website bleibt? Nein, Ziel ist es natürlich, dass der Kunde auf das Unternehmens-Portal kommt und dort möglichst lange verweilt, dass er sich Informationen herunterlädt und im Idealfall etwas kauft. Unsere Aufgabe als Agentur besteht nicht nur darin, Inhalte zu erstellen und zu distribuieren, sondern sie auch an einer zentralen Stelle zu kuratieren.

Sind C3 und Territory nicht längst so übermächtig, dass ein mittelständisches Unternehmen wie KNSK kaum noch mithalten kann? C3 und Territory tun uns gerade einen sehr großen Gefallen: Sie sind Konzerne geworden. Wer die kreative Kultur und die Agilität einer Agentur sucht, kommt zu uns. Wir sind kein Konzern und wollen auch keiner werden, auch wenn wir jetzt als Agentur-Gruppe auftreten. Wir setzen weiter auf tailormade. Bei uns finden Sie keine Hierarchien, die komplizierter sind als die unserer Kunden. Die Unternehmen sehen sich heute mit einer unglaublichen Komplexität konfrontiert: jede Menge Kanäle, fragmentierte Zielgrupppen, Touchpoints, unterschiedliche Messmethoden und KPIs, Dashboards - und jetzt auch noch eine Agentur, bei der ich 20 unterschiedliche Ansprechpartner habe? Und noch dazu an unterschiedlichen Standorten? Ich bin überzeugt, dass die Reduzierung von Komplexität ein immer wichtigeres Thema für unsere Kunden wird. Von mir aus können C3 und Territory gerne so weitermachen - das eröffnet uns große Räume, uns als Agentur für Content Campaigning zu positionieren.

Das Gegenargument lautet: Gerade weil alles so kompliziert wird, wollen die Unternehmen eine Agentur, die möglichst viel aus einer Hand liefern kann. Und dafür braucht man neben Werbung, Beratung und Content eben auch jede Menge Technologie. Natürlich ist Technologie sehr wichtig und kommt auch bei uns zum Einsatz, keine Sorge. Ich fühle mich aber sehr wohl mit Werbung, strategischer Markenberatung und Content als Kern unserer Arbeit und hielte es für einen strategischen Fehler, als Agentur alles selbst machen zu wollen.

„Diejenigen, die jetzt wie wahnsinnig Content produzieren, werden Enttäuschungen erleben.“
Kim Alexandra Notz
C3 und Territory sind ja nicht ihre einzigen Konkurrenten, auch die Werbeagenturen haben Content Marketing als Wachstumsfeld für sich entdeckt. KNSK und Bissinger+ arbeiten seit Anfang 2016 an gemeinsamen Projekten, und ich sage Ihnen ganz ehrlich: So einfach ist das nicht mit einem integrierten Ansatz. Ich wundere mich bisweilen schon sehr darüber, wie leichtfertig Kollegen aus anderen Agenturen darüber reden. Tatsächlich ist es doch meistens so: Werbe- uns Media-Networks kaufen sich ein paar Redakteure ein und behaupten, jetzt auch Content Marketing zu können, während in Wirklichkeit jeder sein eigenes Ding macht. Das gilt übrigens umgekehrt auch für C3 und Territory, die ja viele Leute aus dem Campaigning-Bereich einkaufen. C3 und Territory sind aber nun mal keine Agenturen, entsprechend schwer fällt es ihnen, kreative Werber wirklich zu integrieren.

Und Sie haben die Antwort auf dieses Dilemma gefunden? Das hoffe ich natürlich. Wir setzen uns stark damit auseinander, wie wir die Kompetenzen und unterschiedlichen Arbeitsweisen der Beteiligten optimal aufeinander abstimmen können und gehen jetzt auch organisatorisch den nächsten Schritt. Alle Gesellschafter bringen ihre Anteile in die neue Holding ein, alle Umsätze aus den drei Disziplinen fliessen nun in einen gemeinsamen Topf. Das belohnt Kooperation innerhalb der Agenturgruppe. Ich bin überzeugt, dass das der Integration eine ganz neue Dynamik verleihen wird.

Was halten Sie davon, dass Unternehmen verstärkt auf eigene Newsrooms setzen? Die Idee dahinter ist ja, ständig in den Customer Journeys der Leute auftauchen zu wollen. Wenn das die Strategie ist, muss man natürlich Newsrooms und große Big-Data-Teams aufbauen. Ist das sinnvoll? Ich halte viel mehr davon, eine Marke mit einer guten Idee und einer klaren Positionierung aufzubauen. Und ganz ehrlich: Ich persönlich empfinde es als maximale Belästigung, wenn mich eine Marke mehr als zwei Mal die Woche kontaktiert. Ich möchte nicht dauernd beschallt werden. Und wenn, dann nur mit wirklich exzellentem Inhalt. Aber glaubt irgendjemand ernsthaft, dass eine Marke das wirklich rund um die Uhr leisten kann und muss?

Kann es sein, dass man im Content Marketing bald große Enttäuschungen sehen wird, weil man es einfach übertrieben hat? Ist der Hype zu groß? Nein, das glaube ich überhaupt nicht. Ich glaube allerdings sehr wohl, dass diejenigen, die jetzt wie wahnsinnig Content produzieren, Enttäuschungen erleben werden. Da gibt es sicherlich Korrekturbedarf. So viel Paid kann ich gar nicht auf jedes einzelne Content-Häppchen setzen, damit es in der Zielgruppe auch wirklich wahrgenommen wird. Wir sagen: Lieber weniger Content, der dafür aber kreativ exzellent und inhaltlich relevant ist und an den richtigen Touchpoints zum Einsatz kommt.

Muss man sich als Werbeagentur unbedingt mit Content Marketing beschäftigen? Ja, absolut. Content Marketing ist ein relevanter Baustein jeder Kommunikationsstrategie und wird zweifellos weiter an Bedeutung gewinnen. Das heißt aber nicht, dass es in Zukunft keine Kunden mehr geben wird, die nur Werbung von uns haben wollen - oder nur strategische Markenberatung oder Content Marketing. Deshalb bleiben unsere drei Marken ja auch bestehen. Aber der große Trend geht in Richtung Integration von Werbung, Content und Strategie. Deshalb bündeln wir unsere Aktivitäten jetzt in einer gemeinsamen Holding.

„Andere Agenturen investieren unglaublich viel Zeit und Geld in irgendwelche Goldideen. Wir stecken unsere Energie lieber in Projekte, die unseren Kunden einen echten Nutzen bringen. “
Kim Alexandra Notz
Die beiden langjährigen KNSK-Chefs Detmar Karpinski und Werner Knopf waren immer sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, konkrete Wachstumsziele zu verkünden. Halten Sie das als designierte Nachfolgerin anders? Was mir an KNSK wirklich gefällt: Detmar und Werner haben über die Jahre ein sehr solides Geschäft aufgebaut, ohne sich selbst dabei zu wichtig zu nehmen. Das finde ich sehr sympathisch. Würde ich jetzt Wachstum über alles stellen, würde ich den Kunden das Gefühl geben, irgendwann nur noch eine Nummer zu sein. Und das wird nie passieren, bei uns steht immer der Kunde im Mittelpunkt. Aber natürlich habe ich viel Fantasie, wenn es darum geht, wo wir mit unserem Leistungsangebot hinwollen. Und natürlich freue ich mich, wenn wir damit neue Kunden überzeugen können.

KNSK ist eine allseits respektierte Agentur, hat aber über die Jahre doch ziemlich an Coolness eingebüßt. Soll sich das mit Ihnen an der Spitze wieder ändern? Sie meinen, wir sind nicht fancy genug? Kann schon sein. Aber wissen Sie, ich finde es gut, dass die Agentur so wunderbar unaufgeregt ist. Andere Agenturen investieren unglaublich viel Zeit und Geld in irgendwelche Goldideen. Wir stecken unsere Energie lieber in Projekte, die unseren Kunden einen echten Nutzen bringen. 

Was große Branchendebatten betrifft, wollen Sie sich dann auch eher zurückhalten? Ich bin nicht der Typ, der sich ständig in Streitgespräche einmischt, die sich doch immer wieder nur um die gleichen Fragen drehen. Wenn es um inhaltliche Debatten geht, die zur Verbesserung unserer Arbeit beitragen, bin ich gerne mit dabei. Ich bin zum Beispiel der Überzeugung, dass wir uns im Content Marketing viel intensiver über das Thema Erfolgsmessung Gedanken machen müssen. Wenn wir das, was wir tun, besser mit Zahlen belegen können, kommen wir vielleicht auch endlich raus aus diesen zum Teil doch recht esoterischen Diskussionen, die oft von Leuten geführt werden, die selbst kein Content Marketing machen, sondern nur ihre Budgets verteidigen wollen.

Auch nach außen hin ist Kim Alexandra Notz jetzt also das Aushängeschild der Agentur? Ich glaube, das gehört einfach dazu. Manfred Bissinger, Werner Knopf und Detmar Karpinski werden noch eine lange Zeit aktiv sein, und darüber freue ich mich sehr. Aber allen drei ist auch daran gelegen, den Generationenwechsel gut zu managen. Ich trage jetzt mehr Verantwortung. Und das tue ich sehr gern.

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