Gender Pay Gap

"Nichts demotiviert mehr, als sich ungerecht behandelt zu fühlen"

Caroline Theissen Managing Director bei Superunion Berlin
Superunion
Caroline Theissen Managing Director bei Superunion Berlin
Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer für die gleichen Jobs - Zahlen wie die aus dem Gender-Pay-Gap-Report von WPP zeigen, dass es auch in der Agenturbranche ähnlich aussieht. Agenturmanagerin Caroline Theissen, Managing Director bei der Designagentur Superunion, die auch Teil des WPP-Netzwerks ist, erzählt, wie sie mit dem Thema in ihrer Agentur umgeht, und was die eigenen Erfahrungen im Laufe ihrer Karriere sind.

Wie kommentieren Sie den in Deutschland existierenden Gender Pay Gap? Nicht nur in Bezug auf das Gehalt, auch ganz allgemein gesprochen ist es die Aufgabe eines verantwortungsvollen Arbeitgebers, darauf zu achten, dass in seinem Unternehmen Gleichgewicht und Gerechtigkeit herrschen. Dass wir nach wie vor ein Gender Pay Gap haben, ist für mich nicht nachvollziehbar und ärgert mich persönlich sehr. Bei Superunion habe ich das Glück, in einem Unternehmen zu sein, dass Offenheit und flache Hierarchien seit sehr vielen Jahren lebt. In meiner Position kann ich dazu beitragen, dass die Branchengepflogenheiten sich ändern. WPP zählt in dieser Hinsicht leider noch nicht zu den Vorreitern. Wir sind sehr froh, dass wir innerhalb des Netzwerks für Deutschland unsere eigenen Ansichten vertreten und umsetzen können.


Welche Erfahrungen haben Sie  im Laufe ihrer Karriere gemacht? Über Gehalt wird nach wie vor nicht offen gesprochen. Gerade für meine Anfangszeiten kann ich deshalb gar nicht sagen, wie mein Gehalt im Vergleich zu meinen gleichgestellten Kollegen war. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass es mit Sicherheit Kollegen gab, die mehr verdient haben. Aber auch solche, die weniger oder gleich viel verdient haben. Denn Gehälter sind meistens der Erfolg des eigenen Verhandelns. Nur ein einziges Mal habe ich eine Gehaltserhöhung bekommen, nach der ich nicht aktiv gefragt hatte. Seitdem ich selbst Gehälter ausspreche, habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Klischee, Männer würden mehr Gehalt fordern als Frauen, nicht zutrifft. Es ist eine Typenfrage, aus der man zudem viel ablesen kann.

Wie schätzen Sie die Situation bei Agenturen ein? Es gibt ja die regelmäßig vom GWA erhobenen, aber nicht publizierten Zahlen, die die Mitglieder selbst melden. Ich gehe leider davon aus, dass Agenturen keine weiße Weste haben. Ein großes Ärgernis, das sich umgehend ändern muss.

Was müssen Agenturen in dem Bereich noch tun, um Gleichstellung zu gewährleisten? Gleichstellung ist ein Thema, mit dem man sehr verantwortungsvoll und achtsam umgehen muss. Nichts ist demotivierender, als sich ungerecht oder anders behandelt zu fühlen! Von Offenheit und Gerechtigkeit profitiert deshalb das ganze Unternehmen. Bezogen auf die Gehaltsfrage ist Gleichstellung ganz einfach: Personen in Führungspositionen haben die Aufgabe, aktiv darauf Rücksicht zu nehmen, dass nicht alle gleichermaßen fordernd auftreten. Ich finde den zunehmen Diskurs sehr gewinnbringend, da so Hemmungen abgebaut werden und wir umfassend Gerechtigkeit in unserer Branche erlangen können. Schon alleine vor dem Hintergrund, dass im Team zunehmend über Gehälter gesprochen wird, tut man sich einen Gefallen, jedes Gehalt ganz offen vertreten und verargumentieren zu können. Vielleicht hilft das dem ein oder anderen Unternehmen auf die Sprünge, das hier noch Defizite hat.

Wie stellt Superunion sicher, dass es keinen Gender Pay Gap gibt? Wir machen wie viele andere Agenturen die Erfahrung, dass Bewerberinnen und Bewerber generell ganz unterschiedlich mit Gehaltsverhandlungen umgehen, unabhängig von ihrem Geschlecht. Wir sehen die Aufgabe deshalb klar bei uns, von vornherein für Gerechtigkeit zu sorgen. Also haben wir enge und gender-unabhängige Gehaltskorridore definiert, die sich ausschließlich an Erfahrung und Position orientieren. In unserer jährlichen Gehaltsplanung achten wir darauf, dass Pay Gaps gar nicht erst entstehen – egal aufgrund welcher Faktoren, die andernorts zu Diskriminierung führen.

Wird das Thema bei Treffen von Agentur-KollegInnen innerhalb und außerhalb der Agentur diskutiert oder spricht man „in der Branche“ nicht darüber? Ich möchte das nicht verallgemeinern, da es sehr auf den Grad der Beziehung und die Person ankommt. An diesen Korrelationen kann man aber bereits ablesen, dass bislang eher verhalten mit dem Thema umgegangen wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele das Thema Gehalt eher vage formulieren und keine konkreten Zahlen nennen. Interview: ems



stats