Eurowings-Testimonial im Interview

Christoph Maria Herbst findet Rückkehr von Stromberg "durchaus reizvoll"

Für Eurowings schlüpft Christoph Maria Herbst erneut in die Rolle des chronischen Nörglers Jochen
Christian Hartmann, © Christian Hartmann
Für Eurowings schlüpft Christoph Maria Herbst erneut in die Rolle des chronischen Nörglers Jochen
Die Eurowings-Kampagne mit Christoph Maria Herbst geht in die zweite Runde. Im Exklusiv-Interview mit HORIZONT verrät der frühere "Stromberg"-Darsteller, warum er zu dem Testimonial-Angebot der Künstlervermittlung Special Key nicht Nein sagen konnte und weshalb es ihm nichts ausmacht, immer wieder in die Rolle von unsympathischen Zeitgenossen zu schlüpfen. Außerdem verrät er Details zu seiner Rolle in der geplanten Telekom-Serie "Germanized" und unter welchen Umständen er als "Stromberg" auf den Bildschirm zurückkehren würde.

Sie machen ja nur sehr selektiv Werbung. Weshalb haben Sie Ja zu Eurowings gesagt? Mich hat das Konzept überzeugt. Ich mochte den selbstironischen Ansatz und die Idee, einen Antihelden zu spielen. Tatsächlich bekommt Eurowings von Jochen, der Figur, die ich spiele, ja erst mal einen in die Fresse. Das mochte ich. Außerdem ist eine Airline ein Produkt, das zu mir passt, weil ich selbst gerne reise.



Wohin ging denn Ihre letzte Urlaubsreise? Das geht Sie gar nichts an. Nein, Quatsch: Ich war in Kambodscha und Laos. Und ich wäre natürlich auch mit Eurowings geflogen, wenn dies zu ihren Reisezielen zählen würde.

Für Eurowings schlüpfen Sie in die Rolle des chronischen Nörglers Jochen. Stört es Sie nicht, durch diese Kunstfigur einmal mehr in die Rolle eines Unsympathen gedrängt zu werden, auf die Sie seit Ihrer Zeit als Bernd Stromberg abonniert sind? Nein, gar nicht. Die Menschen lieben solche Rollen und ich erst recht. Ich finde es immer spannender, jemanden zu spielen, den man a priori erst mal nicht mag. Es ist doch viel reizvoller, so einer Figur trotzdem etwas Sympathisches oder vielleicht sogar Liebevolles zu verleihen. Beim Bernd habe ich versucht, mich der Figur dialektisch zu nähern. Als Arschloch war sie ja schon geschrieben. Dann darf man nicht den Fehler machen, sie auch noch als Arschloch zu spielen, sondern muss den Charakter mit Charme und – soweit möglich – einem gewissen Liebreiz ausstatten. Im Vergleich dazu sind mir beim Jochen natürlich etwas die Hände gebunden, weil es eben doch nur eine Werbefigur ist, der man allein aus Zeitgründen gar nicht so viel Tiefe verleihen kann. Trotzdem hoffe ich, dass die Zuschauer die Spots mit einem lachenden und einem weinenden Auge anschauen und in der Figur womöglich sogar sich selbst oder ihren Nachbarn wiedererkennen. Haben Sie bei Eurowings Mitspracherecht beim Drehbuch, oder vertrauen Sie voll auf die Ideen der Kreativagentur Lukas Lindemann Rosinski und des Regisseurs Claas Ortmann? Ich wirke immer gerne mit, wenn es nötig ist. Aber bei dieser Kampagne war es nicht nötig, weil alle Beteiligten einfach einen guten Job gemacht haben. Mir war es wichtig, dass die Figur möglichst weit weg ist von Stromberg. Natürlich gibt es Schnittmengen, aber Jochen ist eben nicht Stromberg. Dem wurde Rechnung getragen und ich denke, das haben wir auch ganz gut umgesetzt. Im Prinzip war schon der erste Entwurf auf den Punkt. Wir haben eigentlich nur noch an dem einen oder anderen Jota gefeilt. Das war eine große Freude.


Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und der Werbefigur Jochen? Sind Sie selbst hin und wieder ein kleiner Miesepeter? Ich kenne mich eigentlich gar nicht miesepetrig. Das würde ja bedeuten, dass ich schlechte Laune habe und mit mir und meiner Umwelt hadere. Das ist nicht der Fall. Ich bin eher jemand, der auf Reisen mit einer großen Dankbarkeit unterwegs ist und sich nicht darüber aufregt, dass der Kaffee nicht warm genug oder der Tomatensaft nicht rot genug ist. Mit eben solchen Ressentiments spielen wir ja in der Kampagne. Vielleicht habe ich auch gerade deshalb ein gewisses Talent, solche Figuren überzeugend darzustellen, weil sie unfassbar viele Lichtjahre weit weg von mir selbst sind. Ich könnte mir vorstellen, dass nichts schwieriger ist, als sich selbst zu spielen. Das würde mich auch wahnsinnig langweilen.
„Viele Menschen fanden den Stromberg knuffig. Ich habe von unglaublich vielen Frauen E-Mails bekommen, die ihn gern heiraten wollten. Gut, dazu muss man auch zu einem gerüttelt Maß verstrahlt sein ...“
Christoph Maria Herbst
Nächstes Jahr werden Sie nicht nur in der Eurowings-Kampagne präsent sein, sondern auch endlich wieder in einer fiktionalen Serie – und zwar der ersten, die von der Deutschen Telekom produziert wird. Können Sie schon etwas über Ihre Rolle in "Germanized" sagen? Nicht mehr als das, was schon aus den Medien bekannt ist. Es geht um einen Clash zwischen unterschiedlichen Kulturen und handelt sich um eine deutsch-französische Co-Produktion, bei der die Telekom eine entscheidende Rolle spielt. Wahrscheinlich wollten die sich mit der Rolle einfach mal bei mir bedanken, weil ich schon seit 40 Jahren Telekom-Kunde bin. Aber Spaß beiseite: Ich kann bislang noch nicht mehr ausplaudern, weil wir tatsächlich noch in der Entwicklung und im Casting sind. Nur eines verrate ich schon einmal: Die Figur, die ich spielen werde, ist sehr weit weg vom „Papa“.

Also kein Arschloch? Es wird eine sympathische Figur sein, so wie Stromberg auch eine sympathische Figur war. Das liegt ja auch immer im Auge des Betrachters. Viele Menschen fanden den Stromberg knuffig. Ich habe von unglaublich vielen Frauen E-Mails bekommen, die ihn gern heiraten wollten. Gut, dazu muss man auch zu einem gerüttelt Maß verstrahlt sein, aber ich glaube, das waren ehrlich empfundene Meinungen. Wie ich eben schon sagte, finde ich es spannend, Figuren mit Ecken und Kanten auszuloten. Können Sie sich vorstellen, noch einmal als Stromberg vor die Kamera zu treten? Komplett ausschließen möchte ich es nicht. Aber ich rede jetzt nicht von den nächsten drei, vier Jahren. Nageln Sie mich nicht fest, aber eine Auferstehung des Bernd Mitte der 20er Jahre wäre durchaus reizvoll. Da latsche ich dann selbst in großen Schritten auf die 60 zu und es würde mich schon interessieren, was der „Papa“ kurz vor der Rente macht. Ist er immer noch bei den Sozialdemokraten oder haben Sie ihn inzwischen nach Brüssel weggelobt? Ist der vielleicht sogar Digital-Kommissar geworden? Ach, da würden einem sicherlich viele Dinge einfallen, die man noch erzählen könnte. Aber nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Dafür genieße ich mein Stromberg-freies Leben viel zu sehr.

Kommen wir zurück zu Ihren Engagements in der Werbung: Vor drei Jahren haben Sie einmal in einem Werbespot gegen Adblocker die Nachricht verbreitet, dass Werbung für Medien überlebenswichtig ist. War das „nur“ ein Job oder sind Sie auch privat ein Fan von Werbung? Fan ist so ein großes Wort. Ich freue mich, wenn Werbung super gemacht ist und schaue sie mir dann auch tatsächlich gern an. Aber um auf Ihre eigentliche Frage zurückzukommen: Nein, das war nicht nur ein Job für mich. Ich bin schon der Meinung, dass Werbung in vielen Bereichen einfach notwendig ist, weil ansonsten viele Dinge nicht so geschmiert laufen würden. Und das sage ich auch als jemand, der viele Jahre lang an privaten Theatern gespielt hat, an denen sich das Ensemble keinen Zacken aus der Krone gebrochen hat, wenn im Zuschauerraum riesige Banderolen mit den Namen der Sponsoren gespannt waren. Wieso auch nicht? Solang die Werbepartner keinen Einfluss auf die Inhalte nehmen, finde ich das vollkommen in Ordnung.
„Nageln Sie mich nicht fest, aber eine Auferstehung des Bernd Mitte der 20er Jahre wäre durchaus reizvoll. Da latsche ich dann selbst in großen Schritten auf die 60 zu und es würde mich schon interessieren, was der "Papa" kurz vor der Rente macht.“
Christoph Maria Herbst
Wie muss Werbung gestaltet sein, damit sie nicht nervt? Sie sollte humorvoll und intelligent, aber nicht zu laut sein. Das sind für mich eigentlich die drei wichtigsten Kriterien. Damit wären wir auch schon wieder bei der Eurowings-Kampagne.

Haben Sie darüber hinaus eine Lieblingskampagne? Zu meinen Alltime-Favoriten gehört die Langnese-Werbung aus den 80ern. Ich mag aber auch die Merci-Werbung wegen des Songs, der für mich ein echter Ohrwurm ist. Ich liebe kitschige Werbesongs. Wenn man mich irgendwann nicht mehr auf der Bühne oder dem Bildschirm sehen will, werde ich Klinken putzen gehen, damit man mich diese Lieder singen lässt.

Sie ernähren sich schon seit geraumer Zeit vegan. Können Sie sich vorstellen, Werbung für vegane Wurst zu machen – so wie zuletzt ihr Schauspiel-Kollege Wotan Wilke Möhring für die Rügenwalder Mühle? Wieso eigentlich nicht? Es würde besser passen als so manch andere Anfrage, die ich schon bekommen habe. Wie beispielsweise von der Kuhmilch-Industrie oder einer Junkfood-Kette. Was denken die denn, wie biegsam mein Rückgrat ist? Auf der einen Seite oute ich mich als jemand, der sich vegan/vegetarisch ernährt, und dann soll ich für Kuhmilch werben? Oder Junkfood? So viel Geld kann man mir gar nicht zahlen, dass ich mein gerade erwähntes Rückgrat an der Garderobe abgeben würde. Es muss schon im Entferntesten etwas mit mir zu tun haben. Also wenn der Wotan keinen Bock mehr hat, sollen mich die Rügenwälder durchaus mal ansprechen. Aber im Moment fühle ich mich mit meiner Airline nach wie vor sehr wohl! bu

stats