Erste Bilanz ohne Sorrell

WPP stagniert

Mark Read, Co-COO von WPP
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Mark Read, Co-COO von WPP
Es ist die erste Quartalsbilanz von WPP seit 33 Jahren, die nicht von Martin Sorrell präsentiert wird. Der Gründer und Übervater des weltweit größten Werbekonzerns war Mitte April zurückgetreten. In den ersten drei Monaten des Jahres - also noch unter der Verantwortung von Sorrell - stagnierten die Umsätze auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Allerdings kann die Gruppe den Abwärtstrend der vergangenen drei Quartale stoppen.
Im 1. Quartal 2018 gingen die Umsätze (ohne durchlaufende Kosten) leicht um 0,1 Prozent auf 2,95 Milliarden britische Pfund (3,35 Milliarden Euro) zurück. Erfreulich entwickelte sich der britische Markt mit einem Plus von 1,6 Prozent. Nicht so gut lief es in Nordamerika, wo WPP 2,4 Prozent seiner Netto-Umsätze einbüßte. Auch in der Region "Western Continental Europe" kommt die Holding noch nicht wieder in Schwung. Hier beträgt das Umsatzminus 0,2 Prozent.


In der offiziellen Mitteilung wird unter anderem der deutsche Markt als "herausfordernd" bezeichnet. Hier verzeichnet WPP im 1. Quartal ein Umsatzminus von 5,7 Prozent. 2017 (Gesamtjahr) betrug das Minus 1,3 Prozent. In Deutschland ist die Gruppe außer mit ihren internationalen Agenturnetzwerken auch mit Marken wie Scholz & Friends, Thjnk und Hirschen Group vertreten.

Der Netto-Umsatz im Segment "Advertising and Media Investment Management" ging im Berichtszeitraum um 0,9 Prozent zurück, wobei das Unternehmen mitteilt, dass das Mediageschäft (Group M) zu den wachstumsstärksten Sparten gehört. Werbung und Data Investment Management (Marktforschung) stehen dagegen weiterhin unter Druck.


Auffällig ist, dass im Unterschied zu den bisherigen Bilanzen der gesamtwirtschaftliche Kontext und ein ausführlicher Ausblick fehlen. Der frühere CEO Sorrell hatte sich unter anderem damit einen Namen gemacht, bei der Vorlage der WPP-Zahlen die globale Wirtschaftslage und die Rolle von Marketing und Werbung zu analysieren. Interims-Chef Roberto Quarta (Executive Chairman) begnügt sich mit einem knappen Statement, in dem er mitteilt, dass die Quartalsbilanz den Erwartungen entspreche. Auch am Ausblick für das Gesamtjahr halte man fest, so Quarta.

Die beiden Operativchefs "Mark Read und Andrew Scott Mark sorgen für die Stabilität und Führung, die WPP benötigt, aber es gibt keinen Stillstand. Beide haben meine und die volle Unterstützung des Boards, um die Strategie zu überprüfen und Vorschläge zu entwickeln, mit denen wir die Vision für unsere Gruppe umsetzen können", lässt sich Quarta zitieren.

„Wir konzentrieren uns auf Wachstum. Wir werden proaktiv die sich unterdurchschnittlich entwickelnden Teile unseres Geschäfts angehen und sicherstellen, dass unser Kapital in jenen Bereichen eingesetzt wird, die am schnellsten wachsen und den Shareholder Value maximieren.“
Mark Read und Andrew Scott
Auch Read und Scott melden sich in ihrer neuen Rolle als Co-COOs erstmals offiziell zu Wort. Sie loben die Qualität der Kundenbeziehungen und die Stärke des Führungspersonals bei den einzelnen Agenturmarken. Allerdings deuten sie an, dass es Veränderungen geben wird: "Wir konzentrieren uns auf Wachstum. Wir werden proaktiv die sich unterdurchschnittlich entwickelnden Teile unseres Geschäfts angehen und sicherstellen, dass unser Kapital in jenen Bereichen eingesetzt wird, die am schnellsten wachsen und den Shareholder Value maximieren."

Ob es in diesem Zusammenhang zu Verkäufen von Unternehmensteilen kommen wird, steht noch nicht fest. Die Börse reagierte positiv auf die WPP-Zahlen. Der Aktienkurs schoss am Montagmorgen zunächst um mehr als 8 Prozent nach oben. mam

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