Effektivitätswettbewerb

GWA will den Effie auf breitere Säulen stellen

Der GWA stellt den Effie breiter auf
© GWA
Der GWA stellt den Effie breiter auf
Diese Woche startet die Ausschreibung für den GWA Effie. Und wie bereits in den Vorjahren gibt es einige Veränderungen. Mit Larissa Pohl ist erstmals eine Frau für das GWA-Flaggschiff Effie verantwortlich, und die hat ehrgeizige Pläne mit dem Effektivitätswettbewerb. Dabei geht es vor allem um eines: Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA will sein Flaggschiff auf breitere Säulen stellen, damit es künftig nicht nur bei Agenturen, sondern auch bei Marketingentscheidern ganz oben auf der Agenda steht.

Zu den wichtigsten Veränderungen zählt die Verschmelzung des GWA Effie mit seinen kleinen Schwestern GWA Profi und GWA Healthcare. Die Gewinner des GWA Profi wurden schon 2017 bei einer gemeinsamen Gala mit den Effie-Preisträgern gefeiert. Jetzt geht die Fusion in die nächste Phase: Profi und Healtcare schlüpfen vollständig unter das Effie-Dach und heißen künftig GWA B2B Effie und GWA Health Effie.

Larissa Pohl
© Jung von Matt
Larissa Pohl
Neben Pohl sind Jörg Dambacher (RTS Rieger Team) und Wolfgang Pachali (Wefra) für den erweiterten Wettbewerb verantwortlich. Dambacher steht an der Spitze des B2B Effie, Pachali verantwortet den Health Effie. Diese Neustrukturierung erfordert eine Anpassung der Kategorien: Der GWA Health Effie hat künftig die gleichen zwölf Wettbewerbssparten wie der 2015 runderneuerte Hauptwettbewerb. Beim GWA B2B Effie gibt es nur sechs Kategorien, allerdings sind diese ebenfalls bereits vom großen Effie bekannt: Activation, Brand Campaign, Brand Experience, Comeback, Evergreen und New New. Mehr Informationen zur Ausschreibung gibt es hier.


Die drei Bereiche des Effie werden weiterhin getrennt voneinander juriert. Das Procedere ist allerdings überall gleich: Die Online-Vorjury, bestehend aus bis zu 200 Teilnehmern, wurde nach nur einem Jahr wieder abgeschafft. Stattdessen wird es erstmals sechs Vorjurys in sechs Städten geben, davon jeweils eine für den GWA B2B Effie und eine für den GWA Health Effie. Maximal zehn Juroren, jeweils zur Hälfte aus Agenturen und Unternehmen, bewerten die Einreichungen und bestimmen die Finalisten. Dabei sitzt stets auch ein Vertreter der Hauptjury mit am Tisch. Die Hauptjury wiederum erhält künftig eine nicht stimmberechtigte Doppelspitze aus je einem Agentur- und Unternehmensvertreter. Um wen es sich dabei neben Pohl, Dambacher und Pachali handeln wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Während die Hauptjury im vorigen Jahr ordentlich aufgestockt wurde, lautet nun das Ziel: maximal 20 Teilnehmer. In der Grand Jury sollen es sogar nur zehn sein. Das hat damit zu tun, dass dieses Gremium einstimmig über den Grand Prix abstimmen muss, ansonsten wird der 2017 eingeführte Best-of-Show-Preis nicht vergeben. Was die Hauptjury betrifft, so hat Pohl einige neue Marketingentscheider akquiriert: Erstmals mit dabei sind beispielsweise Antje Neubauer von der Deutschen Bahn, Philipp Markmann von L’Oréal und Markus Schuld von der Deutschen Telekom.


Durch die Konsolidierung der drei GWA-Wettbewerbe könnte der Verband das von Pohls Vorgänger Michael Trautmann ausgegebene Ziel womöglich schneller als erwartet erreichen: Er sagte voriges Jahr, dass er sich mittelfristig rund 200 Einsendungen für den GWA Effie vorstellen könne. Zuletzt waren es nur rund 100, beim Profi-Award konkurrierten jährlich zwischen 35 und 60 Arbeiten um Edelmetall, beim GWA Healthcare waren es zwischen 20 und 30. Hier stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das auf die Effie-Gala haben wird: 2017 zog sich die Show sehr in die Länge. Einen Verleih-Marathon wolle man um jeden Preis vermeiden, sagt Pohl. „Wir haben uns vorgenommen, unter 100 Minuten zu bleiben. Dabei soll der Fokus auf den Preisträgern und der Jury-Bewertung liegen.“ Außerdem suche man derzeit noch nach einem starken Moderator beziehungsweise einer Moderatorin.

Im Hinblick auf die Bekanntgabe der Gewinner wird es auch 2018 keine allzu großen Überraschungen bei der Gala geben: Wie schon im Vorjahr werden die Gold-, Silber- und Bronzegewinner im Vorfeld exklusiv in HORIZONT veröffentlicht. Lediglich der Grand Prix wird erst bei der Gala enthüllt. Für Spannung soll außerdem eine neue Auszeichnung sorgen: Erstmals will der GWA die Effie-Agentur des Jahres auf Basis eines Medaillenspiegels küren. Hier tüftelt das Team noch an dem Berechnungsverfahren, da es gerade bei diesem Wettbewerb neben dem Haupteinreicher häufig mehrere Nebeneinreicher gibt. Also gilt es eine faire Methode zu finden, bei der die Leistung des Haupteinsenders gegenüber den beteiligten Partnern nicht geschmälert wird, aber alle berücksichtigt werden.

Während die Gewinner-Präsentation bei der Gala kurzgehalten werden soll, bietet der Effie-Kongress die Möglichkeit, tiefer in die Thematik einzutauchen. Denn hier werden zumindest alle Gold-Cases vorgestellt. Der Kongress sei auch für den Nachwuchs eine gute Gelegenheit, mehr über effektive Marketing-Kommunikation zu erfahren. Deshalb offeriert der GWA erstmals 100 Junioren-Tickets à 99 Euro. Dambacher und Pachali rechnen außerdem damit, verstärkt Besucher aus den Bereichen B-to-B und Healthcare begrüßen zu können. Voriges Jahr waren rund 230 Teilnehmer beim Effie-Kongress dabei, dieses Jahr rechnet der GWA mit 350 Gästen. Die neue Location im Frankfurter Westhafen Pier würde theoretisch sogar Platz für noch mehr Teilnehmer bieten, sagt Mirco Hecker, Geschäftsführer von GWA Service.

All diese Bemühungen zielen einerseits darauf ab, die Attraktivität des GWA Effie zu erhöhen und mehr Einsendungen zu generieren. Andererseits sind sie ein weiterer Schritt in dem bereits begonnenen Annäherungsprozess an den Lizenzgeber Effie Worldwide. „Wir wollen den Effie zur besten Referenz für erfolgreiche Marketing-Kommunikation machen“, sagt Pohl. „Der Wert eines Effie-Awards muss branchenweit noch klarer werden. Deshalb gilt es, die Jury mit den besten Experten zu besetzen, die unsere Branche hat, und den Effie klar von den einschlägigen Kreativshows abzugrenzen.“

Um dies weiter zu verdeutlichen, gibt es die Effie-Seminare, die im April starten. Unter dem Motto „Jeder kann einen Effie gewinnen!“ informiert das Team in verschiedenen deutschen Städten über alle Neuerungen und trommelt ordentlich in eigener Sache. Außerdem will der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA eine Effie-Plattform etablieren, die ganzjährig mit Inhalten befüllt wird – sei es in Form von Seminaren, Studien oder Best Cases.

Bleibt am Schluss die Frage, ob Pohl genügend Zeit dazu haben wird, ihre ehrgeizigen Pläne auch wirklich umzusetzen. Wenn sie Ende August als Strategiechefin von Jung von Matt aussteigt, müsste sie theoretisch auch ihr Vorstandsmandat beim GWA aufgeben. Wer im Führungsgremium des Verbands sein will, muss fest angestellte Führungskraft einer GWA-Mitgliedsagentur sein. Pohl gibt sich optimistisch, dass dies nicht zum Problem werden wird: „Wir sind ein starkes Team im GWA. Ich führe interessante Gespräche und es wird eine gute Lösung für den Effie geben.“

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