Deloitte-Manager Könnecke und Schültke

"Agenturen müssen sich beeilen, um den Anschluss nicht zu verlieren"

Deloitte-Manager Florian Schültke (l.) und Daniel Könnecke
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Deloitte-Manager Florian Schültke (l.) und Daniel Könnecke
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Agenturen versus IT-Berater, das Thema ist in aller Munde. In diesen Kontext passt auch der Wechsel des früheren FCB-Chefs Daniel Könnecke zu Deloitte Digital. Im Doppelinterview halten er und sein neuer Geschäftspartner Florian Schültke den Ball aber bewusst flach: Das Konkurrenzverhältnis werde überschätzt. Gleichwohl will Deloitte zusätzliche Agenturkompetenzen aufbauen - und mahnen Agenturen, sich zu verändern.
Herr Könnecke, eigentlich wollten Sie 2018 aus privaten Gründen eine Auszeit nehmen. Jetzt sind Sie nach wenigen Wochen Pause zurück. Was ist passiert?
Daniel Könnecke: Ich hatte in der Tat vor, 2018 nicht in ein festes Arbeitsverhältnis einzutreten, sondern mich intensiv um einen Krankheitsfall in der Familie zu kümmern. Zum Glück hat sich die Situation aber deutlich entspannt, sodass ich wieder mehr Zeit habe, mich auch beruflich zu engagieren.


Warum dann nicht wieder bei FCB, wohin Sie ja hätten zurückkehren können?
Könnecke: Ich bin und bleibe Markenfan, aber mich hat gereizt, noch mal was Neues zu machen. Ich will mich wieder mehr um Themen kümmern, mit denen ich mich früher schon beschäftigt habe, die in meiner Rolle als Agenturchef aber etwas zu kurz gekommen sind: Servicedesign, Produktdesign, neue Geschäftsmodelle. Darüber habe ich mit verschiedenen Leuten geredet, auch mit Florian Schültke, den ich schon lange kenne. Das Angebot, als Partner bei Deloitte Digital einzusteigen, war sehr verlockend.



Auch was den zeitlichen Freiraum angeht, den Sie privat brauchen?
Könnecke: Es ist ein Fulltime-Job. Aber ich kann hier dezentraler und ortsunabhängiger arbeiten als an der Spitze einer Werbeagentur. Beratungsunternehmen sind bei flexiblen Arbeitszeitmodellen wesentlich weiter als Agenturen.


Florian Schültke: Wir haben uns in den letzten Jahren komplett gewandelt, nicht nur in Sachen Organisation und Struktur, sondern auch inhaltlich. Wir haben uns von einer klassischen Strategie- und IT-Beratung zu einem echten End-to-End-Anbieter mit einem wesentlich breiteren Profil entwickelt – mit umfangreichen Kompetenzen in den Bereichen Strategie, Technologie und Marke. Dieser Transformationsprozess steht Agenturen erst noch bevor. Und ich glaube, sie müssen sich ziemlich beeilen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Was können Sie bei Deloitte Digital denn anbieten, was Ihnen vorher auf Agenturseite nicht möglich war?
Könnecke: Der entscheidende Punkt ist das Thema Business Creativity. Oft habe ich mit Kunden über Maßnahmen gesprochen, die eigentlich nichts mehr mit Werbung oder Kommunikation zu tun hatten. Da ging es um neue Produkte, die Optimierung von Erlösströmen und andere Services. Leider konnte ich die Umsetzung nicht immer anbieten, weil eine Werbeagentur dazu nur bedingt in der Lage ist. Ich hatte also Delivery-Probleme. Bei Deloitte können wir anspruchsvolle Themen nicht nur beraten, sondern auch selbst umsetzen.

Aber kulturell ist der Sprung doch ziemlich groß. Wie passt ein Agenturmann wie Sie in das neue Umfeld?
Schültke: Vielleicht kann ich zuerst was dazu sagen, ich habe den Schritt von Agentur- auf Beratungsseite ja schon vor drei Jahren gemacht. Als ich angefangen habe, war ich ein Kulturschock für Deloitte – und das, obwohl ich noch nicht mal ein Kreativer bin. Inzwischen hat sich sehr viel getan. Wenn man in unsere neuen Studios nach Düsseldorf oder Berlin kommt, sieht es da aus wie bei einem Start-up oder einer coolen Agentur.

Sie wollen also doch eine Agentur sein?
Schültke: Nein. Unser großer Vorteil ist, dass wir das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden. Unsere Kultur ist schon anders als in Agenturen, für die es enorm wichtig ist, dass alle aus demselben Holz geschnitzt sind. Bei uns hat man es mit einer Vielzahl von Leuten aus unterschiedlichen Bereichen zu tun, die temporär in Gruppen zusammengeführt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, eine ganz eigene Kultur zu etablieren.

Könnecke: Die weniger stark ausgeprägte Homogenität empfinde ich als große Stärke. Das Spektrum der Mitarbeiter ist wesentlich breiter gefasst. Das führt nicht nur dazu, dass man mehr Kompetenzen bei sich hat, man geht auch viel offener an die Projekte heran. Am Ende ist der Output eben nicht nur eine bunte Kampagne, sondern eine besseres Produkt oder ein ganz neuer Service.

Als Agenturchef hätten Sie spätestens an dieser Stelle aufgeschrien.
Könnecke: Ich will Agenturen nicht schlechtreden. Ich glaube auch nicht, dass wir ihnen Geschäft wegnehmen. Bei uns geht es nämlich um ein ganz anderes Thema: Service, Produkte, Businessmodelle. Aber natürlich wird es weiterhin Werbung für diese neuen Angebote geben. Nur interessiert mich persönlich die andere Seite inzwischen mehr.

Wes Brot ich ess', des Lied ich sing?
Könnecke: Ich habe schon als Agenturchef den Anspruch gehabt, das Geschäft meiner Kunden zu verstehen. Und bei FCB hatten wir ja auch eine sehr starke Strategieabteilung. Aber als Agentur hat man es eigentlich immer nur mit Kommunikationsstrategie zu tun, nicht mit Businessstrategie. Dafür fehlen schlicht die Zugänge in die Führungsetagen.

Schültke: Bei den Themen und Projekten, die wir betreuen, ist der Zugang zu Vorständen ganz normal. Das können Agenturen nicht von sich behaupten. Aber sie sind stark darin, Themen aus der Verbraucherperspektive zu beleuchten. Dieses Know-how wollen wir noch stärker bei uns etablieren. So haben wir gerade erst ein zehnköpfiges Team von Meta Design angeheuert. Vielleicht reden deswegen alle von dem Konkurrenzverhältnis zwischen Beratungen und Agenturen. Aber man darf kein künstliches Spannungsverhältnis konstruieren. Vieles läuft nach wie vor getrennt. In den meisten Pitches begegnen wir uns nicht.
Interview: mam

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 20/2018 vom 17. Mai
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