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Sind jetzt Partner: Andreas Siefke und Frank Ohlsen (v.l.)
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Content Marketing Andreas Siefke startet Comeback bei PRH Hamburg

Sind jetzt Partner: Andreas Siefke und Frank Ohlsen (v.l.)
Er war bei Hoffmann und Campe, Kircher Burkhardt (C3), Bissinger Plus und zuletzt KNSK: Andreas Siefke, Präsident des Content-Marketing-Verbands CMF. Nach dem unschönen Ende bei KNSK ist Siefke jetzt zurück: als Co-Geschäftsführer und Gesellschafter bei PRH Hamburg. Die Agentur beschäftigt rund 30 Mitarbeiter und betreut Kunden wie Mercedes-Benz Trucks, Lufthansa Cargo und Hapag-Lloyd. Horizont Online sprach mit Siefke und seinem Kompagnon Frank Ohlsen.
von Jürgen Scharrer, Mittwoch, 06. Juni 2018

Herr Siefke, bevor wir zu PRH kommen, müssen wir über Ihr abruptes Ausscheiden bei KNSK und Bissinger Plus sprechen. Es sind unterschiedliche Interpretationen im Umlauf: Sie haben sich mit Manfred Bissinger überworfen, mit KNSK-Urgestein Detmar Karpinski heillos zerstritten, Ihnen hat das Geschäftsmodell nicht mehr gepasst. Oder war es einfach so, dass Sie den internen Wettbewerb gegen Kim Notz verloren haben, die inzwischen als designierte Nummer 1 bei KNSK gilt? 

Siefke: Da ist viel Quatsch dabei. Ich halte den Zusammenschluss von KNSK und Bissinger Plus, also einer Werbe- und einer Content-Marketing-Agentur, nach wie vor für absolut sinnvoll und richtig. Und Kim ist auch nicht mit dem Messer hinter mir her gerannt. Sie hat einfach einen guten Job gemacht, was aber auch daran lag, dass Werner Knopf sie hat machen lassen. Das andere Tandem, also Detmar Karpinski und ich, hat dagegen nicht so gut funktioniert. Ich bin aber weit davon entfernt, Schuldzuweisungen zu machen, da gehören ja immer zwei dazu. Ich blicke auch nicht verbittert auf meine Zeit bei Bissinger Plus und KNSK zurück. Ich bin eben aus dem Karussell geflogen, so etwas passiert.

Sie haben sehr lange sehr eng mit Manfred Bissinger zusammengearbeitet.

Siefke: Ja, seit 2000, als ich zu Hoffmann und Campe kam. Manfred war schon ein beruflicher Ziehvater für mich, keine Frage.

Und wenn Sie ihm jetzt zufällig begegnen, wechseln Sie die Straßenseite? 

Siefke: Sicher nicht. Natürlich war das Aus bei KNSK und Bissinger Plus eine Zäsur, da ist für mich eine berufliche Perspektive weggefallen. Die Zeit der Trennung war nicht einfach, auch zwischenmenschlich, aber heute können wir wieder problemlos einen Kaffee miteinander trinken. Es gibt kein Zerwürfnis.

Herr Ohlsen, Sie sind alleiniger Geschäftsführer von PRH und im Besitz von 74,9 Prozent der Agentur. Was hat Sie bewogen, künftig die Macht zu teilen? 

Ohlsen:
Ich bin im letzten Jahr 50 geworden und habe mich, wahrscheinlich diesem besonderen Datum geschuldet, auf eine Art innere Reise begeben. Wie will ich weiter machen, was will ich ändern in meinem Leben? Eine der Antworten lautete: Ich möchte gerne einen Partner an der Seite haben, der anders tickt und andere Ideen hat. Die See ist stürmisch, da ist es ganz gut, wenn zwei Leute im Ausguck stehen.

Sie werden auch eigene Anteile an Andreas Siefke abgeben? 

Ohlsen:
So ist es geplant. In einem ersten Schritt wird Andre die Anteile von Harald Nitz, dem Agenturgründer, übernehmen, da laufen die Gespräche bereits. Ziel ist aber, dass Andre und ich das hier gleichberechtigt machen und jeder 50 Prozent der Anteile hält.

Siefke: Es passiert nicht oft, dass einem die Tür so weit geöffnet wird, menschlich, inhaltlich, aber eben auch was die Möglichkeit betrifft, sich am Unternehmen zu beteiligen. Ich hatte nach meinem Ausstieg bei KNSK und Bissinger Plus eine ganze Reihe von Optionen und intensive Gespräche auch mit Zeitungsverlagen, Network- und Mediaagenturen. Frank hat damals zu mir gesagt: Schau dir das alles in Ruhe an, wenn du dich für PRH entscheidest, solltest du davon auch zu 100 Prozent überzeugt sein. Und das bin ich. Ich möchte unternehmerisch tätig sein und gehe  daher gern mit meinem eigenen Geld bei PRH auch persönlich ins Risiko.

„Es kann eine interessante Frage sein, ob wir uns perspektivisch mit jemandem verloben oder gar verheiraten sollten. “
Andreas Siefke
Andreas Siefke
Andreas Siefke (© PRH)
Ein Risiko ist auch, jemanden als Gesellschafter in die Agentur zu holen. Hatten Sie deswegen schlaflose Nächte, Herr Ohlsen? 

Ohlsen:
Natürlich ist es ein Risiko, aber schlaflose Nächte hatte ich deswegen überhaupt nicht. Es wäre ja auch ein Risiko gewesen, es weiter alleine zu machen. Ich habe einfach ein total gutes Gefühl, dass es mit Andre und mir passt. Die Agentur steht gut da, wir haben uns in den vergangenen fünf Jahren auch inhaltlich stark weiterentwickelt. Und jetzt beginnt eben eine neue Phase, auf die ich mich sehr freue.

Wie wird die Aufteilung zwischen Ihnen beiden aussehen? 

Ohlsen: 
Wir werden nicht diese klassische Aufteilung haben, der eine macht das Kreative, der andere das Kaufmännische. Wir wollen die Agentur wirklich gemeinsam führen.

Siefke: Wir sind bei den allermeisten inhaltlichen Themen einer Meinung, ergänzen uns aber auch sehr gut: Frank kommt eher aus dem Konzeptionellen, Kreativen und Inhaltlichen, steht also für Content, während ich einen starken Schwerpunkt auf Marketing und Beratung habe.

Mit einem neuen Gesellschafter verbindet man immer auch die Hoffnung auf Neugeschäft. Wie ehrgeizig sind da Ihre Ziele? 

Ohlsen: 
Wir haben hier tolle Mandate, für die wir mit ganz viel Herzblut arbeiten. Mit unserer Strategie, organisch zu wachsen und Kunden über viele Jahre zu halten, sind wir bisher sehr gut gefahren, das soll sich gar nicht groß ändern. Wir rufen jetzt hier bestimmt nicht das Ziel aus, jedes Jahr sechs Pitches zu gewinnen und aus PRH eine Maschine mit 150 Mitarbeitern zu machen. Unser Ehrgeiz ist, immer besser zu werden und nachhaltig zu wachsen.

Wäre aber schon nicht schlecht, wenn mit dem neuen Co-Geschäftsführer auch ein bisschen Neugeschäft kommt. Andreas Siefke kennt aus seiner Zeit bei HoCa, KircherBurkhardt, Bissinger Plus und KNSK schließlich jede Menge Kunden.

Ohlsen: 
Klar, ich bin auch sehr optimistisch, dass in den kommenden Monaten etwas passieren wird. Neugeschäft ist ja nicht unbedingt eine Anforderung, die völlig neu ist und überraschend kommt. Aber ja, hier verspreche ich mir natürlich auch neue Impulse.

Siefke: Natürlich ist mein Anspruch, neue Kunden zu gewinnen. Ich habe auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wen ich ab September ansprechen werde. Aber ich gehe ganz bestimmt nicht die Liste meiner Ex-Kunden durch und schaue, wer von denen möglicherweise gerade wackelt. Was nicht heißt, den Telefonhörer nicht abzuheben, wenn einer davon mit uns sprechen will.

Aber im Kern bleibt PRH das, was PRH heute schon ist? 

Siefke: 
PRH ist eine feine, kreative Content-Boutique mit einem klaren Schwerpunkt auf B2B. An dieser Positionierung werden wir sicher nicht rütteln. Aber natürlich sehe ich schon ein paar neue Ansätze und Geschäftsfelder, die für uns sehr interessant sein können.

An was denken Sie denn so? Sind strategische Partnerschaften ein Thema? 

Siefke: 
Es kann eine interessante Frage sein, ob wir uns perspektivisch mit jemandem verloben oder gar verheiraten sollten. Konkret wird es aber zunächst darum gehen, sich weiterzuentwickeln und sich neue Geschäftsfelder anzusehen. Wir sind da gerade in Gesprächen mit einer sehr interessanten Berliner Digitalagentur.

Worum geht es dabei genau? 

Siefke: 
Mir hat an Frank immer seine hanseatische Zurückhaltung und sein Grundsatz gefallen, erst dann über Dinge zu sprechen, wenn sie konkret werden. Was ich aber schon sagen kann: Es geht in dem besagten Fall um interne Kommunikation und deren Digitalisierung.

Herr Ohlsen, können auch Sie sich gesellschaftsrechtliche Verbindungen mit einer anderen Agentur vorstellen? 

Ohlsen: 
Wenn es inhaltlich passt, möchte ich nichts ausschließen. Aber aktuell ist das nicht unser Thema. Ich freue mich jetzt erst einmal darauf, zusammen mit Andre die Agentur weiter voranzubringen. Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem den Bereich Digital sehr stark ausgebaut und die gesamte Agentur sehr viel agiler aufgestellt. Diesen Weg gilt es jetzt fortzusetzen.

Siefke: Gerade beim Thema Bewegtbild ist PRH viel stärker als das in der Öffentlichkeit bisher wahrgenommen wird. Es ist ja auch kein Zufall, dass die Agentur im letzten Digital-Kreativ-Ranking des CMF-Verbands Platz 2 belegt hat. Ich weiß schon, warum ich mich nach reiflicher Überlegung entschieden habe, meine berufliche Zukunft bei PRH zu sehen.

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