Special

Steffen Bärenfänger: Der Kreativchef der Accenture-Tochter Mackevision vertritt Deutschland dieses Jahr in der Film-Jury der Cannes Lions Steffen Bärenfänger
Mackevision

Cannes Lions Die Königsdisziplin Film und ihre Ausprägungen im Digitalzeitalter

Steffen Bärenfänger: Der Kreativchef der Accenture-Tochter Mackevision vertritt Deutschland dieses Jahr in der Film-Jury der Cannes Lions Steffen Bärenfänger
Ganz gleich, wie viele neue, zeitgemäße Kategorien die Cannes-Lions-Organisation zu ihrem globalen Kreativwettbewerb addiert, die älteste übt immer noch eine ganz besondere Faszination auf die Festivalbesucher aus: Film. Kein anderes Werbemedium ruft so viele Emotionen hervor und nicht wenige preisgekrönte Cannes-Spots gelten Jahrzehnte später noch als absolute Klassiker. Teil dieser Jury zu sein, gilt deshalb auch als ganz besondere Ehre.
von Bärbel Unckrich, Freitag, 15. Juni 2018
Alle Artikel dieses Specials
X

    Der eine oder andere dürfte überrascht gewesen sein, als Steffen Bärenfänger als deutscher Juror für die Königsdisziplin genannt wurde. Der ehemalige Executive Creative Director von Publicis Pixelpark Frankfurt hatte zum Zeitpunkt der Jury-Bekanntgabe noch nicht mal offiziell über seinen neuen Job gesprochen: Seit einigen Monaten ist er in gleicher Position bei Mackevision tätig, einem Spezialisten für computergenerierte Film- und VR-Anwendungen, der seit Anfang dieses Jahres zu Accenture gehört. Wer sich mit Bärenfängers Vita und dem Geschäftsfeld von Mackevision beschäftigt, merkt schnell, dass die ungewöhnliche Jurywahl durchaus Sinn macht.

    Bärenfänger ist ein Hybrid-Kreativer, der sich seit Jahren an der Schnittstelle zwischen klassischer und digitaler Kreation bewegt. Bevor er im Juni 2015 bei Publicis Pixelpark andockte, war er bei Grey als Integrated Creative Director tätig. Zu seinen früheren Stationen zählen Pixomondo, VCCP, Neue Digitale und Scholz & Volkmer. Nicht überall war er fest angestellt. Insgesamt arbeitete Bärenfänger 15 Jahre lang als freier Kreativer und Regisseur. Letzteres gilt auch wiederum nicht für klassische TV-Produktionen, sondern für digitales Bewegtbild. Hier kann er sogar Cannes-Löwen vorweisen: Silber gab es für die Website von Adidas Originals, Bronze für die Online-Kampagne „Timeshifted“ für Adidas Y3. Beide Arbeiten wurden von Neue Digitale (heute: Sapient Razorfish) konzipiert und sind bereits 13 beziehungsweise elf Jahre alt.

    Schon damals kombinierte er Motion Graphics mit Realfilm. Bis heute faszinieren ihn neuartige Formate und das Experimentieren mit bewegten Bildern: "Film ist nicht mehr analog und linear, sondern multidimensional: digital, interaktiv, immersiv und zielgruppenausgesteuert", stellt Bärenfänger fest. „Dazu kommen ständig neue Formate wie Pre-Rolls, Streaming-Banner oder VR- und AR-Technologien. Dies verändert die Spielregeln für Kreation und Produktion massiv.“ Aus eben diesem Grund reizte ihn auch der Job bei Mackevision und die eigens für ihn geschaffene Position des Executive Creative Directors. Er und sein Team wollen Sparringspartner sein für Agenturen, Kunden, Kreative, Regisseure und Filmproduktionen, wann immer es darum geht, digitale, immersive und interaktive Formate zu entwickeln.

    In der Vergangenheit war Mackevision vor allem bekannt für seine CGI-Kompetenz im Automotive- und Spielfilmbereich. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart hat beispielsweise die Visual Effects der Erfolgsserie "Game of Thrones" realisiert und dafür unter anderem einen Emmy Award gewonnen. Im Automotive-Bereich gehören Messefilme und Web-Specials ebenso zum Portfolio wie Produkt-Konfiguratoren und VR- beziehungsweise AR-Anwendungen. Mackevision kommt immer dann ins Spiel, wenn es darum geht, am Computer Welten entstehen zu lassen, die so real wie möglich aussehen – ein Geschäftsfeld, das auch im Werbefilm-Bereich an Relevanz gewinnt.

    Hier kommen Bärenfänger und sein Team ins Spiel. Der Hamburger Standort des weltweit tätigen Unternehmens ist für das Agenturgeschäft beziehungsweise die Werbekommunikation verantwortlich. Rund 30 der insgesamt 570 Mackevision-Mitarbeiter arbeiten in der Hansestadt – Tendenz steigend. Bärenfänger will vor allem weitere Kreative an Bord holen, die wir als Brückenkopf zwischen Kreativagenturen und CGI-Spezialisten fungieren. In Hamburg sollen die Fäden aller 14 Mackevision-Standorte zusammenlaufen, wann immer Anfragen für Werbefilme hereinkommen. Neben der Automotive-Industrie sollen hier künftig auch andere Marktsegmente bedient werden. Seit er bei Mackevision angefangen hat, sind bereits Kunden aus dem Beauty-, Healthcare und Wissenschaftsbereich hinzugekommen.

    Wettbewerber wie Sehsucht, ebenfalls in Hamburg, und die Londoner Produktionsfirma The Mill haben sich mit ihrer CGI-Kompetenz bereits einen Namen in der deutschen Agenturszene gemacht. Hier will Mackevision mit Bärenfängers Hilfe ebenfalls hinkommen. Der Juryjob in Cannes ist dabei zweifellos hilfreich. Die Vorjurierung stimmt den Kreativen ebenfalls positiv, dass er mit seinem neuen Job aufs richtige Pferd gesetzt hat. Der Anteil computergenerierter Bilder in Werbefilmen nimmt zu – egal, ob es sich um reine CGI-Produktionen oder die Kombination mit Realfilm handelt. "Vor allem international tut sich hier sehr viel“, so Bärenfänger. Digitale Erlebniswelten sind die Schnittstellen der Zukunft zwischen Marken, Produkten und Konsumenten." bu

    Meist gelesen
    stats