"Brauchen kein Silicon Valley"

Warum Lars Lehne und Alexander Kiock gemeinsame Sache machen

Zweifeln an "Beratungsschablonen" beim digitalen Umbruch: Alexander Kiock, Lars Lehne (links)
© Syzygy
Zweifeln an "Beratungsschablonen" beim digitalen Umbruch: Alexander Kiock, Lars Lehne (links)
Individuelle Problemlösungen statt globale Rezepte von der Stange: Mit diesem Versprechen will die Syzygy-Gruppe als neuer Mehrheitsgesellschafter der Strategie Beratung Diffferent vor allen Dingen dem deutschen Mittelstand den digitalen Umbruch ermöglichen und erleichtern. Im Interview betonen Lars Lehne und Alexander Kiock: "Die rosarote Brille aus Silicon Valley kann nicht die Lösung für alles sein."

Berater fressen Agenturen zum Frühstück, warnen Sie in einem Gastkommentar im Springer-Titel Bilanz. Nun machen Sie doch mit dem Beratungsunternehmen Diffferent gemeinsame Sache. Wie passt das zusammen?

Lars Lehne: Wir sind inzwischen beim Dinner angekommen – und in unserem Fall ist es andersrum: Jetzt frisst eine Agentur einen Berater. Spaß beiseite. Was wir in der Vergangenheit erlebt haben, war ja: Große globale Maschinen kaufen sich kleine feine oder mittelgroße Agenturen mit Digitalexpertise ein. Wir gehen genau den umgekehrten Weg.



Lars Lehne und Alexander Kiock im HORIZONT-Interview
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Warum? 

Lehne: Weil wir nicht an Skalierung glauben. Wir haben uns so lange umgeschaut, bis wir einen Berater gefunden haben, der zu uns passt.


Was hat Diffferent, was Boston Consulting oder McKinsey nicht haben?

Lehne: Ein gigantisches Beratungsmonstrum passt nicht zur Syzygy-Philosophie. Diffferent dagegen ist eine Strategieberatung, die uns helfen wird, für deutsche Unternehmen maßgeschneiderte Transformationslösungen zu entwickeln. Dazu braucht man keinen 5000-Mann-Laden, aber ein gemeinsames Mindset. Und das haben Syzygy und Diffferent.

Herr Kiock, Diffferent hatte immer betont, unabhängig zu bleiben, um neutrale Beratung zu ermöglichen. Nun landen Sie im Schoß einer WPP-Agentur. Was hat Ihre Meinung geändert?

Alexander Kiock: Naja, wir lassen uns ja nicht mit WPP, sondern der börsennotierten Syzygy-Gruppe ein. Das fühlt sich komplett anders an, als nur ein kleiner Ableger im riesigen Sorrell-Reich zu sein. Das Syzygy-Verständnis von Serviceleistungen rund um das große Oberthema Digitale Transformation entspricht unserer Philosophie: Wir lehnen Schablonendenken ab, wir wollen unseren Kunden individuelle Lösungen anbieten. Das schließt ein, dass wir keine weltweit übertragbaren Standards vermitteln wollen, sondern ganz konkrete Beratung für lokale Märkte offerieren. Syzygys Kernmarkt ist Deutschland, unserer auch.

Diffferent mag klein, aber fein sein; der deutsche Markt der gemeinsame Kernmarkt. Aber Internet-Business ist doch per se global angelegt. Ist die Philosophie "Germany First" für Unternehmen nicht ein Rückschritt?

Kiock: Ganz im Gegenteil. Die international ausgerollten Standardweisheiten zur Digitalisierung funktionieren nur in seltenen Fällen richtig gut. Und insbesondere in deutschen Unternehmen klappt das nicht, weil diese eine ganz andere Mentalität leben als die Vorbilder aus den USA.

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