OMG warnt

E-Privacy-Verordnung würde Online-Werbemarkt um 30 Prozent einbrechen lassen

OMG-Chef Klaus-Peter Schulz warnt vor den Folgen der E-Privacy-Verordnung
Olaf Ballnus
OMG-Chef Klaus-Peter Schulz warnt vor den Folgen der E-Privacy-Verordnung
Nach etlichen anderen Verbänden hat nun auch die Organisation der Mediaagenturen OMG vor den Folgen der E-Privacy-Verordnung gewarnt und fordert Änderungen an der Richtlinie. Der Verband rechnet für den Online-Werbemarkt ansonsten mit Umsatzeinbußen in Höhe von durchschnittlich 30 Prozent.
Dies hätten Berechnungen der OMG auf Grundlage realer Mediapläne ergeben. Je nach Branche fallen die Budgetverschiebungen unterschiedlich aus. Am stärksten betroffen wären demnach die Bereiche Finanzen und Fashion mit einem Minus von jeweils 43 Prozent, im Automobilsektor würde das Minus bei 38 Prozent liegen und im Bereich E-Commerce bei 22 Prozent. Dabei wären nach Meinung der OMG fast ausschließlich lokale Anbieter von den Budgetverschiebungen betroffen, während globale Plattformen profitieren würden. 

Die Richtlinie sieht vor, das Browser und Betriebssysteme künftig automatisch die datenschutzfreundlichste Voreinstellung erhalten. Webseitenbetreiber sollen laut der geplanten Verordnung nur noch Cookies einsetzen können, wenn es der User ihnen explizit erlaubt. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass nur rund 10 Prozent der Nutzer künftig einer Cookienutzung zustimmen werden, da nur die wenigsten Verbraucher die Konsequenzen der gewählten Voreinstellung verstehen werden. 

Ohne Cookies sei aber weder zielgerichtete Werbung noch die Erhebung der Reichweiten auf den Websites möglich. "Damit reduzieren sich die Möglichkeiten, dem Verbraucher relevante Botschaften auszuspielen und ihn nicht mit Werbung nach dem Gießkannenprinzip zu nerven", mahnt OMG-Geschäftsführer Klaus-Peter Schulz. "Werbungtreibende Unternehmen werden den Anbietern regelrecht in die Arme getrieben, die über geschlossene Log-In-Systeme diese Relevanz auch künftig anbieten können: Facebook, Google oder etwa Amazon." Die OMG sieht daher die Werbefinanzierung vieler Anbieter gefährdet und warnt vor weniger Vielfalt im Netz.

Der Verband fordert daher, dass die in der Datenschutzgrundverordnung vorgesehene Möglichkeit der impliziten Zustimmung durch den Nutzer auch in der EU-Richtlinie übernommen wird. Verbraucher müssten die Möglichkeit haben, für einzelne Webseiten flexibel und mit einem Click entscheiden zu können, ob und welche Cookies er akzeptieren will oder nicht. 

Die E-Privacy-Verordnung würde ansonsten praktisch zu einem Tracking-Verbot führen. "Die Folgen wären verheerend", warnt OMG-Chef Schulz. "Die Nutzer werden wieder von einer Flut unrelevanter Werbebotschaften genervt, die Anbieter werden vor großen Refinanzierungsproblemen stehen und das Internet droht seine wichtigsten Errungenschaften zu verlieren: den freien Zugang zu Information und die Vielfalt der Inhalte."  Zuvor hatten bereits zahlreiche andere Verbände wie der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BVDZ) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sowie die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) mit teilweise drastischen Worten vor den Folgen der E-Privacy-Verordnung gewarnt. dh

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