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Ford lässt um Kreativetat pitchen

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Ford krempelt sein Marketing um
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Ford krempelt sein Marketing um
Knapp zehn Tage nach dem Bekanntwerden von Martin Sorrells Rückzug kommt die nächste harte Prüfung auf WPP zu: Wie US-Branchenmedien übereinstimmend berichten, überprüft Ford seinen weltweiten Kreativetat. Bislang kümmert sich die agenturübergreifende Unit Global Team Blue um die Werbung des Autobauers, der zu WPPs treuesten und größten Kunden gehört.
Gegenüber Adweek lässt Ford ausrichten, dass man die kreativen Frauen und Männer bei WPP sehr schätze und diese verlässliche Partner für die Marke seien. Gleichzeitig habe man die weltgrößte Werbeholding über die Veränderungen im Marketing informiert. Zu dem geplanten Pitch sei WPP selbstverständlich eingeladen. Wer noch die Ausschreibungsunterlagen erhält, ist unbekannt.


Hintergrund: Ford stand zuletzt wirtschaftlich stark unter Druck. Zwar legte der Konzernumsatz im Geschäftsfjahr 2017 um drei Prozent auf 156,8 Milliarden Dollar zu. Das Ergebnis vor Steuern fiel jedoch um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Jim Hackett, seit vergangenem März CEO des Unternehmens, hat Ford deswegen einen harten Sparkurs im Marketing und bei den Produktionskosten verordnet. Allein bei den Werbespendings soll der Autobauer laut Wall Street Journal 200 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Adage zufolge betrugen die weltweiten Werbeausgaben des Dearborner Unternehmens im Jahr 2016 4,3 Milliarden Dollar.

Streng genommen reicht die Beziehung von WPP zu Ford ins Jahr 1943 zurück, als der Autobauer die heutige WPP-Agentur J. Walter Thompson verpflichtete. Inzwischen ist das agenturübergreifende Global Team Blue für den Kunden verantwortlich. Die Unit ging 2016 aus dem Rebranding der Ford-Agenturen Team Detroit, Blue Hive und Retail First hervor. Weltweit arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter in 49 Büros für GTB, das damit die größte agenturübergreifende WPP-Unit ist.GTB-CEO Satish Korde hat sich in einem internen Schreiben an seine Mitarbeiter gewandt. Darin zeigt er sich optimistisch: "Wir werden in den kommenden Tagen mit Enthusiasmus auf die Überprüfung von Ford reagieren und haben volles Vertrauen, dass wir einen wesentlichen Teil, wenn nicht alles, des zu überprüfenden Geschäfts behalten werden", zitiert Adage aus dem Memo.


Trotz des Enthusiasmus: Die Nachricht kommt für WPP zur Unzeit. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass CEO Martin Sorrell mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktritt. Seitdem steht die Frage im Raum, wie es bei der weltgrößten Werbeholding weitergeht. Auch der Verkauf von Teilen des Unternehmens, zu dem Agenturnetzwerke wie Ogilvy, Y&R und Group M gehören, ist angeblich denkbar. ire
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