Women's Day

Warum am 8. März eigentlich der "Welt der unsichtbaren Frauen in Führungsrollen-Tag" gefeiert wird

Freitag, 08. März 2019
Zum Weltfrauentag passiert in diesem Jahr mal wieder viel Vorhersehbares. Für Marken ist der Women´s Day ein willkommener Anlass, um zu zeigen, wie sehr sie sich doch für Frauen einsetzen. Konterkariert wird dies von zahlreichen Studien und Analysen, die belegen, dass es noch nicht sonderlich weit her ist mit der Gleichberechtigung von Frauen, etwa beim Gehalt. Dabei gibt es sie schon, die Frauen in Führungspositionen. Eine davon ist Nadine Schlichte. Die Geschäftsführerin Kreation Digital bei der Düsseldorfer Agentur Butter hat sich Gedanken gemacht, warum weibliche Top-Managerinnen weniger im Rampenlicht stehen als ihre männlichen Kollegen - und kommt in ihrem Gastbeitrag für HORIZONT Online zu interessanten Ergebnissen.
Heute ist der 8. März 2019. Wieder ist ein Jahr vergangen und wieder fragen sich alle, wo die Frauen in den Führungsetagen Deutschlands sind. Vergangene Woche sprach ich mit dem Dekan einer Düsseldorfer Hochschule über den Frauenanteil des Studiengangs Kommunikationsdesign. Aktuell sei es sehr schwierig, Männer für dieses Studium zu gewinnen, sagte er und der Frauenanteil an seiner Hochschule läge bei etwa 90 Prozent. Schaut man jedoch in die obersten Chefetagen der großen Agenturen und Unternehmen, verkehrt sich diese Quote ins Gegenteil. Zwar hat sich der Frauenanteil in der zweiten oder dritten Führungsebene in den letzten Jahren sichtlich vergrößert, aber an der Spitze sind Männer nach wie vor sehr präsent.


Gleichzeitig wurden vor ein paar Tagen die User auf Instagram aufgefordert, aus 12 Portraits weltweiter Entrepreneurs den Menschen zu wählen, der sie am meisten beeinflusst hat. Auf allen 12 Bildern waren Männer zu sehen. Der darauffolgende Protest führte dazu, dass ein weiterer Post veröffentlicht wurde – diesmal mit 12 Frauen. Obwohl die Frauen ähnlich einflussreiche Posten bekleiden wie die Männer, benötigte man bei vielen von Ihnen zusätzlich zum Foto ihre Namen, um sie zuzuordnen. Ganz einfach deshalb, weil ihre Gesichter in den Medien deutlich seltener auftauchen.

„Viele Frauen, denen ich begegnet bin oder mit denen ich gearbeitet habe, fokussieren sich stärker auf ihre Arbeit und das Ergebnis, als darauf, sich selbst zu präsentieren. “
Nadine Schlichte
Frauen denken anders als Männer und sie verhalten sich anders als Männer. Frauen definieren Führungsrollen anders als Männer. Viele Frauen, denen ich begegnet bin oder mit denen ich gearbeitet habe, fokussieren sich stärker auf ihre Arbeit und das Ergebnis, als darauf, sich selbst zu präsentieren. Eine Eigenschaft, die ich toll finde, die aber leider auch dazu führt, dass wir in den Medien weniger häufig von ihnen hören. Oder ihr Gesicht sehen.


Es gibt sie nämlich, die Frauen in Spitzenpositionen – wenngleich bei weitem noch nicht so viele, wie es Männer gibt. Doch selbst unter den erfolgreichsten von ihnen suchen wenige regelmäßig die große Bühne oder lieben die große Geste. Das macht sie leider unsichtbar. Da wundert es nicht, dass es noch immer so wenige Frauen gibt, die den Schritt an die Spitze wagen. Es fehlt schlicht an sichtbaren Vorbildern.

Fehlende weibliche Vorbilder in Zeiten, in denen keiner mehr liest. In Zeiten von medialem Dauerfeuer, der Nachrichtenflut, des Kanal-Overkills. 2 Sekunden auf Instagram, nur die Headline eines Artikels lesen, ein Bild beim Swipen abspeichern. Mehr geht nicht mehr – da bleibt keine Zeit für Inhalt.

Und das ist schade. Denn Frauen geben eine ganz andere Identifikationsfigur ab als Männer, und genau das ist spannend. Es ist nicht nur spannend für all die anderen Frauen da draußen, die sich mehr weibliche Vorbilder wünschen. Sondern auch für Männer. Es bereichert die Gesellschaft und das Bild, das wir von modernen Führungskräften haben können. Wenn wir genauer hinschauen.
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