Peter Figge und der Partnerkreis bei Jung von Matt

Gemeinsam bin ich stark

Donnerstag, 26. Juli 2018
Falls es jemand bei der Bekanntgabe des neuen Führungsmodells im Frühjahr noch nicht mitbekommen hat: Der (nicht mehr neue) starke Mann bei Jung von Matt heißt Peter Figge – trotz Einführung eines Partnerkreises, der seit Anfang Juli offiziell die Geschicke der Agentur leitet. An Figge, der als Alleinvorstand und mächtiger Anteilseigner alle Fäden in der Hand hält, führt in der neuen Struktur kein Weg vorbei.
Daran ändert auch nichts, dass die Agentur versichert, künftig alle Entscheidungen partnerschaftlich zu treffen. Gegen den Willen von Figge kann kaum ein wirklich wichtiges Thema verabschiedet werden. ‎Dass die Partner das von ihm geplante Ressortmodell gleich in der ersten Sitzung gekippt haben, ist zwar nicht gerade ein Erfolg für den 52-Jährigen, schwächt seine Position aber nicht nachhaltig.


Wer die Hosen an hat, wird auch durch ein Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich. Und zwar nicht dadurch, was der "Sprecher des Partnerkreises" dort sagt – im Gegenteil: mehrfach ist von "wir" und "gemeinschaftlich" die Rede –, sondern durch den Auftritt als solches und den Zeitpunkt. Kurz nachdem das Partnermodell wirksam wird, allein vors Mikrofon zu treten und über Partnerschaft zu reden, ist ja irgendwie auch ein Statement.

Dennoch macht man es sich zu einfach, wenn man das Bekenntnis zu mehr Gemeinsamkeit als Worthülse abtut. Figge will starke und intelligente Partner, die sich einbringen. Anders als manch anderer Manager hört er sich den Input seiner Kollegen genau an. Bei wichtigen Themen entscheidet am Ende aber er. Das muss ein guter Chef auch tun. Und es passt zur Kultur von Jung von Matt: Die Agentur war immer dann am stärksten, wenn es klare Zuordnungen und Ansagen gab – und internen Wettbewerb um die besten Ergebnisse und eigenen Aufstiegschancen. Das gehört zur DNA dieser Firma. Allerdings klingt das unmoderner als "Partnerkreis" und "Beteiligung" und wirkt heute nicht mehr sonderlich anziehend auf gute Leute.


Die dominante Position von Figge wird auch daran deutlich, dass er mit den beiden Agenturgründern Holger Jung und Jean-Remy von Matt zu den größten Anteilseignern zählt. Gemeinsam kontrollieren sie die Hauptversammlung, die zum Beispiel den Aufsichtsrat wählt. Mit Jochen Gutbrod hat gerade ein enger Vertrauter von Figge die Führung dieses Gremiums übernommen, in dem neben Jung seit dem 1. Juli auch Co-Gründer von Matt sitzt.

Wie gut das neue Führungsmodell funktioniert und welchen Handlungsspielraum die 15 Partner in der Gruppe tatsächlich haben, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Hinter den Kulissen ist bislang jedenfalls nicht überall nur Begeisterung zu hören. Fakt ist aber: Aktuell steht die Firma gut da. Bei Awards räumt Jung von Matt in diesem Jahr ab wie keine deutsche Agentur je zuvor. Auch wirtschaftlich läuft es wieder rund. 2017 konnte der Umsatz um fast 9 Prozent gesteigert werden, für 2018 stehen die Zeichen ebenfalls auf Wachstum. Zudem trägt der digitale Umbau Früchte. Viele Wettbewerber würden sich wünschen, sie wären in der gleichen Lage.

Der Erfolg gibt dem starken Mann an der Spitze also Recht. Und wenn etwas bei Jung von Matt zählt, dann Erfolg. Allerdings: Der aktuelle Erfolg basiert auf der bisherigen Struktur - mit den bisherigen Protagonisten. Wie es in dem neuen Modell, das seit 1. Juli greift, weitergeht, muss man abwarten. mam
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