Liebe Agenturen ...

Warum seid ihr so unkreativ, wenn es um Mobilität geht?

Sonntag, 06. Oktober 2019
So kreativ die Werbe- und Agenturbranche auch ist, so einfallslos ist sie, wenn es um moderne Mobilität geht. Dieser Meinung ist Michael Holdkamp, Geschäftsführer beim Geschäftsreise-Spezialisten Baldaja, der Unternehmen in Mobilitätsfragen berät. In seinem Gastbeitrag bei HORIZONT Online erklärt er, warum ein ÖPNV-Ticket oder das Agentur-Fahrrad für Mitarbeiter nicht die Lösungen sind.
"Wir fahren nur noch mit der Bahn." Diesen Satz hört man in letzter Zeit häufiger, wenn man mit Unternehmen und Agenturen spricht. Immer mehr – wie die PR-Agentur Richel, Stauss – verzichten auf innerdeutsche Flüge. Panos Meyer bietet seinen Cellular-Mitarbeitern ein Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Gut, immerhin ein Anfang. Die meisten sind jedoch eher klassisch unterwegs. Dann gibt es für die "niederen" Mitarbeiter (einen Zuschuss zu) ÖPNV-Tickets, wobei meist nicht einmal gefragt wird, ob der neue Kollege/die neue Kollegin überhaupt mit Bus und Bahn zur Arbeit kommt. Schließlich dürften gerade in Agenturhauptstädten wie Hamburg und Berlin eher Fahrräder an der Tagesordnung sein. Für die Führungskräfte gibt es den Firmenwagen. Und der auch noch meistens als Benziner oder Diesel. "Unser Anbieter hat keine E-Autos", heißt es dann meist. Die Freude über das neue Statussymbol verfliegt jedoch schnell. Wer nicht gerade über den Luxus eines eigenen Stellplatzes verfügt, überlegt sich zweimal, ob er abends nach einem Parkplatz sucht. Und so bleiben zahlreiche Firmenwagen die Woche über vor der Haustür stehen.

So viel Auswahl, so wenig genutzt

Warum ist eine Branche, die sonst so kreativ ist, bei der Mobilität ihrer Mitarbeiter so einfallslos? Dabei muss doch jeder, der für den Fuhrpark im Unternehmen zuständig ist, nur mal auf sein eigenes Handy schauen. Gibt es dort eine App, die "Firmenwagen" heißt? Stattdessen konkurrieren Car2go, Drivenow, Freenow, Uber, Clever Shuttle, Stadtrad, ÖPNV, Tier, Circ uvam. um eure Gunst. Warum sollten eure Mitarbeiter nicht das nutzen, was sie kennen und täglich nutzen? Häufig hören wir, dass die Abrechnung zu kompliziert sein soll: "Eine Rechnung hier, eine Rechnung dort, kein Konto bei dem Anbieter..." Gebt euren Mitarbeitern doch einfach ein Monatsbudget, über das sie frei verfügen können. In Stellenanzeigen wird immer groß von "Eigenverantwortung” gesprochen. Dann sollte das in der Mobilität auch kein Problem sein. Und dann entsteht auch nur eine Monatsabrechnung, die eure Dienstleister für euch zusammenstellen können. Steuerlich sind übrigens meist beide Parteien - Arbeitgeber wie Arbeitnehmer - besser gestellt als beim altgedienten Dienstwagen.
„Kreativbranche, denkt neu! Es gibt so viele "Kanäle" dort draußen. Da muss es nicht immer TV oder Radio, das Auto oder die Bahn sein.“
Michael Holdkamp

Fazit

Es profitieren also alle: Das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Umwelt. Es entstehen erhebliche Kosteneinsparungen im Fuhrpark, Ressourcen werden effizienter genutzt, Verkehrsaufkommen und Emissionen reduziert. Unternehmen, die sich modern aufstellen und ihren Mitarbeitern flexible Mobilität verschaffen, sparen nicht nur Kosten, sondern präsentieren sich als innovativer Arbeitgeber, der auf dem Markt der Talente heraussticht.
Der Autor
Nach einer Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann startete Michael Holdkamp seine Karriere bei der Expert Travel GmbH. Seit bereits mehr als 16 Jahren leitet er die Expert Travel Gruppe, die seit 2016 unter der Marke Baldaja Businesstravel auftritt. Mit seiner langjährigen Erfahrung ist Holdkamp Experte im Geschäftsreise-Segment und verfolgt aktuelle Trends und Entwicklungen. Michael Holdkamp ist Mitglied im Travel Industry Club.
Kreativbranche, denkt neu! Es gibt so viele "Kanäle" dort draußen. Da muss es nicht immer TV oder  Radio … das Auto oder die Bahn sein. A propos Bahn: Auch das muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Viele wählen zum Arbeiten bewusst den Flixbus, weil sich das WLAN dort als besonders stabil herausgestellt hat. Kreativ muss man halt sein ...


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