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Gegen Plastikmüll wird bei den Cannes Lions vor allem in der Werbung gekämpft, nicht bei der Gala (Foto: HORIZONT)
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Cannes Lions

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Gegen Plastikmüll wird bei den Cannes Lions vor allem in der Werbung gekämpft, nicht bei der Gala (Foto: HORIZONT)
Auch die Cannes Lions 2018 standen wieder ganz im Zeichen von Arbeiten für eine bessere Welt. Kampagnen, die sich für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Entwicklung, Inklusion und natürlich Gleichstellung einsetzen, kamen bei allen Jurys sehr gut an - wie schon in den vergangenen Jahren. Doch es gibt einen faden Beigeschmack.
von Mehrdad Amirkhizi Sonntag, 24. Juni 2018
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Erwähnt seien an dieser Stelle die Grand Prixs für "Palau Pledge" und die ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Arbeit "Trash Isles". Wer dann noch den Ausführungen der Jurychefs bei den Pressebriefings folgte, ko‎nnte den Eindruck gewinnen, bei einem Wohltätigkeitstreffen gelandet zu sein - und nicht beim weltweit größten Werbefestival, das von einem börsennotierten Veranstalter ausgerichtet wird.
Hier und da schien es fast so, als würden sich die Aushängeschilder der internationalen Werbung dafür schämen, was sie im Alltag tun: nämlich in den meisten Fällen nicht die Welt retten‎, sondern den Absatz von Produkten ankurbeln. Nicht näher soll an dieser Stelle erörtert werden, dass viele der "Higher purpose"-Arbeiten ohnehin nur entstehen, um damit einen Kreativpreis zu gewinnen. ‎Eine erholsame und angenehme Abwechselung unter den Preisträgern ist der Grand Prix in der Kategorie Film für Tide - ein schnödes Waschmittel!


Gegen Plastikmüll wird bei den Cannes Lions vor allem in der Werbung gekämpft, nicht bei der Gala (Foto: HORIZONT)
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Gegen Plastikmüll wird bei den Cannes Lions vor allem in der Werbung gekämpft, nicht bei der Gala (Foto: HORIZONT)
Dass eine Branche gerne i‎n den Vordergrund stellt, was sie Gutes tut, ist nicht per se schlecht und lässt sich auch anderswo beobachten. Wichtig ist aber, dass man einigermaßen glaubwürdig bleibt. Über die Veranstalter der Cannes Lions lässt sich das nur bedingt sagen. Während die Repräsentanten des Festivals keine Gelegenheit auslassen, das Engagement für eine bessere Welt zu betonen, handeln sie in der Praxis nicht danach.
Ein kleines, aber bezeichnendes Beispiel: Bei der Abschlussgala waren Berge von Plastikgeschirr im Einsatz - bei einem Wettbewerb, der eine Kampagne gegen die Plastik-Vermüllung der Weltmeere mit einem Grand Prix auszeichnet. Nun soll man ja bekanntlich nicht alles auf die Goldwaage legen, und der erhobene Zeigefinger von Journalisten kann schnell lächerlich wirken. Trotzdem: Ein bisschen mehr Glaubwürdigkeit würde den Cannes Lions - und der gesamten Werbeindustrie - gut zu Gesicht stehen. mam
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