Werbeversprechen

Champagner für alle und Design ebenfalls!

Mittwoch, 29. Oktober 2014
"Religion ist Opium für das Volk", hat Karl Marx behauptet. Und Werbung ist Champagner für Kunden, zeigt die Air France an! Es ist schon eine kleine Sensation! Denn solange der Spießer die Werbeszene beobachtet, solange hat er noch nie eine Werbung gesehen, die ihn so umhaut wie die Anzeige von Air France: "Champagner für alle!" - siehe die Abbildung!

Das ist endlich mal ein Werbeversprechen, zu dem kein Fluggast nein sagen kann! Werben andere Airlines mit der Sicherheit ihrer Flugzeuge, den guten Verbindungen, den breiten Sitzen und den hübschen Stewardessen, die erlesene Speisen an Bord servieren, so ist das alles zusammen gar nichts gegen das eine, nämlich: "Champagner für alle!"

Champagner für alle und Kaviar für jeden, damit die Kluft zwischen Arm und Reich verschwindet!
© Foto: Unternehmen
Champagner für alle und Kaviar für jeden, damit die Kluft zwischen Arm und Reich verschwindet!
Schöner noch: Dieses Werbeversprechen ist beispielgebend für alle Werbungtreibenden! Ob ein Baumarkt oder ein Elektronik-Fachmarkt, ob ein Möbelgeschäft oder ein Drogeriemarkt: Welcher Kunde würde nicht durch die Ladentür eilen, wenn er zuvor eine Anzeige gelesen hat mit der Headline: "Champagner für alle!" Dieses Werbeversprechen würde Supermärkte genauso füllen wie Kirchen, Kaufhäuser und öffentliche Verkehrsmittel, wenn hier wie dort Champagner für alle fließen würde. Und Firmen, die sich schwertun, qualifiziertes Personal zu finden, die müssen einfach in ihre Stellenanzeigen schreiben: "Champagner für alle!" Und wenn dann auch noch analog zu Air France eine hübsche Animierdame abgebildet ist, dann werden männliche Bewerber in prickelnde Stimmung geraten.


Last but not least: Würden politische Parteien - zum Beispiel die FDP - dem Volke "Champagner für alle!" versprechen, dann würden nicht nur neue Mitglieder kommen, sondern auch alte Wähler zurück. Nur ein kleiner Passus im Kleingedruckten in der Anzeige von Air France macht den Spießer nachdenklich: Es gibt gar keinen Champagner für alle. Sondern nur "auf einer Vielzahl von Langstrecken", so schränkt die Airline ein, "begrüßen wir Sie mit einem Glas Champagner." Und "eine Vielzahl von Langstrecken" bedeutet leider nicht: "Champagner für alle!"

Immer, wenn Spießer Alfons das Wort "Designermöbel" liest, dann denkt er an Premiumverarsche. So wie bei Sofa und Tisch dort in der Anzeige von Fashion for Home - siehe die Abbildung!
Sofa und Tisch sind "Designermöbel". Aber welche Möbel sind das nicht ...?
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Sofa und Tisch sind "Designermöbel". Aber welche Möbel sind das nicht ...?
Das sind "Designermöbel". Warum? Vermutlich, weil ein Designer sie entworfen hat. Und die dargebotenen Möbelstücke sind darüber hinaus "Designermöbel, die ich mir leisten kann." Wer diese Aussage getan hat, wird nicht verraten. Spießer Alfons tippt auf den Werbetexter. Wahrheit ist: Jedes Möbelstück hat ein Design, sprich eine Formgebung. Und die stammt von einem Designer, sprich Gestalter. So finden wir Designermöbel nicht nur im Luxusmarkenangebot, sondern sie stehen auch bei Ikea. Das gilt ebenfalls für Designermode, Designerlampen und Designerladenhüter. Einzige Ausnahme: Designerdrogen. Aber damit wird ja zum Glück keine Publikumswerbung getrieben.
Das dezente Doppelbett fürs grüne Heim!
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Das dezente Doppelbett fürs grüne Heim!
Und dann gibt es Sofas, die ein Design haben, von dem Familie Normalverbraucher nicht so recht weiß, wie sie dieses Möbelstück in ihr Leben platzieren kann. Zum Beispiel ein Bett von Bretz, das designed wurde von Martina Münch / Bretz Brothers. Das weiß der Spießer aus dem Internet, wo die Schlafstatt beschrieben wird als "Raumschiffartiges Schloss auf Wolke 7". Und in der Anzeige wird demonstriert, wie und wo man dieses Schloss aufbauen soll - siehe die Abbildung! Und darum schläft man darin gesund bei frischer Luft im Grünen. Oder mit anderen Worten: Für Etagenheimbewohner ist dieses raumschiffartige Schloss weniger passend.


Und noch ein paar Worte zum Thema Modedesign. Hierzu ein Inserat von Boglioli aus Mailand. Der Herr im Bilde trägt eine Designerdecke im Poncho-Stil, wie wir sie kennen von den peruanischen Musikanten in der Fußgängerzone, die uns mit ihrem Panflötenspiel erfreuen. Doch der Mann im Bilde lässt den Spießer eher an einen gestylten Obdachlosen denken, der seine Schlafdecke über den Schultern trägt. Und so sollen wir Männer denn, wenn wir die Annonce in einem deutschen Edelmagazin gesichtet haben, nach Milano in die Via San Pietro all’Orto 15 reisen, und uns dort eine solche Decke holen.
Künstler-Garderobe für Panflöten-Spieler!
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Künstler-Garderobe für Panflöten-Spieler!
Vielleicht eine willkommene Anregung für die kreativen Jünger vom ADC, um outfitmäßig mal wieder ein wenig aus der Reihe zu tanzen?

Für die Damen dagegen gibt’s was von Buffalo. Schaut Euch bitte die junge Dame dort im Bilde der Reklame an! Da taucht die Frage auf: Für was wird in dieser Anzeige geworben? Kurz gesagt: Über Geschmack kann man nicht streiten - oder endlos. Aber diese Klamotten zu den High Heels auf dem Dach des Hauses muten an, als hätte man der Schlumpfine dort etwas Kerosin in ihren Red Bull gegossen, um ihr Flügel zu verleihen.
Red Buffalo Bill verleiht Flügel!
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Red Buffalo Bill verleiht Flügel!
Oder im Klartext gesagt: Wenn die Protagonistin als Vertreterin der Zielgruppe von Buffalo steht, dann sollte die Agentur besser noch mal den Mediaplan des Kunden überdenken!

Um einen Big Player im Werbegewerbe ist es schon seit längerer Zeit etwas stiller geworden, nämlich um Reiner Zufall, den bekannten PlagiArtdirektor aus Nassau. Konnte Spießer Alfons Euch in der Vergangenheit in unschöner Regelmäßigkeit von neuen Werken des alten Kupferstechers berichten, so setzt sich der PlagiArtdirektor heute nur noch selten in Szene. Nicht zuletzt, weil Reiner Zufall über viele Jahre einen Gegenspieler gefunden hat, den er so fürchtet wie ein Vampir den Knoblauch, nämlich Alfons den Spießer. Wenn Alfons in dieser Woche wieder mal ein Plagiat aufspießt, dann ist Reiner Zufall daran nicht beteiligt. Denn es kann kein Zufall sein, wenn das Grüne Blatt aus München seine Mediadaten plötzlich analog zu HORIZONT gestaltet, sowohl im Konzept als auch in der Optik.
Klau, schau, wem: Kupfer in grün!
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Klau, schau, wem: Kupfer in grün!
"Klau, schau, wem!", lautet ein Leitspruch des PlagiArtdirektors. Damit will der Me-too-Gestalter sagen: Wenn Du schon klauen willst, dann nicht beim direkten Wettbewerber, denn das wird nicht unbemerkt bleiben! Bei HORIZONT indes sieht man das Plagiat aus dem Bayernland ziemlich locker und im Sinne von Oscar Wilde, der dazu gesagt hat: "Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung."

Leser Dr. Jürgen Althans hat dem Spießer eine Handvoll Werbedrucksachen geschickt und dazu geschrieben: "Sehr geehrter Spießer Alfons, nicht immer, aber oft lese ich gern Ihre Seite in HORIZONT. Heute wollte ich Ihnen ein Thema übermitteln: Mich nervt, dass in der Werbung ausschließlich (das ist jetzt polemisch und unzulässig pauschalierend) - wenn es um Männer geht - Leute mit sog. 3-Tage-Bart dargestellt werden. Gibt’s nix anderes mehr?"

Spießer Alfons antwortet: Lieber Jürgen, Sie scheinen schon seit längerer Zeit nicht mehr aus dem Hause gegangen zu sein. Sonst würden Sie erkannt haben: Überall im Straßenbild laufen Männer mit 3-Tage-Bart durch die Gegend. Und diese haarigen Typen sehen Sie auch in Film, Firmen und Fernsehen. (Und in den Bildern der Bibel sind die Bärte der Protagonisten sogar noch ein paar Tage länger.)

Womit erkennbar ist, dass die Werbegestalter lediglich dem Trend der Straße folgen. Aber Ihnen zum Trost: Obwohl auch Spießer Alfons einen 3-Tage-Bart hat, zeigt er in HORIZONT sein glatt rasiertes Kinn - siehe Foto oben!

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