Spießer Alfons
Werbers Geheimrezept

Gras, das echt grün ist!

Der Unterschied zwischen Mensch und Kuh? Der Mensch beißt nur einmal ins Gras. Doch in der Werbung gibt es genauso Wiederkäuer wie auf der Weide!
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Wir kennen verschiedene Arten von Milch, und zwar von A wie Alpenmilch bis Z wie Ziegenmilch. Betrachten wir speziell die Milch, die von Kühen stammt, so unterscheiden wir hier die Vollmilch von der Buttermilch. Und es gibt Vorzugsmilch und Magermilch und Frischmilch und H-Milch. Außerdem haben wir noch Biomilch, Kondensmilch und Milchpulver.

Der Werbung hat Spießer Alfons entnommen, dass es darüber hinaus noch eine bislang kaum bekannte Milch gibt, nämlich: Weidemilch. Die stammt, wie der Name schon verrät, von der Weide. Und abgefüllt und in den Handel gebracht wird die Weidemilch von Hansano aus der Arla Hanse Milch eG in Mecklenburg-Vorpommern.

Milch, die nach einem Geheimrezept hergestellt wird: Die Kühe stehen auf einer Weide und fressen dort grünes Gras! Dieser USP ist nahezu unglaublich, oder hat schon mal jemand von Euch gehört, dass Kühe anderswo auch grünes Gras auf einer Weide fressen?
Foto: Hansano
Milch, die nach einem Geheimrezept hergestellt wird: Die Kühe stehen auf einer Weide und fressen dort grünes Gras! Dieser USP ist nahezu unglaublich, oder hat schon mal jemand von Euch gehört, dass Kühe anderswo auch grünes Gras auf einer Weide fressen?
Was ist das Besondere an Weidemilch? Der Hersteller verrät sein „Geheimrezept“, welches lautet: „Gras geben“. Dazu die nähere Erläuterung des Textdichters: „Für unsere frische Hansano Weidemilch stehen unsere Kühe noch auf saftigen grünen Weiden in Norddeutschland. Und das schmeckt man.“

Dieses gelüftete „Geheimrezept“ ist in der Tat unglaublich geheim: Das Gras ist nicht nur saftig, sondern auch noch grün! Darauf wäre der Spießer nie im Leben gekommen. Und so einen tollen USP für Kuhmilch hat Alfons nie zuvor entdeckt! Klar, anderswo stehen die Kühe nicht auf der Weide und fressen auch kein saftiges grünes Gras. Sondern sie stehen am Rande von Autobahnen und fressen dort bloß Unkraut. Weshalb diese Milch nicht so einzigartig schmeckt wie die Weidemilch von Hansano aus Mecklenburg-Vorpommern.

In der Werbung gibt es genauso Wiederkäuer wie auf der Weide!
Spießer Alfons
Bemerkenswert ist auch, dass die Kühe nur für „frische“ Weidemilch auf saftigen grünen Weiden stehen, also nicht etwa für die H-Weidemilch von Hansano, wo die Kühe vermutlich im Stall stehen und mit Trockenfutter vorliebnehmen müssen.

Wer den Hansano-Text aufmerksam liest und analysiert, dem fällt das Wörtchen „noch“ auf. Und das lässt sich wie folgt erklären: Die Kühe stehen jetzt noch auf saftigen grünen Weiden. Was bald aber nicht mehr so ohne Weiteres möglich ist. Denn wenn der Winter kommt, dann werden die saftigen grünen Weiden möglicherweise von Eis und Schnee bedeckt sein. Und dann erkälten die Kühe sich das Euter, wenn sie auf der weißen Weide zu grasen versuchen. Weshalb es dann keine Weidemilch mehr gibt – oder etwa doch?

Und siehe dort: Am Rande der Anzeige steht quergedruckt: „Von Mai bis Oktober grasen Hansanso Weidemilch-Kühe wenigstens 6 Stunden täglich mindestens 120 Tage im Jahr auf saftigen grünen Weiden.“ Das führt zur Frage: Was ist von November bis April? Wird das Weidegras im Herbst gemäht und im Kühlhaus saftig und grün für die Winterszeit gelagert, um damit die Kühe im Stall über die Winterszeit zu füttern?

Oder aber – der Spießer mag es sich gar nicht vorstellen: Bekommen die Kühe von Hansano im Winter womöglich gar kein saftiges grünes Gras, sondern trockenes graues Heu und geben trotzdem Weidemilch ...?

Natürlich kann Hansano die eisige Jahreszeit auch überbrücken, indem es im Winter keine Weidemilch gibt. So wie es im Sommer ja auch keine Mon Chéri gibt.

Spießiger Werbetipp für Hansano: Füttert Eure Kühe im Winter doch mit vierblättrigem Klee aus dem Gewächshaus und bringt die Milch dann als „Glücksmilch“ in die Regale der Supermärkte!

By the way: Was den Spießer schon immer interessiert hat: Warum können Kühe auf der Weide weiden, nicht aber auf der Wiese wiesen ...?

Briefmarken, so sagt der Volksmund, sind die „Aktien des kleinen Mannes“. Und während die Aktien des großen Mannes an den Börsen gehandelt werden, können Sammler ihre Briefmarken von Kuverts ablösen. Oder beim Briefmarkenhändler kaufen beziehungsweise auf Auktionen, nicht zuletzt bei Ebay.

Die Kurse für Briefmarken stehen im Michel. Das ist ein Katalog, wo alle Marken aufgeführt werden, postfrisch, gestempelt und mit Besonderheiten.

Womit der Spießer zur Werbung kommt: Ein großer Briefmarkenversender ist die Firma Goldhahn in Mühlheim. Die verschickt ihre Prospekte wie ein Supermarkt. Nahezu wöchentlich stecken die Mailings in den Briefkästen der Philatelisten. Und die ersten Angebote findet der Sammler schon auf dem Versandumschlag gedruckt. Meistens sind es Massenangebote.

Goldhahn: Reklame mit Mondpreisen!
Foto: Unternehmen
Goldhahn: Reklame mit Mondpreisen!
Ein Beispiel: Goldhahn bietet „30 Jahre Berlin-Philatelie“ an, das sind 667 ungestempelte Berlin-Marken, die laut Michel-Katalog „über 950,-“ Euro wert sind. Und die kosten „jetzt nur 69,-“ Euro – siehe die Abbildung!

Was erkennen wir daraus? Wir erkennen: Hier erfolgt eine Werbung mit Mondpreisen. Denn die Preise, die der Michel veröffentlicht, haben mit dem Marktpreis absolut nichts zu tun. In der Philatelie ist es genauso wie an der Aktienbörse: Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise. Und die Preise für Briefmarken in Massenauflagen sind gewaltig gefallen. Grund: Das Sammeln ist ein Relikt aus Großvaters Zeit; die Internet-Generation kennt gar keine Briefmarken, weil man diese für E-Mails nicht benötigt.

Wer nicht weiß, wer oder was Ligne Roset ist, und dann die Anzeige sieht mit der Frau auf dem Bett und der Überschrift: „Herbstwochen bei Ligne Roset mit besonderen Preisvorteilen“ ...

Was macht die Frau dort auf dem Bett?
Foto: Unternehmen
Was macht die Frau dort auf dem Bett?
... der könnte auf horizontale Gedanken kommen. Zum Beispiel, dass Ligne Roset ein Etablissement ist, wo einzelne Damen einladend auf einem Bett liegen und ihre Kunden mit besonderen Preisvorteilen bedienen möchten.

Allerdings: Dort liegt eine ausgedrückte Tube mit schwarzer Farbe auf dem Boden. Und die Dame auf dem Bett hat sich die Finger schwarz gemacht. Was ein todsicheres Zeichen dafür ist, dass die Frau auf dem Bett nicht auf Kunden wartet, sondern auf den Tatortreiniger. Oder was ...?



In einer Anzeige des Mineralölkonzerns Shell stehen zwei Kinder in Bademänteln auf einem erleuchteten Bootssteg. Die Headline lautet in versalen Lettern: „Weil wir heute Quellen für die Energie von morgen finden müssen.“

Werbung mit wachsendem Wohlstand!
Foto: Unternehmen
Werbung mit wachsendem Wohlstand!
Und nachdem der spießige Leser überlegt hat, ob die Lampen am Bootssteg möglicherweise solar betrieben werden können, las Alfons das Kleingedruckte, also lautend:

„Mit dem zu erwartenden Anstieg der Weltbevölkerung und des Wohlstands wird unsere Welt Mitte dieses Jahrhunderts die doppelte Menge an Energie benötigen.“

Weiter las der Spießer nicht. Stattdessen fragt er sich, wie mit dem Anstieg der Weltbevölkerung parallel auch der Wohlstand in unserer Welt steigen wird. Weiß vielleicht ein Mitglied aus der spießigen Lesergemeinde dazu Näheres ...?

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