Spießer Alfons

Wo Werber nichts versprechen dürfen

Donnerstag, 19. November 2015
Es gibt Produkte, die werden in der Werbung nur mit Namen genannt. Über ihren Sinn, Zweck oder Nutzen darf keine Silbe verlautbart werden!
Sollte mal jemand von Euch in eine Apotheke kommen, dann könnt Ihr dort fragen, und zwar "nach dem starken Duo: Arnica 1+1 DHU!". Das sind "10 g Streukügelchen zum Einnehmen" und "25 g Salbe zur Anwendung auf der Haut". So steht es gedruckt auf der Verpackung.

Und warum sollen wir die Kügelchen schlucken und die Salbe auf die Poren schmieren? Der Textdichter meint: "Erste Hilfe aus der Natur" – siehe die Abbildung der Anzeige!

Was bedeutet: "Erste Hilfe"? Unter Erster Hilfe versteht man eine  helfende Maßnahme, um menschliches Leben zu retten bei Unfall oder plötzlichen Störungen der Gesundheit. Erste Hilfe kann von jedermann geleistet werden, bis der Arzt eintrifft oder andere professionelle Helfer.

In der Werbung der DHU, Deutsche Homöopathie-Union, geht es aber nicht um menschliche Hilfe, sondern wie eingangs gesagt um "Erste Hilfe aus der Natur". Und das ist angeblich Arnica 1+1 DHU. Was den Anzeigenleser natürlich neugierig macht, denn er möchte schließlich wissen, für was das Produkt denn Erste Hilfe leistet. Und er liest: "Kommt es im Alltag mal anders als gedacht, ist Arnica 1+1 DHU schnell zur Stelle".
Erste Hilfe – aber gegen was...?
Erste Hilfe – aber gegen was...?
"Kommt es im Alltag mal anders als gedacht" – aha! Zum Beispiel bei akutem Durchfall: Kügelchen auf die Zunge und Salbe in den After! Oder bei Kopfweh, Zahnschmerzen, trockener Scheide oder quälenden Hämorrhoiden: Erste Hilfe leistet Arnica 1+1 DHU!

Scherz beiseite, denn am Fuße des Inserates steht im Kleingedruckten der Hinweis auf das "Anwendungsgebiet" (!), nämlich: "Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation." Und das ist drollig.

Warum es drollig ist? Weil jeder, der nicht weiß, was Arnica ist und wofür es gut sein soll, es auch nach dieser Werbung nicht weiß. Und deshalb soll er in der Apotheke danach fragen? Spießer Alfons hingegen fragt: Wäre es dem Hersteller verboten, in seiner Anzeige aus einem Lexikon zu zitieren? Zum Beispiel mit Quellenangabe aus dem Großen Brockhaus, wo angeführt wird, dass Arnica "zur Wundheilung und gegen Blutergüsse verwendet" wird...?

Dieselben Richtlinien für homöopathische Arzneimittel gelten auch für DHU Schüßler-Salze, über die der Spießer sich ja schon häufiger lustig gemacht hat. Und hier ist eine neue Anzeige erschienen, wo nicht gesagt wird, dass DHU Schüßler-Salz Nr. 2 gut ist für Knochen und Zähne von Kleinkindern, sondern wir lesen: "DHU Schüßler-Salz Nr. 2® Das Salz der Knochen und Zähne". Und dazu sehen wir zwei Frauen mit einem Baby, das seine ersten zwei Milchzähne zeigt – siehe die Abbildung! Und damit ist eigentlich alles gesagt über die Indikation.
Ganz deutlich gesagt: Hilfe für Knochen und Zähne!
Ganz deutlich gesagt: Hilfe für Knochen und Zähne!
Fazit: Wenn die DHU bei Schüßler-Salzen sagen darf: "Das Salz der Knochen und Zähne", warum darf derselbe Hersteller bei Arnica nicht sagen: Die Pflanze der Wunden und Blutergüsse...?

Weihnachten 2015 ins Kino kommt Hape Kerkeling, und zwar nach seinem Bestseller "Ich bin dann mal weg". Und nachdem er schon lange wieder da ist, kann Kerkeling auch Wein trinken, wenn Ihr bitte mal einen Blick auf die Anzeige werfen wollt!
Warum ist Hape Kerkeling weg? Zum Weintrinken...?
Warum ist Hape Kerkeling weg? Zum Weintrinken...?
Dass Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen ist, hat sich herumgesprochen. Auch dass dieser Weg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien führt, haben wir inzwischen mitbekommen. Und dass es in Spanien roten Wein gibt, dürfte auch nicht unbekannt sein.

Was Hape Kerkeling und das Grab des Apostels Jakobus mit spanischem Rotwein zu tun haben, erfahren wir nun aus der Werbung: "6 x Top-Weine aus dem Film". Und die gibt’s als "Kino-Paket", das wir "gleich bestellen" sollen, und zwar als "limitiertes Angebot nur 38,50 €".

Wie diese Verbundwerbung entstanden ist, lässt sich denken: Der Weinlieferant macht hier Werbung für den Film; und der Film dient dem Weinlieferanten als Eyecatcher. Bemerkenswert ist dabei allerdings: Der Protagonist in der Anzeige ist gar nicht Hape Kerkeling, sondern Schauspieler Devid Striesow, der hier dem Original verblüffend ähnlich sieht. Woraus man erahnen kann, dass der Weinhändler, der zwar mit dem Namen Hape Kerkeling, jedoch nur mit einem Double wirbt, dafür deutlich weniger bezahlt hat als das Möbelhaus Höffner und Krüger Kaffee für den echten Kerkeling gelöhnt haben. Der Werbewert indes dürfte nicht geringer ausfallen.

Während die Flugbegleiter der Lufthansa gestreikt haben, zeigen Singapore Airlines an, wie ihre "Premium Economy Class" ausschaut: Die Passagierin sitzt nicht mehr im Flugzeug sondern an Deck eines Flugzeugträgers. Und die Flugbegleiterin ist ebenfalls an Deck – wenn Ihr Euch das Inserat bitte mal anschauen wollt!
Flugzeug verpasst? Oder streikt das Flugpersonal...?
Flugzeug verpasst? Oder streikt das Flugpersonal...?
Irgendwie schaut die Darstellung aus, als hatte die Frau im Sessel ein Handicap und würde deshalb in einem motorisierten Rollstuhl sitzen, wo die Betreuerin im Beifahrersitz mitfahren kann. "Mehr Komfort. Mehr Auswahl. Mehr Exklusivität", nennt es der Texter. Und der Spießer nennt es: Reklame aus dem Wolkenkuckucksheim.

HORIZONT-Leserin Ursula aus Düsseldorf mokiert sich über fehlendes Fingerspitzengefühl einer PR-Agentur, weil diese Firma auf dem Höhepunkt des großen Streiks bei Lufthansa einen PR-Text verschickt hat mit der Überschrift: "Der Lufthansa Cocktail ist zurück!" – siehe auch die Abbildung des Werbefotos!
Hast Du Kummer mit den Flugbegleitern: Bediene Dich selbst!
Hast Du Kummer mit den Flugbegleitern: Bediene Dich selbst!
Je nun, der Spießer kann daran nichts Verwerfliches finden, denn gerade der Zeitpunkt ist doch besonders günstig: Während die Lufthansa-Passagiere auf den Flughäfen herumsitzen, benötigen sie die Flugbegleiter doch gar nicht, sondern können sich zwecks Entspannung selber einen fertig gemixten Lufthansa Cocktail einschenken – allerdings nur "in den Business- und First Class Lounges an den Flughäfen Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und München", wo man die Cocktails "testen" kann – wenn man das Ticket dafür hat.

Als viel, viel schlimmer dagegen empfindet es der Spießer, dass es immer wieder Hersteller gibt, die uns weismachen wollen, dass "fertige" Cocktails in Flaschen und Dosen einem frisch gemixten Drink gleichkommen. Die nüchterne Wahrheit: Sämtliche Fertig-Cocktails schmecken wie eingeschlafene Füße. Am besten, man füllt sie alle zusammen in große Fässer und schickt diese direkt zum Ballermann!

Ach ja, und noch was: Der Name der  PR-Agentur von Lufthansa lautet: "Alle Vögel fliegen hoch". Was quasi eine Persiflage ist auf den Kunden Lufthansa, dessen "Vögel" zur selben Zeit ziemlich bodenständig gewesen sind.
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