Spießer Alfons

Themen der Werbung: Plagiate und Schwindel

Mittwoch, 04. Februar 2015
Ob legal oder illegal ist vielen Menschen beim Einkauf scheißegal. So gibt es nicht nur Plagiate in der Wirtschaft, sondern es gibt dort auch Schwindel in der Werbung!
Aus dem Internet kann der Verbraucher alles bestellen – legal und illegal. Die legalen Produkte bekommt er in aller Regel auch in den Geschäften vor seiner Haustür; und zum Kauf von illegalen Waren kann er zum Shopping nach Antalya reisen oder nach Hongkong. Aber online einkaufen ist bequemer.

Im Internet kann man sogar verschreibungspflichtige Medikamente illegal, sprich ohne Rezept einkaufen. Außerdem Plagiate, die es als legale Generika von Ratiopharm oder Hexal nicht gibt, weil das Warenpatent des Originalpräparates noch nicht abgelaufen ist. 

In der spießigen Kolumne geht es um Plagiate aus dem Warenbereich. Das sind Luxusmarken, die teilweise dem Original so täuschend ähnlich sehen, dass sogar Fachleute darauf reinfallen. Doch wenn wir die Anzeige von www.plagiate-shop.de sehen, wo unter dem Hinweis "Auflage streng imitiert" eine Handtasche abgebildet ist, die an Coco Chanel denken lässt, dann sagt jede Leserin: "Das CC-Logo ist ja falsch rum!" Und keine Frau, die anderen Frauen mit einer Chanel-Tasche imponieren will, wird eine kaufen, die deutlich als Imitation gebrandmarkt ist. Und darum wird die Anzeigenleserin auch nicht auf www.plagiate-shop.de gehen, sondern bis zum nächsten Urlaub in der Türkei warten.
Hier können Werbeagenturen, die keine eigenen Ideen haben ... leider nicht bestellen!
© Meisterkreis Deutschland e.V.
Hier können Werbeagenturen, die keine eigenen Ideen haben ... leider nicht bestellen!
Würde die Leserin auf die Internet-Adresse klicken, dann würde sie dort erfahren, dass es sich bei der Anzeige um einen Fake handelt. Dahinter steckt ein sogenannter  "Meisterkreis Deutschland e. V.", der dort weitere Plagiate anzeigt und dazu erklärt: "Warum Plagiate keine Alternative sind." Und fragt: "Wussten Sie eigentlich, dass Kenner nur  Originale kaufen? Ihnen reicht schon das Etikett? Sie haben an Nachgemachtem wirklich Freude? Das können wir uns nicht vorstellen. Wir versprechen Ihnen: Plagiate werden jedenfalls keine Ihrer  Erwartungen erfüllen. Freuen Sie sich, wir haben Sie vor dem Kauf billiger Kopien bewahrt und vor den möglichen Folgen." Wie erwähnt: Das erfährt die Leserin, wenn sie das betreffende Portal aufsucht. Und dann, so hofft der Meisterkreis, werden die Leute nur noch die teuren Originalmarken kaufen.
Weitere Plagiate, mit denen die Anzeige als Fake ausgelöst wird
© Plagiate-Shop.de
Weitere Plagiate, mit denen die Anzeige als Fake ausgelöst wird
Spießer Alfons kennt einen Ehemann, der beruflich häufig in China zu tun hat. Und jedes Mal bringt er seiner Angetrauten ein kopiertes Luxusmarken-Produkt von seiner Reise mit und erklärt: "In Hongkong gibt es die Originale günstiger als in deutschen Läden oder in Paris!" Und dann trägt die Frau Gemahlin stolz ihre Taschen von Gucci, Chanel und Louis Vuitton, imponiert damit ihren Freundinnen und hat Freude, weil sich ihre Erwartungen erfüllt haben.

Spießige Frage: Warum kommt der Meisterkreis mit seiner Aufklärung eigentlich über den Internet-Umweg, anstatt die Leser gleich in der Anzeige sinnvoll zu informieren, was Sache ist ...?
"Schwindelbeschwerden" mit dem "Arzneimittel des Jahres 2015"
© dfv
"Schwindelbeschwerden" mit dem "Arzneimittel des Jahres 2015"
Das ist aber drollig: Das Jahr 2015 ist noch gar nicht zu Ende, da hat es schon eine Wahl gegeben mit dem Resultat: "Taumea ist Arzneimittel des Jahres 2015" – siehe die Annonce! In der Headline ist zwar zu lesen, dass Taumea "Arzneimittel" des Jahres ist, im Kleingedruckten wird das dann aber richtiggestellt. Es ist in Wahrheit nämlich so, dass der Bundesverband Deutscher Apothekerd (BVDA) erklärt, dass Taumea lediglich "in der Kategorie der Arzneimittel gegen Schwindelbeschwerden (Antiverginosa) klar auf den ersten Platz" gewählt worden ist. Und das ist paradox. Denn würde Taumea tatsächlich gegen Schwindel wirken – warum wirkt es denn nicht bei dem Werbetexter der Annonce ...?!
„Spießer Alfons stellt die Gretchenfrage: Was ist entscheidender für die Werbewirkung: das Medium oder die Message? “
Spießer Alfons
Es wird immer wieder über Medien diskutiert. Zum Beispiel darüber, ob die klassischen Medien überhaupt noch zeitgemäß sind für Werbung. Und der ADC-Häuptling rät der Werbung treibenden Wirtschaft doch allen Ernstes, man solle mal ein Jahr  völlig rausgehen aus den bezahlten Medien, um etwas für die eigene Marke zu tun. Was in der Tat ein ziemlich putziger Gedanke ist. Ähnlich wie: Ein Jahr lang nicht am ADC-Wettbewerb teilnehmen, um mit dem Geld etwas für die Mitarbeiter zu tun.

Wie gesagt: Alle diskutieren über die Medien. Über die Botschaft dagegen, die via Medien verbreitet werden soll, darüber spricht kaum jemand, obwohl genau das doch das ursprüngliche Thema für die Werbungmacher ist. Und Spießer Alfons stellt die Gretchenfrage: Was ist entscheidender für die Werbewirkung: das Medium oder die Message?

Hierzu ein spießiges Gleichnis zur besseren Anschauung: Die Botschaft eines  Absenders (= Mann) an die Zielperson (= Frau) lautet: "Ich liebe Dich und möchte Dich glücklich machen!" Und Spießer Alfons ist absolut sicher: Ob der Absender diese Botschaft direkt zur  Rezipientin spricht, ob er sie als Zeitungsanzeige aufgibt, mittels TV-Spot oder im Radio sendet, ob  er sie in den Schnee pinkelt oder in den Himmel schreibt, ob er einen Plakatanschlag ausübt oder  die Message per Twitter verbreitet, bei Facebook oder Youtube – das ist völlig egal, denn weder das  Werbemittel noch der Werbeträger spielen die entscheidende Rolle, sondern einzig und allein die  Botschaft ist es, die über Erfolg oder Misserfolg bei der Zielperson entscheidet.

Und genauso ist es mit Produktbotschaften: Sind die Storys interessant, spannend, emotional, sensationell oder gar mitreißend, dann ist es Jacke wie Hose, wie sie verbreitet werden, Hauptsache, sie werden nach dem alten Kosten-Leistungs-Prinzip transportiert, und zwar zur Zielgruppe und – kommen dort auch an, was im doppelten Sinne des Wortes gemeint ist! Frage an die Werbung treibende Wirtschaft: Wann habt Ihr Euren Kunden eigentlich zuletzt gesagt, dass Ihr sie liebt und ihnen erklärt, wie glücklich Ihr sie machen werdet ...?
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