Spießer Alfons

So kann ein Slogan sein: einer für alle

Donnerstag, 28. April 2016
"Aus Freude am Geschmack" und "Möbel zum Leben" sind Slogans, die so überzeugen wie der Hinweis: "Nachts ist es kälter als draußen". Oder: "So kann Eis sein"!
Ein Werbespruch, auch Slogan oder Claim genannt, soll so etwas sein wie ein Ohrwurm, der sich in die Köpfe der Konsumenten einschleicht und sich dort fest einnistet. Darum muss so ein Werbespruch nicht nur unikat sein, sondern auch originell und einprägsam. Doch wem erzählt der Spießer das, denn HORIZONT-Leser wissen so etwas natürlich.


Einen Slogan zu kreieren, ist eine Aufgabe, für die es fähiger Köpfe bedarf. Und wie es Spezialisten gibt, die Markennamen ersinnen, so gibt es auch Agenturen, die sich auf Claims spezialisiert haben. Ja, und dann gibt es Werbesprüche, die sind so genial, dass einer für fast alle Produkte passt. Ein Beispiel liefert Mövenpick mit dem Spruch: "So kann Eis sein".
Slogan: So muss einer für alle sein!
Slogan: So muss einer für alle sein!
Ja, natürlich kann Eis so sein, warum auch nicht? So kann auch Käse sein. So kann Weichspüler sein. Und so kann Hustensaft sein. Wer seinem Kunden einen Claim wie "So kann Eis sein" verkauft, der versteht schon etwas von seinem Beruf. Nicht als Werber, sondern als Schrotthändler. 

Es gab schon immer Menschen, die behauptet haben, Werbung ist Kunst. Ein Werbehäuptling aus dem vorigen Jahrhundert, nämlich Michael Schirner, hat dermaleinst sogar ein Buch veröffentlich mit dem Titel: "Werbung ist Kunst". Und dass sich die Kreativen in den Agenturen lieber als Künstler denn als Verkaufshelfer sehen, ist bekannt. Weshalb sie letztlich auch den Kunst-Direktors-Klub gegründet haben, nämlich den ADC, und nicht den VHV, sprich den Verkaufs-Helfer-Verein.


In der vor Euch liegenden Kolumne beweist Spießer Alfons wieder einmal mehr, dass Werbung keine Kunst ist. Dazu ein Beispiel: Wenn Ihr Werbung für ein Deo gestaltet bzw. schaltet, dann versucht doch mal, ein Plakat in die City-Light-Säule zu hängen, auf dem ein nackter Mann sein bestes Teil präsentiert. Der Spießer versichert Euch: Schon wenn die Plakate beim Pächter eingetroffen sind, wird dieser sie zurückweisen. Einen Penis in der Werbung zu plakatieren ist ein No-Go.

Aber kommen wir zur Kunst: Wenn ein Museum für eine Ausstellung ein Plakat an die Litfaßsäule kleben lässt, auf dem ein nackter Mann abgebildet ist, der sein Glied offen hängen lässt, dann bleibt das unbeanstandet. Corpus Delicti: Ein Plakat der Hamburger Kunsthalle – siehe die Abbildung!
Was sagt der Anti-Sex-in-der-Werbung-Minister hierzu?
Was sagt der Anti-Sex-in-der-Werbung-Minister hierzu?
Was die Kunst darf, darf der Kunstdirektor noch lange nicht. Womit am Ende nur zwei Fragen im Raume stehen bleiben, als diese sind: Wer hat das Plakat mit dem nackten Mann eigentlich gestaltet? Und: Was sagt Heiko Maas, unser Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, denn zu dem plakatierten Penis...?

Neuerdings wird Alfons gefragt, warum er jetzt öffentlich über das Geheimnis seiner Schönheit spricht. Wozu der Spießer erklärt: Hier wird Alfons verwechselt, nämlich mit dem Mann, der unter dem Namen "Alfons" auf der Bühne als Spießer auftritt – siehe Veranstaltungsplakat! Richtig ist allerdings, dass auch Spießer Alfons öffentlich auftritt. Sein Vortrag lautet allerdings: "Was Konsumenten schon immer über Werbung wissen wollten".
Nein, dieser Spießer ist nicht der echte Alfons!
Nein, dieser Spießer ist nicht der echte Alfons!
Wenn Ihr durch die Straßen der Städte geht, dann findet Ihr dort regelmäßig Anschläge auf die Gesundheit des Menschen, sprich: Zigaretten-Plakate. Und vielleicht wird sich der eine oder andere von Euch schon mal gefragt haben: Warum sind die Texte auf den Zigaretten-Plakaten sehr häufig in englischer Sprache abgefasst? Der Spießer verrät es Euch anhand eines Exempels.

Werft doch mal einen Blick auf das Camel-Poster! Dort lest Ihr: "NEW RED & BLUE NEXT CAMEL GENEARTION". Ja, und würde dieser Text in deutscher Sprache abgesetzt sein, so stünde dort: "NEU ROT & TRAURIG NÄCHSTE KAMEL GENERATION".
Warum sind Texte in der Zigaretten-Werbung in Englisch?
Warum sind Texte in der Zigaretten-Werbung in Englisch?
Weil die Zigaretten-Manufaktur verständlicherweise nicht so deutlich sagen will, dass Rauchen was Trauriges für Kamele der nächsten Generation ist, hat man es eben in Englisch zum Ausdruck gebracht. Da überlesen es dann die meisten Leute. Einleuchtend, oder…? Immerhin: Der Warnhinweis am Fuße des Plakates ist in deutscher Sprache abgefasst und unmissverständlich.

Wenn ein Hersteller in seinem Inserat ein Verbraucher-Testimonial veröffentlicht, dann wirkt das authentischer, wenn dieser Verbraucher abgebildet wird und seine Aussage per Handschrift dokumentiert wird. Und so sehen wir es auch in der Anzeige von Weleda, wo die Waldorflehrerin Kathrin aus Stuttgart etwas zu einem Mittel gegen Erkältung geäußert hat – siehe die Abbildung!
Kreative Handschrift!
Kreative Handschrift!
Allerdings: Die Waldorflehrerin hat eine sehr persönliche Handschrift. Da musste der Spießer dreimal lesen, um es einmal zu verstehen. Wie gut, dass der Name des Produktes darunter noch einmal lesbar abgesetzt wurde!

Zu der Anzeige, die der Spießer mit einer Advertising-Bubble versehen hat, bedarf es noch eines ergänzenden Kommentars. Stünde die Sprechblase dort nicht, würde sich die Anzeigenleserin sicherlich fragen, warum das Fotomodell dort neben einer Behausung steht, die sehr viel bescheidener ausschaut als die Villen, in denen Menschen wohnen, die sich Klamotten leisten können, welche das Label Valentino tragen. Und deshalb sagt es die junge Eingeborene ganz deutlich, nämlich dass es nicht darauf ankommt, woher der Mensch kommt, sondern wohin er geht. Und wohin ist die junge Frau gegangen? Richtig, in einen Valentino-Laden.

Ihr schüttelt den Kopf und zweifelt an der spießigen Aussage? Dann erklärt dem Spießer doch bitte mal, was die bildliche Metapher in dieser Anzeige von Valentino stattdessen zum Ausdruck bringen soll!
Die Advertising-Bubble by Spießer Alfons
Die Advertising-Bubble by Spießer Alfons
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