Spießer Alfons

Schaut man einer Küche ins Gesicht

Donnerstag, 11. August 2016
Das Gesicht einer Küche wird haarig dargestellt in der Werbung für Arbeitsplatten. Warum? Wollen die Werber ihrem Auftraggeber damit um den Bart gehen?

Hat Eure Küche eigentlich ein Gesicht, liebe Lesergemeinde? Und für den Fall, dass es in Eurer Küche kein Gesicht gibt: Habt Ihr es schon mal vermisst, das Gesicht in Eurer Küche...?



Lechner wirbt: "Wir geben Küchen ein Gesicht". Und darunter steht zur Erläuterung: "Lechner, Deine Arbeitsplatte". Dazu sehen wir im Bilde eine Arbeitsplatte mit Spüle. Und auf dieser Arbeitsplatte sind drei Aufsätze zu erkennen, offensichtlich Gasbrennstellen, die man im Allgemeinen auf dem Herd findet, wo die Töpfe und Pfannen zum Kochen und Braten gestellt werden. 

Daneben sehen wir das Gesicht, das Lechner der Küche gibt: Es gehört einem Herrn mit Rauschebart. Diese Küchenhilfe wird offensichtlich zusammen mit der Lechner-Arbeitsplatte geliefert, damit "deine Arbeitsplatte" ein Gesicht bekommt oder was...? 
Dressman mit Bart: Wollen wir dieses Gesicht wirklich in unserer Küche se-hen?
Dressman mit Bart: Wollen wir dieses Gesicht wirklich in unserer Küche se-hen?
Im Inserat ist auch die Unterschrift "Günther Lechner" erkennbar. Und wenn das der Dressman im Bilde ist, dann gibt Spießer Alfons ihm die Empfehlung, dass er seine persönliche Eitelkeit besser als Protagonist in einer Werbung für Haarpflegemittel befriedigen sollte, weil das sinnvoller wäre als  Maulaffen feilzuhalten in der Küche.


Emirates ist die Airline der Vereinigten Arabischen Emirate mit Sitz in Dubai. Und in arabischen Ländern, so spricht der Volksmund, liebt man Rubens. Nein, weniger an der Wand als vielmehr im Bett, wo Männer  lieber eine mollige als eine magere Frau an ihrer Seite liegen haben.

Ob dieser Pauschalglaube der Wahrheit entspricht, weiß der Spießer nicht. Aber wenn Alfons eine Anzeige von Emirates betrachtet, dann scheint etwas dran zu sein, an der geliebten Dickleibigkeit, denn die Fluggesellschaft fordert weibliche Passagiere ausdrücklich dazu auf, den Sitzgurt zu lockern, damit der Leib an Bord gemästet werden kann – siehe die Annonce!
Emirates will Frauen mästen, damit diese den arabischen Männern gefallen...?
Emirates will Frauen mästen, damit diese den arabischen Männern gefallen...?
Beachtenswert ist auch das Kleingedruckte und also lautend: "Genießen Sie ein großzügiges Vier-Gänge-Menü mit köstlichen, unwiderstehlich guten Desserts." Dieses Menü muss natürlich genauso bezahlt werden wie das Menü in einem Restaurant am Boden. Und wer das nicht möchte, dem bieten Emirates eine kostenlose Alternative an: "Oder gönnen Sie sich kostenlose Drinks, Wein und Bier." Wozu der Textdichter noch hinzugefügt hat: "Hello Tomorrow" – was immer das auch bedeuten soll.

Im Foto einer Anzeige sehen wir ein Paar. Sie guckt zum Fotografen mit dem Wortlaut: "Du bist mein verborgener Schatz." Und Er hält seine Nase an ihre Wange und erklärt: "Ich liebe die Nacht". Und Sie und Er tragen Schmuck von DoDo, weil: "Every Dodo says something" – siehe Abbildung!
"Du bist mein verborgener Schatz", spricht die Frau zum Fotografen!
"Du bist mein verborgener Schatz", spricht die Frau zum Fotografen!
Spießer Alfons ist kein Dodo, aber wenn er mal Something sagen darf, dann fragt er: Bleibt der Schatz für die Frau verborgen, weil der Mann nur die Nacht liebt...? 

Wenn man sich die Abbildungen anschaut, die neuerdings auf den Zigarettenpäckchen gedruckt sein müssen, dann wird nur ein Hohlschädel beim Anblick sagen, dass eine Zigarette ganz schön macht, und zwar die Runde. Umso mehr hat sich der Spießer gewundert, als er ein diesbezügliches Plakat von Lucky Strike entdeckt hatte – siehe die Abbildung!
Darf eine Zigarette immer noch "Glückstreffer" genannt werden – außer von Erben...?
Darf eine Zigarette immer noch "Glückstreffer" genannt werden – außer von Erben...?
Dass Zigarettenhersteller ihre Päckchen jetzt nicht mehr in der Werbung abbilden möchten, lässt sich denken. Aber statt dessen von "schöner Runde" im Zusammenhang mit "Rauchen" zu sprechen, ist schon ziemlich makaber. Und der Spießer fragt sich, ob der Rauch dem Werbetexter womöglich das Gehirn vernebelt hat. In einem solchen Fall schreckt selbst die Fußnote "Rauchen kann tödlich sein" nicht mehr ab, denn auch die Arbeit einer Werbeagentur kann tödliche Folgen für den Konsumenten haben, sprich: Tabakwerbung ist Beihilfe zum Suizid!

Aber der Name Lucky Strike (deutsch: Glückstreffer) verrät ja schon, dass die Perversität im Markenkern liegt. Ein passender Name wäre Coffin Nail, um nicht zu schreiben: Cancer Stick! 

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