Spießer Alfons

Otto geht Verona voll an die Wäsche

Donnerstag, 31. März 2016
Wenn Prominente in der Werbung auftreten, dann fragt sich der Spießer mitunter: Hilft dieser Auftritt dem Werbungtreibenden oder dem Prominenten...?

Verona Pooth, geborene Feldbusch, wurde vor Urzeiten bekannt durch eine kurzfristige eheliche Beziehung mit Pop(p)-Titan Dieter Bohlen. Und sie, die ehemalige Miss Hamburg, blieb bekannt durch ständige Auftritte in TV und Print-Medien. Ebenso durch ihre Platzierung in der Werbung ("Da werden Sie geholfen!"), wo sie vom Iglo-Blubb bis zum Klamotten-Kik gezeigt hat: Verona ist "besser als wie man denkt!".


Nach längerer Werbepause bei Otto ist die Reklame-Ikone nun wieder zum Hamburger Unternehmen zurückgekehrt, womit sich Otto auf das Niveau von Kik begibt, dessen Image nicht gerade das allerbeste ist.

Und was macht Verona bei Otto? Sie wirbt dort für weiße Wäsche mit Namen "Verona's Dreams" – siehe die Abbildung! Diese Annonce erinnert den Spießer an eine uralte Persil-Werbung, wenngleich wir dabei nicht von Plagiat reden können, denn Persil hatte damals die Weißwäsche an die rechte Wange einer Frau drapiert, während Verona bei Otto den weißen Bettbezug an ihre linke Wange hält – wenn Ihr das bitte mal selber vergleichen wollt, liebe HORIZONT-Leser!
Verona träumt in weißer Wäsche: Das gibt der Otto-Werbung einen Kik!
Verona träumt in weißer Wäsche: Das gibt der Otto-Werbung einen Kik!
Was Spießer Alfons mit dieser Gegenüberstellung zum Ausdruck bringen will, das ist die Zeitspanne, die zwischen der alten Persil-Reklame und der neuen Otto-Werbung liegt, nämlich 60 Jahre! Womit wir deutlich erkennen, wie Werbung in Deutschland sich in sechs Jahrzehnten grundlegend verändert hat: Die Frau von Persil blickt uns mit offenen Augen an, während die Frau von Otto ihre Augen schamvoll verschließt.

Persönliches Fazit des Spießers vorm Zubettgehen: Immer noch besser, auf dem Laken von Verona zu träumen als Alpträume zu haben in der gruseligen Bettwäsche eines Harald Glööckler!

Eine andere Frau liegt im Bett. Und was macht sie dort? Sie zieht sich den Teppichboden über den Leib. Warum? Der Textdichter erklärt: "So weich ... er darf gleich mit auf's Bett" – siehe die Abbildung!
Schlafen unterm Teppichboden – autsch!
Schlafen unterm Teppichboden – autsch!
Mal ganz davon abgesehen, dass es hier "aufs" und nicht "auf's" geschrieben werden muss, so hat der Spießer beim Betrachten des Werbebildes den Eindruck, dass der Anzeigengestalter etwas geschluckt hat, das ihm nicht bekommen ist, weil es ihm den Teppich unter den Füßen weggezogen hat – metonymisch beschrieben. Und die Protagonistin liegt allein im Doppelbett, weil ihr Partner sich vermutlich geweigert hat, neben ihr Platz zu nehmen. Warum? Weil das Bett offensichtlich in einer Aufbahrungshalle steht. Außerdem: Wer sein Schlafzimmer mit Teppichboden auslegt, der verlegt auch Kunstrasen im Wohnzimmer.

Wir sehen fünf Frauen im Bilde einer Anzeige und lesen: "Jugend ist zeitlos!" – siehe die Darstellung!
Fünf Rentnerinnen in zeitloser Jugend!
Fünf Rentnerinnen in zeitloser Jugend!
Was will Inserent Clarins damit zum Ausdruck bringen? Klar: "Jugend ist zeitlos". Und das meint: Die abgelichteten Frauen sind alle im Rentenalter, sehen aber aus wie in der Blütezeit ihrer Jugend, weil Clarins eben dafür gesorgt hat, dass Jugend zeitlos ist.

Wären die Frauen dagegen wirklich so jung, wie sie in der Werbung aussehen, dann wäre die Anzeige ein Schuss in den Ofen, denn es würde dort der sichtbare Beweis fehlen, dass Jugend durch Clarins tatsächlich zeitlos ist!

Wer sich Werbung regelmäßig anschaut, der hat erkannt, dass es dort viel Schrott zu entdecken gibt. Auch wird sehr häufig Blech geredet von den Werbern in den Agenturen. Und genau diese Unzulänglichkeiten wollte der Mode-Designer Jean Paul Gaultier uns einmal deutlich vor Augen führen, indem er Schrott und Blech in eine Annonce gestellt hat, aus der eine Blondine emporsteigt. Und zwei halbnackte Männer ziehen die Strippen im Hintergrund.
Persiflage: Schrott und Blech in der Werbung!
Persiflage: Schrott und Blech in der Werbung!
Der Spießer glaubt fest daran: Diese gaultierische Persiflage wird jede Blondine dazu animieren, das abgebildete Parfüm literweise zu kaufen, um damit ihre Fensterscheiben zu putzen.

Wenn Nivea-Kunden 3 Produkte der blauen Marke im Gesamtwert von mind. 9 Euro gekauft haben, dann "spüren sie den Unterschied", heißt es in einer Anzeige. Und wo spüren sie diesen Unterschied? Richtig: im Geldbeutel! Wozu der Textdichter ausgerechnet hat: "Jetzt 3 Euro sparen" – siehe Anzeige!
Sie spüren den Unterschied: 3 Euro!
Sie spüren den Unterschied: 3 Euro!
Solltet Ihr aber das Nivea-Produkt "Q10plus" von Beiersdorf gekauft haben, liebe Lesergemeinde, dann könnt Ihr damit das Koffein-Präparat "Hallo Wach plus C" von Bayer ersetzen, das es schon seit geraumer Zeit nicht mehr gibt. Denn während das alte "Hallo Wach plus C" gegen Müdigkeit gewirkt hat, die Fältchen bringt, wirkt der neue "Hallo-Wach-Kick", den Nivea verspricht, gegen Fältchen, die aus Müdigkeit heraus entstehen.

Das Ungewöhnliche an dem Nivea-Produkt: Q10plus ist "mit hauteigenem Q10", so entnehmen wir es den Werbeworten. Und was bedeutet das?
Der "Hallo-Wach-Kick" von Beiersdorf...
Der "Hallo-Wach-Kick" von Beiersdorf...
Weder im Kleinen noch im Großen Duden fand Alfons die Vokabel "hauteigen". Nur "köpereigen" gibt es, was meint, dass etwas (zum Beispiel Abwehrstoffe) im eigenen Körper gebildet werden. Und das hauteigene Q10 von Nivea? Wurde es unserer eigenen Haut entnommen und von Beiersdorf in die kleinen Tiegel abgefüllt...? Das Schweigen der Lämmer liegt über dem hauteigenen Q10 von Nivea.



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