Spießer Alfons

Noch einmal zur Wahl "Händler des Jahres"

Donnerstag, 17. September 2015
Man muss auch die andere Stimme hören. Und weil die sich gemeldet hat, kommt Alfons noch einmal auf das oben genannte Thema zurück.

Was, liebe Lesergemeinde, unterscheidet einen Werber von einem Konsumenten? Die Antwort: Gar nichts, denn auch Werber sind Konsumenten.



Die Eingangsbemerkung des Spießers kommt nicht von ungefähr, denn es gibt Leser, die halten den Spießer nicht für einen Verbraucher, sondern nur für einen Werber, weil Alfons über Werbung schreibt. Richtig ist aber: Spießer Alfons ist ein ganz gewöhnlicher Konsument. Wie Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher. Allein was Alfons von Lieschen und Otto unterscheidet: Der Spießer nimmt Werbung nicht widerspruchslos hin.

Womit wir auch schon mitten im Thema sind, das sich auf die 2.062. Folge des Spießers bezieht, wo Alfons den Discounter Netto aufgespießt hat, weil dieser die Wahl zum "Beliebtesten Händler des Jahres" manipulieren will, indem er die Konsumenten in einer Anzeige auffordert: "Jetzt für Netto-Marken-Discount stimmen und tolle Preise gewinnen!" – siehe die Anzeige!
Für Netto stimmen und Preise gewinnen!
Für Netto stimmen und Preise gewinnen!
Wohl bemerkt: Netto inseriert nicht: "Jetzt bei der Wahl mitmachen und tolle Preise gewinnen!", sondern eben: "Jetzt für Netto-Marken-Discount stimmen und tolle Preis gewinnen!"


Nachdem Alfons das moniert hatte, bekam der Spießer eine Mail von Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation Netto Marken-Discount AG & Co. KG. Und Christina schreibt:

"Lieber Spießer Alfons, Spaß muss sein –  aber die Fairness ist Spießern bestimmt auch wichtig? Darum nutzen wir diese Chance Ihnen zu schreiben und aufzuklären.

In Ihrem heutigen Beitrag ‚Manipulation zum Händler des Jahres’ schreiben Sie, dass Netto die Online-Konsumenten-Befragung ‚manipuliert’. Hintergrund Ihrer Feststellung: Ein Gewinnspiel, auf das wir in einer Anzeige verweisen. Über diese Manipulations-Behauptung sind wir mehr als verwundert...

Fakt ist: Auf genau dieses Gewinnspiel des Veranstalters des Händler des Jahres verweisen nahezu alle Teilnehmer der Umfrage – anbei ein kleiner Marktüberblick. Sie sehen: Keine böse Absichten stecken hinter dem Verweis auf das Gewinnspiel von ‚Händler des Jahres’. Vielmehr möchten alle teilnehmenden Unternehmen gemeinsam das Verbraucherinteresse an der Wahl erhöhen. Faire Regeln: Selbstverständlich werden die Gewinne unabhängig davon verlost, wo die Verbraucher ein Kreuzchen machen werden. Das ist Ehrensache!

Wir wundern uns sehr, dass einzig unserem Unternehmen mitten in der Wahlphase zum ‚Händler des Jahres’ unlautere Absichten unterstellt wird –  ohne Vergleich der anderen Teilnehmer oder einen Klick auf das Gewinnspiel des Veranstalters? Mit Ihrem Kreuzchen können wir scheinbar nicht rechnen...

Mit freundlichen Grüßen, Netto Marken-Discount AG & Co. KG, Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation."
 

Den Vorwurf von Unfairness kann Alfons nicht auf sich sitzen lassen. Deshalb hat der Spießer im folgenden Sinne geantwortet: Liebe Frau Stylianou – vielen Dank für Ihren Leserkommentar zum spießigen Beitrag über den "Händler des Jahres".

Zu Ihrer Information: Spießer Alfons ist ein ganz normaler Konsument. Vergleichbar mit Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher. In dieser seiner Eigenschaft las der spießige Konsument eine Anzeige von Netto, die überschrieben ist: "Jetzt für Netto Marken-Discount stimmen und tolle Preise gewinnen!" Was denkt der gemeine Verbraucher, wenn er diese Aufforderung gelesen hat? Er denkt: "Wenn ich für Netto Marken-Discount stimme, gewinne ich tolle Preise!"
Rewe wählen und Preise gewinnen!
Rewe wählen und Preise gewinnen!


Der spießige Konsument muss doch nicht auch noch die Anzeigen von anderen Märkten gesehen und gelesen haben, bloß weil ihm die Netto-Anzeige aufgefallen ist, oder? Und wenn andere Händler das genauso machen wie Netto, dann gewinnt am Ende vermutlich das Unternehmen, das am meisten Werbung geschaltet und damit in seinem Firmennamen die meisten Konsumenten angesprochen hat. Und derjenige Händler, der keine Preise ausgelobt und die Wahl gar nicht angezeigt hat, der hat sehr viel weniger Chancen, "Händler des Jahres" zu werden, denken sie nicht? Warum haben Sie in Ihrer Anzeige nicht geschrieben: "Wählen Sie den Händler des Jahres, und Sie können tolle Preise gewinnen!"...?
Lidl wählen und Preise gewinnen!
Lidl wählen und Preise gewinnen!
Nein, liebe Frau Stylianou – es geht nicht, dass man selber die Wahl beeinflussen will, und wenn jemand das bemerkt, mit dem Finger auf Wettbewerber zeigt und sagt: "Die machen es doch genauso!“ Das erinnert den Spießer an den Ladendieb im Supermarkt, der erwischt wird und zum Hausdetektiv sagt: "Was wollen Sie denn, andere Menschen klauen doch auch in diesem Laden!"

Florian Mundt (28) wurde bekannt als LeFloid und Betreiber des gleichnamigen YoutTube-Kanals. Und in die Printmedien kam der Student vor ein paar Wochen durch sein Interview mit Angela Merkel, das er online veröffentlicht hat. Und während LeFloid im Allgemeinen frech und unterhaltsam ist, kritisierten seine Fans, dass das Interview mit der Kanzlerin eher brav ausgefallen ist.

Und nun macht LeFloid auch Werbung, und zwar für LeFloid. Nicht im Internet, nein, sondern in Print, dem angeblich doch so "toten Holz", wie die Onliner immer zu sagen pflegen – siehe das City-Light-Poster! Und wer Media plant oder Media zahlt, der weiß, dass CLP nicht zu den billigsten Werbeträgern zählt. Aber über die Kosten muss sich der Internet-Star vermutlich keine Gedanken machen, denn im Frühjahr dieses Jahres trat LeFloid dem Netzwerk Studio71 bei, das zur ProSieben-Sat1-Gruppe gehört, und wodurch der Student vermutlich nicht ärmer geworden ist. Außerdem, so vernahm der Spießer von einem Insider, gibt es im Internet unter dem Stichwort "Product Placement" durchaus Geschäftsmodelle bei YouTube, die gewinnbringend operieren.

Wie dem auch sei, der Spießer wollte eigentlich nur auf das genannte Poster hinweisen, wo wir lesen: "LeFloid kommentiert hart an der Grenze" – siehe die Abbildung! Und diese Aussage ist vielsagend.
Frage an den Interviewer: Hart an welcher Grenze...?
Frage an den Interviewer: Hart an welcher Grenze...?
Wir wissen: Es gibt Kommentare, die sind hart an der Grenze zur Banalität. Es gibt auch Kommentare, die sind hart an der moralischen Grenze. Und es gibt Kommentare, die sind hart an der Grenze der Meinungsfreiheit. Und letztlich gibt es Kommentare, die hart an der Schmerzgrenze sind.

Wo die Grenze bei LeFloid liegt, weiß Alfons nicht. Aber eines weiß der Spießer: Im Gegensatz zu LeFloid kommentiert Spießer Alfons über alle Grenzen hinweg. 

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