Spießer Alfons

Denkwürdige Ideen zur individuellen Anregung

Donnerstag, 27. November 2014
Die Zeiten in den Verlagen sind hart, das Geld ist knapp, und man fragt sich alle Tage wieder: Wie kommen wir aus der goldenen Gutenberg-Zeit hinein ins kommerzielle Internet?
Die Verlage in unserem Lande wurden und werden arg gebeutelt. Zum einen hat sich das Anzeigengeschäft dezimiert, zum anderen der Leserstamm reduziert. Die Goldgräberzeit, die Spießer Alfons im Verlagsgeschäft noch voll miterlebt hat, die ist vorbei wie die Zeit der Dinosaurier. Statt Nuggets nur noch Goldstaub bei den Verlegern; und statt Partys mit Austern und Champagner für die Inserenten gibt’s jetzt nur noch Kaffee mit Pustekuchen.


Früher machten Zeitschriftenverlage noch riesige Werbekampagnen für ihre Titel. Auch das sieht man heute nur noch äußerst selten. Weil es am Gelde mangelt, das für Werbung nötig ist. Und da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz, denn ohne werblichen Antrieb wird der Verkauf auch nicht besser. Und weil Spießer Alfons ein hilfreicher Diener ist, gibt er den Verlagsinsassen mal etwas Hilfestellung, und zwar ein Konzept, nach dem sie mit wenig Geld viel erreichen können.

Das Konzept lautet wie folgt: Ein Verlag, der mindestens drei Magazine herausgibt, macht eine Kampagne in einem Bundesland. Zum Beispiel in Schleswig-Holstein, um mal im Norden des Landes zu beginnen. Der Claim der Kampagne lautet: "Schleswig-Holstein liest ein Magazin". Schirmherr dieser Kampagne ist der Ministerpräsident höchstselbst. Und die zuständige Ministerin für Kultur übernimmt die Organisation mit den Städten und Gemeinden. Mitmachen könnten auch örtliche Kulturstiftungen und Bürgerstiftungen, sodass überall Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Diskussionsrunden rund um die Magazine stattfinden und die Menschen im Lande sich mit den Themen der drei Zeitschriften beschäftigen.


Der Clou: Alle Bürger sollen aus den drei Magazinen ihr Lieblingsmagazin wählen. Und alle drei Magazine stammen aus ein und demselben Verlag, nämlich dem, der dieses Event durchzieht. Hierzu gibt es eine Auftaktveranstaltung des Verlages mit Sekt und Häppchen im Schloss Glücksburg, wo prominente Paten die drei Magazine dem Publikum vorstellen. Diese Paten sind bekannte Politiker aus der Region, damit die Kampagne von den Lesern auch beachtet und nicht als Werbung abgetan wird. Und am Ende soll dann das Bundesland Schleswig-Holstein sein Lieblings-Magazin gewählt haben, das von allen Bürgern abonniert und gleichzeitig gelesen werden soll.

Begleitet wird die Kampagne auch durch die Bürgermeister in den Rathäusern, die per E-Mail die Menschen und Medien im Lande informieren. Und auf der Homepage der Landesregierung wird dafür geworben wie auch auf den Websites der Städte und Gemeinden. Und es wird genug Medien geben und Werbeportale im Internet, die das Event verbreiten und Links setzen auf die Page der Landesregierung, wo die Abstimmung über das Lieblings-Magazin der Schleswig-Holsteiner erfolgt. Auch an jedem Kiosk ist die Stimmabgabe möglich, genauso in vielen örtlichen Kultureinrichtungen und den Rathäusern.

Spätestens an dieser Stelle werden die ersten HORIZONT-Leser weiterblättern, weil sie den Spießer für durchgedreht halten. Zu seiner Verteidigung muss Alfons aber anmerken, dass er gar nicht der Erfinder einer solchen Verlagspromotion ist. Die gibt es nämlich schon, und das bereits im zweiten Jahr. Die Idee stammt aus einem Verlag, der in Schleswig-Holstein und Berlin ansässig ist, nämlich der Buchverlag Rowohlt. Der macht die Werbeaktion: "Der Kreis Stormarn liest ein Buch". Und alle drei Bücher, die für die Lesung der Bürger als Lieblingsbuch infrage kommen, die stammen allesamt aus eben diesem einen Verlag. Und Schirmherr der Aktion ist der örtliche Landrat höchstpersönlich. Und die Kulturreferentin des Kreises promotet den Akt, dessen Auftaktveranstaltung stattfand im Schloss Reinbek, wo der Rowohlt-Verlag zu Speis und Trank eingeladen hatte und örtlich prominente Politiker als Lesepaten dem Publikum die drei Bücher des Verlages vorgestellt haben.
Promotion eines Verlages mit behördlicher Hilfe!
© HORIZONT
Promotion eines Verlages mit behördlicher Hilfe!
Natürlich könnte so eine Verkaufspromotion auch in anderen Bundesländern stattfinden, in Gemeinden genauso wie in Städten und Kreisen. Und es muss ja nicht unbedingt ein Verlag mit drei seiner Publikationen sein, sondern es könnte ja auch ein Autohersteller aus drei seiner Modelle das beliebteste wählen lassen nach dem Motto: "Baden-Württemberg fährt ein Auto". Genauso machen könnte das eine Brauerei, eine Spirituosen-Firma, eine Armbanduhren-Manufaktur oder oder oder. Spießer Alfons stellt sich gern als Pate zur Verfügung, sowohl für Auto als auch Bier, Spirituosen oder Armbanduhren.

Eine andere Idee betrifft den Spießer persönlich. So erklärte ihm neulich ein kreativer Häuptling aus einer Werbeagentur: "Wenn die Leute bei Sat 1 pfiffig wären, dann würden sie auf die Idee kommen, Spießer Alfons ins Promi-Big-Brother-Haus einzuladen!" "Warum dieses?", wollte Alfons wissen, zumal er dort allenfalls ein C-Promi wäre. Antwort: "Auf diese Weise würde die halbe Werbewirtschaft die Sendung verfolgen, um den Spießer genüsslich nach unten in den Knastraum zu wählen! Das wiederum hätte für den Sender zur Folge, dass die Werber dadurch auch animiert würden, ihre Spots in dieser Sendung zu schalten!"
Wunsch aus der Werbung: Alfons zu Big-Brother!
© HORIZONT
Wunsch aus der Werbung: Alfons zu Big-Brother!
Und nun wartet Spießer Alfons auf einen Anruf aus der Programmdirektion von Sat 1, um den Termin abzustimmen.

Hatte Spießer Alfons Euch vorige Woche von einem Pflaster erzählt, das der Mensch auf die Fußsohlen klebt, sodass er über Nacht überzählige Pfunde verliert, so gibt es schon wieder etwas Sensationelles: "Gezielt schlanker dank neuem Gel (und nebenbei Cellulite vorbeugen ...)" - siehe die Reklameannonce!
Sensationell: Gel auf Fettpolster auftragen und abnehmen!
© HORIZONT
Sensationell: Gel auf Fettpolster auftragen und abnehmen!
Um es kurz zu machen: "Französischen Wissenschaftlern ist mit Slim Ventre gelungen, worauf Millionen von Menschen gewartet haben. Endlich kann jede Person durch Schrumpfung der Fettpölsterchen genau dort schlanker werden wo sie es sein möchte. Hierfür reicht es aus, das Gel Slim Ventre auf den Problemzonen täglich aufzutragen und wirken zu lassen (beugt auch Cellulite vor). Sie müssen hierfür weder Ihre Ernährung noch Ihre Lebensgewohnheiten umstellen. Es funktioniert auch so."

Und wie funktioniert es? Wir lesen: "Tests, die notariell beglaubigt wurden, zeigen auf, dass Testpersonen mit Slim Ventre ohne Diät und ohne Sport an den Problemzonen in nur 1 Stunde mehr als 3 cm weniger Umfang hatten."

Natürlich könnte der Spießer den kompletten Text zitieren und damit auch von den Erfahrungen berichten, die eine "Veronika" mit dem Gel gemacht hat. Aber Alfons denkt, dass das bisher Zitierte genügt, um zu erkennen: Es gibt immer noch Verlage, die drucken jeden Scheiß als Anzeige, ohne daran zu denken, wie leichtgläubige Leser hier ausgenommen werden.

Frauen lieben Schmuck. Und es gibt Schmuckstücke für jede Gelegenheit, für jeden Tag und jeden Anlass. Und es gibt Frauen, die legen ständig so viel Geschmeide an, dass sie damit gegen jeden geschmückten Weihnachtsbaum konkurrieren können.
Neu: Jetzt können Frauen ihren Schmuck auch im Pool zeigen!
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Neu: Jetzt können Frauen ihren Schmuck auch im Pool zeigen!
Wenn Frauen ihren Schmuck ablegen, dann gehen sie zur Nacht ins Bett. Oder sie gehen ins Schwimmbad, um dort zu baden. Und im letzteren Fall müssen die Damen sich nicht mehr mit Wasserperlen auf der Haut begnügen, sondern jetzt gibt es auch Perlen für Arm, Hals und Ohrläppchen, die ausdrücklich beim Schwimmen in Pool und Meer getragen werden - wenn Ihr Euch bitte mal die Gellner-Anzeige anschauen wollt!

So kommen echte Perlen auch dorthin zurück, wo sie hergekommen sind, nämlich ins Meer. Und die Protagonistin im Werbebild, die RTL-Moderatorin Jennifer Knäble, die könnte man in dieser Rolle auch als Perlentaucherin bezeichnen.



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