Promi-Quacksalber

Kribbeln in den Füßen

Mittwoch, 03. Dezember 2014
Einen armen Schlucker erkennt man daran, dass er häufig in die Apotheke geht, um Pillen zu kaufen, die ihn gesunden lassen, den Apotheker!
Es war im Jahre 2012, als die Deutsche Homöopathie Union (DHU) in einer Anzeige die Schauspielerin Ursula Karven hat auftreten lassen, die dort "aus Überzeugung DHU" empfohlen hat, nämlich Schüßler Salze - siehe die Anzeige! Und ein Jahr darauf wurde der Firma vom LG Karlsruhe untersagt, die Schauspielerin weiterhin in der Werbung agieren zu lassen, weil das Heilmittelwerbegesetz die Werbung mit "Personen, die aufgrund ihrer Bekanntheit zum Arzneimittelverbrauch anregen können", verbietet.
No go: Ursula Karven für Schüßler-Salze!
© HORIZONT
No go: Ursula Karven für Schüßler-Salze!
Das Urteil aus Karlsruhe ist offenbar immer noch nicht rechtskräftig geworden. Und deshalb kann auch Franziska van Almsick noch ein paar Werbetaler verdienen, indem sie als "Schwimm-Welt- und -Europameisterin" für die Stada GmbH an den Start geht und Magnetrans empfiehlt, das "zu einer normalen Muskelfunktion“ genauso beiträgt wie auch "zur Verringerung von Müdigkeit und Erschöpfung".
Franziska von Almsick für Magnetrans – gemäß Heilmittelwerbegesetz ...?
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Franziska von Almsick für Magnetrans – gemäß Heilmittelwerbegesetz ...?
Im Kleingedruckten der Anzeige liest der Konsument: "Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise." Was in den Augen des Spießers etwas paradox ist, denn ein Mensch, der sich ausgewogen ernährt und eine gesunde Lebensweise praktiziert, der benötigt gar keine Nahrungsergänzungsmittel!


Und dann ist da noch Pelé, der sein Testimonial in der Werbung abgibt, und zwar für ein Nahrungsergänzungsmittel. Das heißt "Eunova Langzeit 50+" und ist genauso überflüssig, wenn der Mensch sich ausgewogen ernährt und gesund lebt. Klar, in Brasilien, wo nicht alle Menschen das Glück haben, eine ausreichend gute Nahrung zu bekommen, da macht das Mittel durchaus Sinn. Aber: Die Anzeige mit Pelé ist nicht in seinem Geburtsland Brasilien erschienen, sondern in Deutschland.
Pelé für Eunova – Werbung gemäß Heilmittelwerbegesetz ...?
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Pelé für Eunova – Werbung gemäß Heilmittelwerbegesetz ...?
Wer "Eunova Langzeit 50+" kauft, der sollte es tunlichst in ein Land schicken, wo dieses Nahrungsergänzungsmittel dringend benötigt wird!
„Im Kleingedruckten der Anzeige liest der Konsument: 'Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise.' Was in den Augen des Spießers etwas paradox ist, denn ein Mensch, der sich ausgewogen ernährt und eine gesunde Lebensweise praktiziert, der benötigt gar keine Nahrungsergänzungsmittel!“
Spießer Alfons
Ein anderer Promi, nämlich Dieter Thomas Heck, der hört auf seine Füße. Das sagt er in einer Anzeige für Milgamma, ein Medikament, das bei Diabetes helfen soll, und dessen "Wirksamkeit klinisch erwiesen" ist. Und deshalb lesen wir unter dem Bilde von Schlager-Dieter die Empfehlung: "Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach milgamma® protekt. Eine gute Entscheidung für Ihre Gesundheit." Und Krankheit, so lehrt uns der Moderator, erkennen wir an den "Empfindungsstörungen an den Füßen wie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder Schmerzen". Womit Dieter Thomas Heck aufgrund seiner Bekanntheit zum Arzneimittelverbrauch anregt.
Heck-meck ...?
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Heck-meck ...?
Spürt jemand von Euch schon ein Kribbeln an den Füßen, liebe Lesergemeinde? Dann aber hurtig in die nächste Apotheke laufen!

Weil Pharmawerbung mit Prominenten heikel ist, hat Ratiopharm sich dafür Generika einfallen lassen. Das sind zwei Protagonisten, die als Zwillingspaar auftreten und prominent geworden sind, und zwar durch die Werbung von Ratiopharm – siehe die Anzeige! Und weil weder Lieschen Müller noch Gottlieb Schulze wissen, wie diese Schwestern heißen, sind die prominenten Zwillinge auch nicht prominent im Sinne des Heilmittelwerbegesetzes.
Promi-Zwillinge!
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Promi-Zwillinge!
Ein anderer Pharmahersteller, nämlich Ursapharm, bewirbt ein Schnupfenspray, das den Namen Hysan trägt. Es macht "Eins, zwei, Nase frei!" Allerdings ist es nicht für den Menschen gedacht, sondern für Tiere – siehe die Anzeige!
Tierische Werbung!
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Tierische Werbung!
In diesem Zusammenhang stellt sich dem Spießer die Frage: Was wäre, wenn das Pharmaunternehmen ein prominentes Tier – zum Beispiel Micky Maus, Donald Duck oder die Biene Maja – abgebildet hätte: Würde das dann auch gemäß Heilmittelwerbegesetz untersagt werden, zumal es Kinder ansprechen würde?


Wie dem auch sein mag, das Kuscheltier in der Ursupharm-Anzeige ist ja auch nicht gerade eine Testimonial-Figur für erwachsene Konsumenten, oder erkennen Sie Ihr Haustier darin wieder ...?

Ach ja, und wie treibt die DHU jetzt ihre Werbung für Schüßler-Salze, deren Wirksamkeit nicht erwiesen ist? Das Unternehmen empfiehlt: "So kuren Sie in Herbst und Winter mit DHU Schüßler-Salzen!" Und wenn der Leser tatsächlich wissen will, wie er im Winter mit DHU Schüßler-Salzen kuren kann, dann erfährt er darüber in der Anzeige nichts. Jedenfalls nichts in Worten.
Wie kuren wir...?
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Wie kuren wir...?
Aber die Bildsprache! Wir sehen einen kleinen Jungen. Auf seiner Brust ist ein Label, auf dem zu lesen steht: "Mit dem Salz des Immunsystems". Und damit wissen wir nun, wie wir im Winter mit DHU Schüßler-Salzen kuren: Bei Eisglätte auf den Gehweg streuen, damit Kinder immun dagegen bleiben!

Wenn jemand oder etwas den Nerv trifft, dann kann das sowohl positiv als auch negativ sein. Positiv ist, wenn Spießer Alfons mit seiner Kolumne den Nerv seiner Leser trifft. Und negativ wäre, wenn der Zahnarzt beim Bohren den Nerv trifft.

"Keltican. Trifft den Nerv", erfahren wir in einer Anzeige. Das muss positiv gemeint sein, denn das Mittel soll das Nervensystem regenerieren und es "unterstützt körpereigene Reparaturvorgänge".
Ist dieses Paar dort auf dem Wege zum Zahnarzt, der den Nerv trifft...?
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Ist dieses Paar dort auf dem Wege zum Zahnarzt, der den Nerv trifft...?
Was ist Keltican forte? Ein Medikament? Oder ein Nahrungsergänzungsmittel? Der Hersteller über sein Produkt: "Lebensmittel", und zwar "für besondere medizinische Zwecke zur diätetischen Behandlung von Wirbelsäulen-Syndromen, Neuralgien und Polyneuropathien".

Frage an die spießige Lesergemeinde: Benötigt jemand von Euch ein Lebensmittel für seine Polyneuropathien ...?

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