Plädoyer fürs "Speedboat"

Drei Gründe, warum Kunden auf junge Agenturen setzen sollten

Donnerstag, 12. Januar 2017
Frisch gegründete Werbeagenturen fliegen oft noch unter dem Radar großer Marken - auch und gerade, weil viele Werbungtreibende nicht mutig genug sind und lieber auf Altbewährtes setzen. Dabei haben junge Kreativschmieden vieles zu bieten, was die "Großen" nicht oder nicht so gut können - findet jedenfalls Jasper Keßler, der vor zwei Jahren mit zwei Freunden die Agentur Epic gründete. In seinem Gastbeitrag bei HORIZONT Online liefert er drei Gründe, warum Kunden auf junge Agenturen setzen sollten.
Vor ziemlich genau zwei Jahren haben wir als drei Freunde die Kreativagentur Epic in Berlin gegründet. Wir waren alle Mitte Zwanzig und im Grunde sind wir das noch immer. Nach unseren ersten Gehversuchen in verschiedenen Agenturen in Hamburg, Berlin und Paris war uns aus diversen Gründen nach etwas Neuem. Etwas eigenem. Und logischer Weise kam dann ziemlich schnell die Idee, selbst Agentur zu spielen.


Falls einer fragt: Nein, wir waren nicht besoffen, als wir das beschlossen haben. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass es alleine in Berlin über 2000 (!!!) werbetreibende Agenturen gibt, könnte man auf diesen Gedanken kommen.

Wozu braucht ein scheinbar überfüllter Markt also noch neue Werbeagenturen? Tja – keine Ahnung. Ich schätze, man könnte jetzt die vielen neuen Medien und Kanäle als Begründung aufzählen und würde damit wahrscheinlich bedächtiges Nicken, tiefes Verständnis und vereinzelt auch Applaus ernten. Aber ich persönlich kann nur von unserer Erfahrung sprechen – und die ist eine andere.


Klar geht es auch um ein größeres digitales Verständnis – das wird aber vorausgesetzt, weil #jung, #GenY und #ErstesiPhoneMit7Jahren (Lüge). Im Kern sind wir aber aus anderen Gründen interessant und relevant für Unternehmen. Nämlich genau aus Dreien. Und falls Sie tatsächlich bis hier hin gelesen haben, dann ist es nicht mehr weit bis zur Auflösung:

1. Keine etablierte Agentur

Manche Unternehmen wollen einfach keine etablierte Agentur (mehr). Das hat ganz verschiedene Gründe: Die einen erhoffen sich frische Impulse und neue Wege statt Schema F, die anderen wollen sich generell neu aufstellen und suchen deshalb konsequenterweise einen wirklich neuen Partner, der da mitgestalten will; die einen wollen in den Kreativprozessen stärker involviert sein und für die anderen hat es finanzielle Gründe, die zu der Entscheidung führen, dass ein kleines kreatives "Speedboat" sinnvoller ist als ein großes Flaggschiff.
„Wir brauchen weniger Phantasie, Vorlauf oder Recherche und wir müssen uns auch nicht in völlig neue Themen reindenken. Wir müssen nur in uns selbst und unser Leben horchen. Und dann liefern.“
Jasper Keßler
Es gibt sogar welche, die den Verdacht oder die Befürchtung haben, dass die erfahrenen und hochdekorierten Senioren einer etablierten Agentur nur dreimal mit ihrem Projekt in Berührung kommen:  Zum Pitch, bei der Abschlusspräsentation und auf der Abrechnung. Der Rest wird von Praktikanten gemacht – so sagt man…

Manche wollen auch einfach mal was Neues ausprobieren und ich könnte jetzt ewig weiter machen. Wahrscheinlich gibt es mindestens so viele Gründe wie Agenturen. Das wäre zumindest geil, weil dann jeder etwas davon hätte!

2. Wir sind die Zielgruppe

Als junge Agentur sind wir für Unternehmen mit einer jungen Zielgruppe interessant. Warum? Na? Na? Weil wir ihre Zielgruppe sind! Oder zumindest sind wir deutlich näher dran als der eine oder andere Silberrücken in einer anderen Agentur. Wir brauchen weniger Phantasie, Vorlauf oder Recherche und wir müssen uns auch nicht in völlig neue Themen reindenken. Wir müssen nur in uns selbst und unser Leben horchen. Und dann liefern.

3. Bock auf junge Wilde

Jungen Menschen wird immer nachgesagt, sie seien kreativ, wild, hungrig und – das muss man in der Branche ja leider auch sagen – nicht ausgebrannt. Stimmt auch alles! Es gibt Unternehmen, die einfach auch Bock auf eine Achterbahnfahrt mit einer jungen, ambitionierten Agentur haben und auch mal gewillt sind, Extrameilen zu gehen – im positiven wie im negativen Sinne.

Klar – der Vorteil, dass wir keine alten Wege zum Beschreiten haben, bedeutet auch automatisch, dass wir uns hier und da auch mal scheinbar verlaufen und Extraschleifen drehen, um ans Ziel zu kommen. Aber oftmals finden wir genau da etwas, das Etablierte eben nicht finden, weil sie da gar nicht hingucken. Denn: Am Ende suchen wir doch alle das Unvorhergesehene. Und wo bitte findet man das wahrscheinlicher als da, wo man noch nie hingeschaut hat?

Deep, oder?

Und um Berührungsängsten vorzubeugen: Bis jetzt sind wir immer sehr gut ans Ziel gekommen. Und das haben wir auch weiterhin vor!

Also Freunde – gebt uns Jungen die Chance. Ihr werdet's nicht bereuen.
Über die Agentur
Die Kreativagentur Epic wurde Anfang 2015 als Tochter der Hannoveraner Full-Service Agentur Winkler & Stenzel von Jasper Keßler, Maximilian Winkler und Laura Schwendner gegründet und arbeitet für Kunden wie Sternburg, mymuesli, Rossmann, Volkswagen, Konzerthaus Berlin, Zalando und diverse Start-Ups.
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