Online vs. Offline?

Warum zusammen vielleicht doch besser ist

Freitag, 22. Dezember 2017
Die besinnliche Weihnachtszeit ist ja auch dazu da, zu sich selbst zu finden und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. So macht es auch Timm Weber. In seinem vorweihnachtlichen Gastbeitrag bei HORIZONT Online widmet sich der Kreativchef von Publicis Pixelpark dem Nebeneinander von Online- und Offline-Kommunikation und stellt anhand der Beispiele von MyTaxi, Spotify und Zalando fest, dass die beiden Disziplinen 2017 wunderbar miteinander interagieren können.
Läuft man durchs vorweihnachtliche Hamburg ist eigentlich alles wie jedes Jahr. Auf jedem auch nur noch so kleinen Platz hat sich ein Weihnachtsmarkt breitgemacht. Mehr Weihnachtsbeleuchtung  ist nicht denkbar. Menschenmassen drücken sich aneinander vorbei, beladen mit Tüten voller Geschenke. Eine Mischung aus Glühwein, Frittierfett und Dieselabgasen zieht in Schwaden an einem vorbei.

Wenn man dann doch mal wieder klar sehen und denken kann, fällt einem in absoluter A-Lage in den Großen Bleichen ein sehr schönes, sehr neues, noch leerstehendes Geschäftshaus auf. 2000 Quadratmeter hochwertige Retailfläche verpassen hier gerade das große Weihnachtsgeschäft und müssen sich noch ein wenig gedulden.



Aber schon bald eröffnet hier ein Zalando-Store. Ja, richtig gelesen, Zalando. Dieser große Schuhe- und Klamotten- und Sport- und Wasauchimmer-Versender eröffnet ein sehr großes Geschäft mitten in Hamburgs 1A-Lage.


Die Online-Welt wird sesshaft und anfassbar und macht sich jetzt auch in Deutschland in der Offline-Welt breit. In Amerika gibt's das natürlich schon lange, Amazon betreibt dort Buchläden und kauft ganze Supermärkte. Aber Zalando legt da schon ganz schön einen vor, was Größe und Anspruch angeht.
„Die Online-Welt wird sesshaft und anfassbar und macht sich jetzt auch in Deutschland in der Offline-Welt breit.“
Timm Weber
Schaut man sich weiter um, fallen einem noch mehr interessante Dinge auf. Überall hängen Spotify-Plakate, ganz klassisch gedruckt auf Papier, die lustige Beobachtungen der Musikhörer des letzten Jahres zusammenfassen. Also noch ein rein digitaler Player, der erkannt hat, dass es durchaus Sinn macht, klassische Kanäle zu nutzen, dahin zu gehen, wo sich die Menschen bewegen und nicht nur im digitalen Kosmos zu bleiben.

Und da kommt beim Rollplakat auch schon das nächste Motiv zum Vorschein: Absender ist die App MyTaxi und sagt mir auf lustige Weise, wie ich nach zu langem Stehen auf dem Weihnachtsmarkt und wenn ich leicht einen sitzen habe angenehm nach Hause kommen kann. Noch eine rein digitale Marke macht klassische Kommunikation, um möglichst viele Menschen zur App Nutzung und zum Einlösen eines 10 Euro Taxi-Gutscheins zu bringen.

Wenn man sich das alles so anschaut und den Wunsch hat, ein wenig weihnachtliche Stimmung zu verbreiten, könnte man allen Unkenrufen zum Trotz zu dem Schluss kommen, dass es überhaupt kein Entweder-oder zwischen Online- und Offline-Welt gibt. Auch wenn ständig etwas Neues erfunden wird, heißt das nicht automatisch, dass alles Alte ausgedient hat und erledigt ist. Vielmehr helfen Neuerungen uns bewusst zu machen, welche Relevanz viele Dinge immer noch haben, die uns schon lange umgeben. Manchmal gewinnen sie durch so eine Wiederentdeckung sogar noch an Bedeutung – Out of Home ist dafür sicher ein sehr gutes Beispiel.

Freuen wir uns auf 2018, auf viele neue und spannende Offline/Online-Partnerschaften. Auf meinem Wunschzettel steht ein Netflix-Kino, Snapchat-Filter und -Linsen zum Anziehen und ein echtes Auktionshaus von Ebay.
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