Zum Tode von Thilo von Büren

So verabschiedet sich Norbert Herold von dem Top-Kreativen

Montag, 17. August 2015
Die Werbebranche trauert um Thilo von Büren. Der Top-Kreative, der unter anderem die legendären TV-Spots für die Sparkasse ("Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot") und die "Bild"-Zeitung (Ich geh zur Bild-Zeitung!) entwickelte, ist letzte Woche im Alter von nur 50 Jahren gestorben. ADC-Mitglied Norbert Herold hat einen Nachruf auf seinen Weggefährten verfasst, den HORIZONT Online im Wortlaut veröffentlicht.
Thilo von Büren ist vergangene Woche gestorben
© privat
Thilo von Büren ist vergangene Woche gestorben
Lieber Thilo, weißt Du noch, wie wir diese großbusige Flamme von Ben Oyne beim Dreh in Marbella in ein Gespräch verwickelt hatten, um ihr die Vorzüge der Münchener Straßen auf dem Weg zu Dir oder zu mir zu erklären? Weißt Du noch, als wir uns zufällig vor der Oper trafen und du mir vom Fahrrad entgegen riefst: Mir ist eine Headline für eine Plakatkampagne der Uni zur Steigerung der Studentinnenquote eingefallen: Du Tarzan. Ich Abitur. Wie findst denn das? Grandios! Genial!
Oder weißt Du noch, wie ich Dir erzählt hatte, dass sich meine Frau morgens beim Frühstück die Antworten auf ihre Fragen selbst gab, weil ich in den Sportteil der Süddeutschen Zeitung versunken war, und das täglich. Und Du diese Szene Monate später als TV-Spot geschrieben hast. Wie Du ja überhaupt alles, was Du gehört oder gesehen hast, mit einem tollen Langzeitgedächtnis umwandeln konntest in menschliche Skizzen und Sketche, wie sonst niemand. Mal zum Brüllen komisch, mal ganz fein und zart oder mit gemein versteckter Pointe.
Der ADC bedeutete Dir unglaublich viel. Wir haben mehr Stunden über Gestaltung, Textnuancen, strategische Qualität und Awards diskutiert, als über irgendetwas sonst. Dass Du nun einfach so weg bist, kann ich gar nicht glauben. Du bist mit so vielen Menschen zusammengetroffen, von denen Du gelernt hast, die Dich beflügelten, die Du aber auch bereichert hast mit Deinem Talent, Deinem Humor und ganz besonders Deiner bezaubernden Naivität, die nur den besten Textern zu eigen ist. Ich weiß, Feico, Fred, Alex, Jean Remy und Deneke empfinden das sicher genauso, wie auch Deine ehemaligen Agenturpartner Neli, Mathias und Kimon.

Schreiben ist ja eine Sache. Das können andere auch. Aber das Geschriebene so leichthändig zu inszenieren, das konntest nur Du. Lieber Thilo, unheimlich schade, dass Du gegangen bist, aber Du gehst ja nur vor. Wir kommen nach. Wir sehen uns. Ganz sicher. Und dann macht Dir Tauki die Frikadellen, die Du Dir bei unserem letzten Treffen vor ein paar Tagen so gewünscht hast. Bis denn und denn, mein Freund. Mach`s gut! Dein Norbert
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