Kommentar

Warum Stephan Rebbe recht hat

Donnerstag, 19. Februar 2015
Mit markigen Seitenhieben hat Stephan Rebbe, Co-Gründer der Hamburger Kreativagentur Kolle Rebbe, im "Zeit"-Interview seinen Rückzug konkretisiert. Werbung sei "unsexy" geworden. Auch habe keine der etablierten Agenturen eine wirkliche Lösung für die Veränderungen in der Kommunikation durch das Internet. Hier seien die eigentlichen Wettbewerber Google und Facebook. Recht hat er, meint Pitchberater Jan-Piet Stempels in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online.
"Obwohl bereits seit einiger Zeit wenigstens in Hamburger Werberkreisen der baldige Abgang von Stephan Rebbe bekannt war, schlug mir die Meldung dennoch auf’s Gemüt und allein war und bin ich damit sicherlich nicht. Schließlich ist die Meldung aus zweierlei Gründen sehr unangenehm: erstens, weil Rebbe geht und zweitens, weil er im "Zeit"-Interview leider in (fast) allen Punkten den Nagel auf den Kopf trifft. Dabei hat er nicht, wie einige dies vielleicht meinen mögen, den verbleibenden Playern mit dem Interview in die Suppe gespuckt, denn eine Generalabrechnung oder ein Blick zurück im Zorn geht anders. Vielmehr sind Rebbes kritische Beobachtungen ein wertvolles Abschiedsgeschenk für die Branche beziehungsweise eine Einladung zu einem gern auch polarisierenden Austausch zwischen Agenturen und Werbungtreibenden.
„Allzu gern wüsste ich, welche Meinung zum Beispiel die OWM zum Rebbe-Interview hat.“
Jan-Piet Stempels
Dabei mangelt es mittlerweile nicht mehr an meinungsstarken Protagonisten auf Agenturseite, um eine belebende Diskussion über die Qualität und Zukunft der Branche in Gang zu bringen. Vielmehr erleben wir in Deutschland seit Jahren einen großen Mangel an profilierten Marketingprofis auf Unternehmensseite, die ausreichend Lust und Leidenschaft mitbringen, um mit ihren Anmerkungen etwas für eine fruchtbare Branchendiskussion zu tun. Klare Meinungen? Ein Verantwortungsbewusstsein oder Vision für die Branche? Fehlanzeige.




Allzu gern wüsste ich, welche Meinung zum Beispiel die OWM zum Rebbe-Interview hat. Was tut man gegen Angsthasen in den eigenen Reihen? Gibt es dagegen ein Mittel? Oder anders herum gefragt: reflektiert man über die Stärken und Schwächen der eigenen Zunft ausreichend klar und lösungsorientiert? Bis dato eine rhetorische Frage.


Stephan Rebbe hat in seinen unaufgeregten aber klaren Statements die wichtigsten Branchenthemen benannt, die in Zukunft debattiert werden sollten. Nun liegt der Ball einmal mehr im Feld von GWA, OWM, den Playern der etablierten Agenturen und dem Nachwuchs. Ob sich jemand zu Wort melden wird?

Dass sich Rebbe mittelfristig ganz und gar aus der Branche zurückziehen wird, steht zu bezweifeln und ist alles andere als wünschenswert. Schließlich braucht die deutsche Werbebranche in spannenden Um- und Aufbruchzeiten Menschen mit Meinung und Haltung mehr denn je. In diesem Sinne: Bis hoffentlich später, Stephan!" Jan-Piet Stempels
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