Kommentar

Die Geheimdiplomatie im Mercedes-Pitch

Mittwoch, 26. November 2014
Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Seit Wochen rätselt die Marketingbranche, wie die neue Agenturkonstellation bei Mercedes-Benz aussehen wird. Bleibt Etathalter Jung von Matt im Lead, kommt BBDO stärker zum Zug oder vielleicht doch die Angreiferkonstellation Heimat/Nordpol? Mit der jetzt gefundenen Lösung, dass André Kemper und Tonio Kröger eine Agentur aufbauen sollen, die sich exklusiv um den Autokunden kümmert, dürften die wenigsten gerechnet haben.

Die Entscheidung ist spektakulär und zugleich kurios. Das gilt in gewisser Weise auch für das Prozedere. Monatelang gab es einen offiziellen Pitch mit drei der besten Agenturen beziehungsweise Teams, die es im deutschen Markt gibt (siehe oben).

Von ihnen konnte am Ende keiner überzeugen, sodass Mercedes die Trumpfkarte Kemper/Kröger aus dem Ärmel schütteln musste. Wer ernsthaft glaubt, dass die Idee für dieses Modell entstanden ist, nachdem sich die von den Pitchergebnissen enttäuschten Konzernmarketer im Anschluss an die Bambi-Verleihung den Herren Kröger und Kemper anvertraut haben, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann. Die Geheimdiplomatie zu den beiden muss schon länger gelaufen sein, parallel zum offiziellen Pitch und womöglich von höchster Stelle vorbereitet. Um das Vorgehen Compliance-sicher zu machen, hatte Mercedes für den Auswahlprozess die Beratungsfirma Cherrypicker an Bord geholt. So lässt sich guten Gewissens sagen, dass das von neutraler Instanz betreute Verfahren zu keinem Ergebnis geführt hat und eine andere Lösung her musste.


Ein Coup ist die allemal, wenn auch einer mit Beigeschmack. Wer sich allerdings nicht darüber beschweren kann, ist der bisherige Etathalter Jung von Matt. 2006 hatte die Agentur selbst von solch einer Sonderlösung bei Mercedes profitiert - diesmal hat sie das Nachsehen. Einen Unterschied gibt es allerdings: Damals fand vorher kein monatelanger Pitch statt. mam


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