Dirk Popp aus Cannes

Der große Cannes-Auftrieb

Montag, 22. Juni 2015
Dirk Popp gehört zu den deutschen Agenturchefs, die in diesem Jahr die Cannes Lions besuchen. Für HORIZONT Online beleuchtet der CEO von Ketchum Pleon Germany die interessanten Trends vom größten Werbefestival der Welt.

Montag, 22.6. Wenn man wie ich gestern in Cannes aufgeschlagen ist, hat man irgendwie das Gefühl, dass mindestens die Hälfte aller Agenturen und Kunden sich in dieser Woche an der Coté d'Azur tummelt: Er ist wieder da, der grosse Cannes Lions Auftrieb. Es gibt wohl kein größeres Ereignis in der Branche. Auch in diesem Jahr wurde der letztjährige Rekord der Einreichungen übertroffen. Aus mehr als 40.000 Arbeiten müssen die Juroren die Gewinner destillieren. Eine Auszeichnung gilt als Ritterschlag. Anerkennung, Karriere und Neid sind gewiss. 



Aber Cannes hat weit mehr zu bieten als die Preisverleihungen. Nicht ohne Grund sprechen die Macher von einem „Festival der Kreativität“. Die Besucher erwartet ein fast unüberschaubares Programm, gespickt mit Top-Rednern.

Cannes Lions 2015: Die besten Bilder von Samstag und Sonntag


A-List Promis, Werber, Musiker, Digital-Unternehmer, Politiker – „tous le monde“ ist auf den Event-Bühnen in und rund um den Festival-Palais vertreten und formuliert mal mehr, mal weniger spitze Thesen zur Lage der Kommunikation. Und ja, gefeiert wird natürlich auch nicht zu knapp – Festivalstimmung, eben. 

In diesem Jahr bin ich ab Montag zusätzlich auch als Reporter für HORIZONT vor Ort im Einsatz, um von Zeit zu Zeit ein paar Eindrücke zu teilen. Natürlich und gewollt höchst subjektiv. Das Ganze werde ich mit einem kleinen Experiment verbinden: Mein einziges Werkzeug für die Cannes-Berichterstattung ist mein Smartphone – natürlich verstärkt durch eine ganze Ladung Akku-Packs.


Bonustrack: meine vorläufigen Cannes-Favoriten

Kein Text über Cannes kommt ohne sie aus: Die persönliche Hitliste der besten Kampagnen. Hier sind meine Top-5 für den Moment. Update? sehr wahrscheinlich.

#likeagirl: Hier sind sich ja nahezu alle Auguren einig: Die Always-Kampagne, die das Selbstbewusstsein junger Mädchen stärken soll, gilt als heißester Titelfavorit. Starke Idee, smart umgesetzt. 

Rechts gegen Rechts: Der alljährliche Aufmarsch von Neonazis in einem kleinen Dorf in Oberfranken wird zum „unfreiwilligsten Spendenlauf aller Zeiten“. Für jeden zurückgelegten Meter der Rechten gab’s zehn Euro für das Neonazi-Aussteiger-Projekt EXIT. Einfach. Großartig.

Tanzende Ampelmännchen: Wie bringt man Fußgänger dazu, bei Rot auch wirklich zu halten? Indem man die Ampelmännchen zum Tanzen bringt – dachten sich meine Kollegen der BBDO im Auftrag von smart. Ein schönes Beispiel, wie Technik zum Startpunkt einer Kampagne wird. 

Safety Truck: Noch ein Verkehrsthema, noch ein Technik-Ansatz. Diesmal geht’s um riskante Überholmanöver auf argentinischen Landstraßen. Die Idee: Lkw, die den Gegenverkehr per Kamera aufnehmen und auf ihr Heck projizieren. Autofahrer können so sofort sehen, ob von vorne Gefahr droht.

5 Fruits et Legumes Moches Par Jour: Gegen Lebensmittelverschwendung richtet sich diese Kampagne von Intermarché. Konkret geht es um Obst und Gemüse, das Makel aufweist und deshalb von vielen Kunden verschmäht wird. Dieses „hässliche Obst und Gemüse“ bietet Intermarché in seinen Märkten an – in Gänze oder zu Suppen und Säften verarbeitet und zu 30 Prozent günstiger. Die Botschaft: Ist zwar nicht makellos, aber schmeckt genauso gut.

stats