Jan-Piet Stempels

Der Brüderle im Werber

Mittwoch, 25. September 2013
Ich weiß, was Sie jetzt denken, und Sie haben Recht: nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Dennoch fühle ich mich in den letzten Tagen bei der Nachlese zum FDP-Debakel hier und da an die Situation nicht weniger Agentur-Player erinnert.

Man gehört schon so lange zur Branche, dass man sich und seine Daseinsberechtigung nicht mehr ernsthaft hinterfragt. Haltung und Anspruch haben sich mit der Zeit fast gänzlich in Luft aufgelöst und tauchen nur noch als leere Worthülsen in Interviews auf. Wenn Pragmatismus mit Opportunismus verwechselt wird, verschwinden langsam aber sicher alle guten Gründe, vom Kunden als ideale Wahl erkannt zu werden: eine klare Meinung, Persönlichkeit sowie ein Selbstverständnis, das weit über das pure Funktionieren hinaus geht.

In eigener Sache: Top-Entscheider kommentieren auf HORIZONT.NET

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Auf HORIZONT.NET melden sich Top-Entscheider der Kommunikationsbranche ab sofort selbst zu Wort. Mit den Kolumnen und Meinungsbeiträgen prominenter Branchenköpfe will sich HORIZONT.NET noch stärker als Debattenplattform positionieren. Der Startschuss fällt in dieser Woche zur Digitalmesse Dmexco in Köln. Weiterlesen

Zugegeben, hehre Worte und Werte zahlen keine Miete, und leider gibt es noch immer viel zu viele Marketingentscheider auf Unternehmensseite, die keinen besonderen Wert auf Agenturen mit einer eigenen Meinung legen.

Doch das Beispiel der freien Demokraten zeigt, dass mit dem dauerhaften Verlust des Profils sich irgendwann auch die Klientel verabschiedet. Übrig bleibt wie immer die Frage aller Fragen: Warum soll man als Kunde heute die Agentur A der Agentur B vorziehen? Wer diese Frage ohne die Verwendung der üblichen Buzzwords beantworten kann, hat zumindest die 5%-Hürde automatisch übersprungen. Der Rest muss zur Strafe mit dem alten Guidomobil zum Kunden fahren.

Jan-Piet Stempels

Der Autor ist Geschäftsführer der Pitch- und Unternehmensberatung The Observatory International.
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