Hier kommt Arbeit ...

... für unseren Werberat

Mittwoch, 12. November 2014
In der Werbung wird so einiges auf Sand gebaut, der den Konsumenten in die Augen gestreut werden soll, damit sie nicht klarsehen!

Der Deutsche Werberat ist ein Organ des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) und hat die Aufgabe, auf Lauterkeit und Sauberkeit in der deutschen Werbung zu achten. Hierzu zählt unter anderem, die Grauzonen im Vorfeld der gesetzlichen Regelung zu ermitteln und Darstellungen, die anstößig oder unzuträglich sind, zum Schutze der Umworbenen abzustellen.

Wenn der Deutsche Werberat jährlich seinen Tätigkeitsbericht veröffentlicht, dann werden Verstöße gegen die guten Sitten dargestellt, deren Verursacher sich als unbelehrbar erwiesen haben. Häufig ist das ein nackter Frauenpo in einer kleinen lokalen Annonce, durch den scheinbar das gesamte weibliche Geschlecht von der deutschen Werbewirtschaft diskriminiert wird. Merke: Es genügt schon ein/e Beschwerdeführer/in, damit der Werberat solch einem Fall nachgeht.

Würde der Deutsche Werberat sich intensiv mit der groß angelegten Kosmetik- und Pharmawerbung befassen, dann hätte das Gremium sehr viel mehr zu tun. Und es gibt auch noch andere Reklameauftritte, aus denen man ablesen kann, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann.

Diese Uhr hat nicht nur eine Tages-, sondern sogar eine Datumsanzeige in deutscher Sprache!
© Unternehmen
Diese Uhr hat nicht nur eine Tages-, sondern sogar eine Datumsanzeige in deutscher Sprache!
Zum Beispiel eine Anzeige vom Aktionshaus Splendor-SA in Zürich. Diese Firma, die unter der Schweizer Nationalflagge wirbt, ist nach eigener Werbeaussage das „1. Schweizer Präzisions-Markenuhren-Outlet“. Und die Headline der abgebildeten Anzeige lautet: „Unser Fehler – Ihr Profit: 220,- gespart!“

Das macht neugierig. Wir lesen also weiter und erfahren: „Das gab’s noch nie: Wir bieten Ihnen ein brandneues Modell aus der Manufaktur ASTRON, das erst im Frühjahr 2015 auf den Markt kommen wird, zum Outletpreis von nur 49,- Euro an. WARUM? Eine Auflage von 500 dieser Uhren, die für den US-Markt bestimmt waren, konnte nicht ausgeliefert werden, da die Kalenderfunktion in deutscher Sprache eingebaut wurde. Daher können wir Ihnen diese fabrikneuen Modelle zum exklusiven Outletpreis anbieten.“ Und das bedeutet: „Original ASTRON-Daydate-Präzisionsuhr statt 269,- nur 49,- Euro“.

An dieser Stelle wird jeder Leser, der einen IQ über dem Mittelwert hat, stumm vor sich hin grinsen und weiterblättern. Wer dagegen weiterliest, erfährt, dass nicht nur die Tagesanzeige der Uhr in deutscher Sprache ist, sondern auch die Datumsanzeige! Und der Verkäufer merkt ausdrücklich an: „Wir bitten Sie im Interesse aller Kunden, nicht mehr als 2 Uhren zu bestellen.“

Eine Schweizer Uhrenmanufaktur mit dem Namen ASTRON ist dem Spießer unbekannt. Weil aber die Uhr erst im Frühjahr 2015 auf den Markt kommt, tritt die Firma Astron möglicherweise parallel dazu in Erscheinung, deren Uhr übrigens keinen Hinweis „Swiss Made“ im Ziffernblatt trägt. Lustig ist auch: Die 500 falsch produzierten Zeitmesser gibt es wahlweise als Herren- oder Damen-Armbanduhr.

Wenn Alfons mal vermuten darf: Die Original ASTRON Daydate-Präzisionsuhr „aus massivem Edelstahl mit Teilvergoldung“ ist original Made in China.

Eine Anzeige von Nestlé. Wir sehen einen Säugling mit seiner Mama, die folgende Worte spricht: „Du bist überzeugt davon, dass ich am besten weiß, was deinem Bäuchlein guttut.“ Und: „Du vertraust mir. Und ich vertraue BEBA.“

Nestlé weiß, wovon Babys überzeugt sind!
© Unternehmen
Nestlé weiß, wovon Babys überzeugt sind!
Das muss man sich mal reinnuckeln: Ein wenige Tage alter Mensch ist überzeugt davon, dass die Mutter mit Beba sein Bestes tut. Frage: Ob das Baby es wohl der Mama gesagt hat? Oder war es womöglich der Textdichter von Nestlé ...?

Und für den Säugling steht noch ein Hinweis am Fuße der Anzeige, also lautend: „Für einen sicheren Start ins Leben: facebook.com/beba“.

Die KFW ist nach eigenem Bekunden eine „Bank aus Verantwortung“. Und diese Geldfirma fragt in ihrer Anzeige verantwortungsvoll: „Wie wachsen Fachkräfte nach?“ Eine Frage, die in Deutschland durchaus von Berechtigung ist, weshalb Spießer Alfons die Antwort gibt:

Kurze Antwort: durch Geschlechtsverkehr!
© Unternehmen
Kurze Antwort: durch Geschlechtsverkehr!
Der erste Schritt, damit Fachkräfte nachwachsen, ist es, Geburten in die Wege zu leiten. Wie man das macht, dürfte bekannt sein. Und warum das hierzulande zu wenig gemacht wird, liegt offenbar an den Rahmenbedingungen.

Wenn die KFW Bank aus Verantwortung es schaffen würde, die Rahmenbedingungen zu verbessern, dann wachsen auch wieder Fachkräfte nach.

Diese spießige Bankberatung ist übrigens kostenfrei, aber verbindlich.

Pepe Jeans wirbt. Wir sehen zwei Männer, die einer jungen Frau im weißen Kuscheljäckchen über eine Mauer helfen, obwohl doch links im Bilde erkennbar ist, dass es dort einen Durchgang gibt.

„Ooops – sie trägt tatsächlich keinen Slip!“
© Unternehmen
„Ooops – sie trägt tatsächlich keinen Slip!“
Die Headline lautet: „Made for Mischief“. Was Fragen aufwirft, und zwar nach der Bedeutung des Wortes „Mischief“. Es kann meinen: „Unfug“ genauso wie „Unheil“ oder „Unsinn“. Die Übersetzung kann auch „Schaden“ sein. Oder „Verderben“. Oder „Schalk“. Oder „Dummheiten“. Oder „Übelstand“. Oder „Racker“.

Und so hat denn der Anzeigenleser das Inserat vor sich und überlegt: Was will Pepe Jeans uns damit verkaufen? Die Kuscheljacke der Frau? Oder ist es einfach nur „Unsinn“ – siehe die Bildunterzeile!?

In Versallettern steht die gedruckte Bekanntmachung: „One man, one ma-chine. G.P.M.H.“ Und die Maschine sehen wir rechts unten im Bilde, nämlich eine Armbanduhr von Chopard. Diese Firma ist nicht nur „Sponsor of the Grand Prix de Monaco Historique“, sondern auch „Official Timekeeper“. Das bedeutet: Der Mann im Bilde hat die Maschine von Chopard am Handgelenk, um die Time zu keepen, und zwar official. Und weil der Mann mit leicht gesenktem Haupt am Rande der Rennpiste geht, ist zu vermuten, dass er vergessen hat, seine Uhr aufzuziehen. Vielleicht ist er deshalb mit seinem Boliden zu spät ins Ziel gekommen ...?

Warum sieht One Man so bedröppelt aus?
© Unternehmen
Warum sieht One Man so bedröppelt aus?

Was unterscheidet Deichmann von Edeka? Klar: Bei Edeka heißt es: „Wir lieben Lebensmittel.“ Und bei Deichmann: „Weil wir Schuhe lieben.“ Deshalb zeigt Deichmann auch keine Lebensmittel in seiner Anzeige, sondern eine Lady in Black. Begründung: „Weil schwarz stark ist.“

Ein klarer Fall für Schwarzkopf!
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Ein klarer Fall für Schwarzkopf!
Die junge Dame im Bilde hat zwar keine schwarzen Haare, wohl aber ein schwarzes Outfit inklusive schwarzer Schuhe. Und das ist wirklich stark. Denn braune Schuhe wären ausgesprochen schwach zu schwarzer Bekleidung.

Das Besondere an den Schuhen: Sie drücken. Weshalb die Trägerin zur Entspannung die Treppe im Sitzen hochfährt.

Die Firma Artigiano ist ein Schweizer Familienunternehmen, das Hemden und Blusen für Damen und Herren fabriziert. Und laut versaler Headline ist die Firma „The no. 1 for white shirts“ – siehe die Anzeige!

Warum will der Mann nicht erkannt werden?
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Warum will der Mann nicht erkannt werden?
Was bedeutet dieser Superlativ? Übersetzt bedeutet es, dass Artigiano die Nr. 1 für weiße Hemden ist. Doch was meint das de facto? Bietet keine andere Hemdenmanufaktur eine größere Auswahl an weißen Hemden als die Schweizer? Oder verkauft Artigiano die meisten weißen Hemden weltweit? Oder ist das eidgenössische Unternehmen vielleicht führend bei den Verkaufspreisen für weiße Hemden ...?

Spießer Alfons weiß es nicht. Und der Mann im Bilde der Anzeige wendet sich ab, um nicht erkannt zu werden.

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