Frauenbild in der Werbung

Cannes setzt ein Zeichen

Freitag, 06. März 2015
Die Cannes Lions sind angetreten, das Frauenbild in der Werbung zu revolutionieren und für mehr weibliche Führungskräfte in der Agentur- und Kreativszene zu kämpfen. Kann das gutgehen? Tatsächlich ist bei diesem Thema hierzulande Zurückhaltung angesagt. Zu viel wurde in den vergangenen Jahrzehnten darüber geredet, zu wenig hat sich getan.
Im ADC sind rund 10 Prozent aller Mitglieder weiblich. Das ist heute nicht anders als vor zehn Jahren. Weibliche Agenturchefs? Laut GWA gibt es davon 2,9 Prozent. Noch immer herrscht die gängige Meinung, dass es gerade in der Werbebranche sehr schwer ist, als Frau Karriere zu machen – vor allem, wenn man zudem den Wunsch hegt, eine Familie zu gründen. Warum ist dieser Gedanke eigentlich so absurd? In anderen Branchen herrscht diesbezüglich doch auch Bewegung. Der Verein Pro Quote setzt sich für Frauen in Medienberufen ein und hat mehr als 4600 Unterstützerinnen und Unterstützer. Eine vergleichbare Initiative, die sich explizit an Frauen in der Kreativ- und Agenturbranche richtet, gibt es nicht. Zumindest nicht in Deutschland.


In den USA hingegen existieren mehrere Organisationen, Netzwerke und Förderprogramme für Frauen, die zum Teil auch untereinander kooperieren. LeanIn.org, die 3% Conference und die 50/50 Initiative des ADC New York haben die Weichen gestellt, die Cannes Lions ziehen nach. Deutschland hinkt mal wieder hinterher. Die beiden größten Verbände der Agentur- und Kreativszene GWA und ADC haben andere Themen auf der Agenda. Dabei könnten eine stärkere Fokussierung auf Frauen und entsprechende Förderprogramme dazu beitragen, endlich auch das größte Problem der Branche in den Griff zu bekommen: den Kampf um Talente.

Laut DDB-Kreativchef Amir Kassaei, der sich bei HORIZONT ONLINE ausführlich dazu geäußert hat, ist das Frauenthema zu wichtig, "um nur in einer Unterkategorie in Cannes berücksichtigt zu werden". Mag sein. Aber es ist eine von vielen kleinen Aktionen, die dadurch an Größe gewinnen, dass es weltweit immer mehr davon gibt. Und genau deshalb ist dieses Signal richtig und wichtig. bu
stats