Frank Behrendt

Schicken Sie die Weihnachtskarten in Rente!

Dienstag, 26. November 2013
Noch vier Wochen, dann ist Heilig Abend. Höchste Zeit also, die Weihnachtskarten und Päckchen für Kunden, Geschäftspartner und Branchenkollegen fertig zu machen. Oder etwa nicht? Frank Behrendt, Vorstand bei Fischer Appelt, steigt in diesem Jahr endgültig aus dem Weihnachtskartentheater aus. Warum, das verrät er in seiner Kolumne für HORIZONT.NET.


Es war 1984 damals habe ich meine erste Weihnachtskarte unterschrieben. Im Dezember brachte Wham! den Ohrwurm " Last Christmas" heraus, während ich als kleiner Angestellter bei Henkel die Grüße zum Christfest verschickte. Vorne auf der Karte war übrigens eine weiße Dame. Ende 2013 ist es soweit: Dann gehe ich in Rente. Mit den Weihnachtskarten. Ich höre auf damit. Es gibt kein Zurück mehr. Ich ziehe das jetzt durch.

Gewiss: Das wird Konsequenzen in Bezug auf den Erhalt von Karten haben. Aber leider erst Weihnachten 2014. Denn die diesjährigen Verteiler der Weihnachtskarten sind längst gefixt. Es wurde bestimmt auch angekreuzt, ob ich für ein kleines, mittleres oder gar kein Präsent in Frage komme. Und wissen Sie was? Ist mir total egal.


Mir bedeuten die im Stapel unterschriebenen Karten nichts. Auch die unpersönlichen Präsente nicht. Und die Adventskalender mit der Schokolade, die immer etwas abgelaufen schmecken, schon gar nicht. Ich bin auch überhaupt keinem böse, der im Vorweihnachtstrubel nicht an mich denkt oder mich auf der Liste vergessen hat. Vor allem deshalb, weil ich jetzt selbst keine Karten mehr schreibe. Keine Angst, ich verschicke stattdessen zur Kompensation auch keine fiesen E-Mail-Links mit jodelnden Rentieren oder einem Weihnachtsmann, der zu Jingle Bells vom Schlitten fällt.

Jahrelang hab ich mich immer gefragt, was dieses Weihnachtskartentheater soll und mich maßlos über diesen Unterschriftenzwang geärgert. Gleichwohl fand ich auch die Leute nervig, die großspurig auf feinem Büttenpapier verkündeten, dass sie statt Geschenken doch lieber in diesem Jahr was spenden - für die Dritte Welt. Gutes tun finde ich großartig, aber sollen die Spendenvermelder das doch einfach machen und das Geld für die Karten gleich mitspenden.

Die Kolleginnen und Kollegen bei uns, die in guter alter Tradition was verschicken wollen, dürfen das herzlich gerne tun. Ich denke auf eine andere Art an alle, die ich als Kunden, Partner, Branchenkollegen oder Weggefährten mag. Das ist ungefähr so, wie mit dem riesigen Blumenstrauß am Fleurop-Valentinstag. Wer nur dann seinem König oder der Königin seines Herzens etwas schenkt, wenn es per Kalender verordnet wird, ist für mich nicht gerade der nachhaltige Romantiker. Mein NEIN zur Weihnachtskarte ist daher auch ein JA zu noch mehr Aufmerksamkeit während des gesamten Jahres.

Wertschätzung zeigen hat nichts mit Karten und Geschenken zu tun. Sich Zeit zu nehmen am Telefon oder im persönlichen Gespräch schon: Mit Jobkontakten mal über das Berufliche hinaus zu sprechen. Oder mal einfach so ohne einen vorgegebenen Anlass etwas zu verschicken, einen tollen Frühlingsanfang wünschen oder schöne Ferien - das macht wirklich Freude und sorgt für ebensolche. Auch bei einem Lunch länger als das blinkende Zeitfenster im Timer mit dem Gegenüber zu reden, ist erbaulich. Wenn nach solchen Gelegenheiten ein "unser Gespräch hat mich inspiriert" zurückkommt, bedeutet mir das viel mehr als italienische Genussmischungen oder eine Buddel Rotwein, die ich sowieso nicht trinke.

Befreiend ist er, mein Abschied von der Weihnachtskarte. Vor allem, weil ich keine Angst mehr haben muss, jemand zu vergessen. Für diese Zwecke hatte ich bisher immer einen Stapel Blanko-Karten mit vorfrankierten Umschlägen neben dem Telefon liegen. Und wenn einer mir eine schrieb, den ich zuvor nicht auf meiner Liste hatte, bekam der postwendend eine zurück. Meist kamen diese "Last Minute Karten" dann erst im neuen Jahr an. Abgehakt. Die Befreiung von alten Weihnachtszöpfen hat auch in meinem CD-Regal Einzug gehalten. Meine kleine Tochter hat die Scheibe mit dem Wham-Gedudel letztens einfach zerbrochen. Last Christmas ist jetzt endgültig vorbei.

Der Autor Frank Behrendt ist Vorstand der fischerAppelt AG
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